Mut zu(r) Lücke

„Mut zur Lücke“, ein schönes Sprichwort. Es bedeutet soviel wie: Habt ruhig den Mut etwas anderes zu tun, traut euch, gegen den Strom zu schwimmen. Das Sprichwort beschreibt auch die Einstellung, die man als „wird schon“ benennen kann. Nimmt man nun jedoch das gleiche Sprichwort und wandelt es minimal ab, so entsteht der Mut zu Lücke. Aus einem Aufruf zur Eigenständigkeit wird die Aufforderung an den Bundestrainer Hansi Flick, Stürmer Niclas Füllkrug alias „Lücke“ in der Nationalmannschaft bei der WM in Katar aufzustellen.

Doch soll das kleine Wortspiel nicht unerklärt im Raum stehen bleiben. Nach einem zunächst durchwachsendem Start vergangenes Jahr spielte Füllkrug sich bei seinem Verein, dem SV Werder Bremen, ins Auge des Bundestrainers. Zu meiner Freude trug er mit seinen Leistungen maßgeblich zur Rückkehr Bremens in die Bundesliga bei, wohingegen gewisse andere Vereine aus dem Norden in der Relegation verhungerten. Das ist jedoch eine andere Thematik.

Bis vor kurzem war jedoch nicht klar, ob Füllkrug an der umstrittenen WM in Katar teilnehmen würde. Aktuelle Fragen in der Gesellschaft im Bezug auf das Bürgergeld oder die Midterms in den USA wurden ergänzt durch die Frage: Fährt Lücke zur WM? Eine Frage, die für mich als Hamburger nur eine Antwort tragen kann und darf: Nein! Auch wenn ich mir nicht nachsagen lasse, dass ich trotz aller Rivalität Leistung im Fußball anerkenne und eine Nominierung leistungsbezogen stark befürwortet habe. Als Resultat meiner Naivität und meiner Selbstsicherheit entschied ich mich zu einer einfachen Wette, ob Füllkrug zur WM fahren werde.

Mein Einsatz: Einen Tag im Füllkrug Trikot rumlaufen, sollte dieser nominiert werden.

Donnerstag vor 2 Wochen, 12:00 Uhr: Ich sitze gespannt im Matheunterricht, als mir in Form einer Nachricht auf dem iPad verkündet wurde: „ Lücke fääääääährt!!!!“. „Toll“, dachte ich mir, „ so macht Integralrechnung gleich viel mehr Spaß“. Vergangenen Freitg war es dann soweit. Zur Genugtuung der Lehrkräfte H. (Werder-Fan) und M. (nur „Sympathisant“ des SV Werder Bremen) lief ich mehr oder weniger stolz unter fraglichen Blicken meiner Mitschüler:innen mit einem Werder Bremen-Trikot herum, auf dem Rücken, natürlich: Niclas Füllkrug.

Bei all dem Witz sollten wir jedoch das Wesentliche nicht außer acht lassen. Vergessen wir für einen Moment alle Rivalitäten, alle Meinungsunterschiede zwischen den Fans und fokussieren uns auf das, was viele bewegt – den Fußball. Die WM in Katar ist ein Resultat dessen, was Kritiker dem Fußball bereits seit Jahren sagen. Der Sport steht schon lange nicht mehr an erster Stelle, sondern ist nur noch sekundär. Die FIFA verliert nun ihren letzen Glanz, wenn dieser nicht schon seit Jahren ergraute. Ein Präsident, dem es gelingt, die Weltmeister als „beste WM aller Zeiten“ zu bezeichnen und ein bayrischer Rentner, der angeblich keinen einzigen Sklaven gesehen hat. Mehr als 14.000 Tote (laut Amnesty International) während der Bauarbeiten an den Stadien, Missachtung von Menschen- und Frauenrechten und totale Überwachung: Willkommen in Katar. Deswegen ist es hier durchaus angebracht Mut zur Lücke zu haben, die WM einfach mal WM sein zu lassen und sich stattdessen sportliche Erfolge des eigenen Vereins anzuschauen. Auch wenn ich hierfür einige Jahrzehnte zurückspringen müsste, es sei denn der Gewinn des Telekom-Cups zählt als Erfolg.

Auch wenn ich die WM nicht schaue und den Mut zur Lücke nutze, hoffe ich, dass Hansi Flick hingegen den Mut zu Lücke beweist, sollte dieser nämlich eine erfolgreich Weltmeisterschaft spielen, wäre meine Demütigung wenigstens etwas geringer.

In diesem Sinne:

Foto: jr

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