Europa(schule) aktuell

Hier findet ihr regelmäßig Berichte der Juniorbotschafter:innen des Europäischen Parlamentes, spannende Hintergrundberichte und Reportagen rund um Europa, seine Geschichte und seine Menschen.

Zertifizierung als Europaschule des Europäischen Parlamentes am 26.09.2022

Europa-Projekttag anlässlich des Weltflüchtlingstages am 20.06.22
Um anlässlich des Weltflüchtlingstages nicht nur die Flucht selbst zu thematisieren, sondern die Integration der Geflüchteten als eine große Herausforderung der Gesellschaft in den Vordergrund zu rücken, haben die 13. Klässler der Europa-AG einen Projekttag auf die Beine gestellt. Dazu wurden mit Samer Tannous und Gerd Hachmöller zwei Autoren ihres zum Thema perfekt passenden Buches „Kommt ein Syrer nach Rotenburg (Wümme)“ für eine Lesung gefunden, in der nach einer kurzen Vorstellungsrunde, die Lesung mit anschließender Fragerunde durchgeführt werden sollte.
Am Montag, den 20.06.22, um 9:40 Uhr gehen wir Moderatoren der Lesung, Bennett Meyer, Rocco Meincke und Tarek Yousef zum Sekretariat der Eichenschule und treffen dort Samer Tannous und Gerd Hachmöller, die bereits auf uns warten. Samer und Gerd sind überpünktlich, denn eigentlich war das Treffen erst für 9:45 Uhr anberaumt. Aber so gehört es sich nunmal für Deutsche. Sie sind überpünktlich. Ein Araber wäre vermutlich erst gegen 10 Uhr eingetroffen, zum offiziellen Beginn der Lesung.
So lässt es sich zumindest aus dem Buch der Lesung herleiten.
Dieser Syrer, aus dessen Perspektive das Buch geschrieben wurde, ist der Autor Samer Tannous. Er ist wie viele andere Flüchtlinge auch im Jahr 2015 wegen des Krieges nach Deutschland geflohen und versucht sich hier in seine neue Heimat zu integrieren. Dabei stößt er aber auf viele kulturelle Unterschiede, wodurch Missverständnisse vorprogrammiert sind. Diese kulturellen Unterschiede sind Thema des Buches und Thema der Lesung.
Laut Samer und Gerd versuchen sie mit diesem Buch viele Missverständnisse aufzuklären und so die Integration zu erleichtern, die zwangsläufig auf eine erfolgreiche Flucht folgt und damit für Emigrierende direkt eine zweite große Herausforderung in der neuen Heimat darstellt.
Zu der Lesung haben sich über 150 Schüler:innen und Lehrer:innen im Theatersaal der Eichenschule eingefunden, die den Theatersaal füllten und in einer angenehmen Atmosphäre den Autoren gespannt zugehört haben.
Diese haben sich selbst nach einer Einleitung durch uns kurz vorgestellt und mit der Lesung begonnen, die vom Publikum als sehr unterhaltsam und informativ empfunden wurde. So wurden kulturelle Unterschiede beispielsweise in der Schule, im Straßenverkehr oder beim sozialen Kontakt aufgezeigt und unterhaltsam anhand von Samers Erfahrungen dargestellt.
Zum Beispiel würde man in Syrien als Professor einer Universität, wie es Samer war, jeglichen Respekt vor den Studenten verlieren, wenn diese einen beim Fahrradfahren sehen. Unter anderem deswegen gebe es in Syrien kaum Radfahrer. Die meisten fahren mit dem Auto zur Arbeit, auch wenn es auf dem Fahrrad schneller gehen würde. In Deutschland hingegen ist das Fahrradfahren normal und hat nichts mit Respekt oder einem gesellschaftlichem Stand zu tun. Jeder und jede fährt Fahrrad und kann dies bereits im Grundschulalter. So müssen die meisten arabischen Flüchtlinge das Radfahren in Deutschland erstmal erlernen.
Diese und viele weitere Geschichten haben die Zuhörenden beeindruckt und ihr Interesse geweckt. So wurden in der Fragerunde im Anschluss der Lesung viele Fragen gestellt, die auch Samer teilweise zum Nachdenken brachten. Nach der Abmoderation gab es von verschiedenen Seiten Lob für diesen sehr gelungenen Projekttag, bei dem sich auch Samer und Gerd wohlgefühlt haben. Für die beiden war dies die erste Lesung in einer Schule, bei der ihnen die interessierte Atmosphäre, die Fragen und das Umfeld sehr gefallen hat!
Noch Tage und Wochen nach der Lesung wurden wir Moderatoren auf die vielen tollen Einblicke auf eine fremde Kultur angesprochen und wie toll doch dieser Projekttag war. Für die Schüler:innen und Lehrer:innen konnte diese Lesung eine großartige Horizonterweiterung bieten, aber ebenso durch den Perspektivenwechsel die eigene deutsche Kultur besser verstehen lassen. Auch das Interesse für den zweiten Band des Buches „Kommt ein Syrer nach Rotenburg (Wümme)“, der im Herbst veröffentlicht werden soll, wurde für viele geweckt, was bezeugt, wie sehr die Veranstaltung geglückt ist und das Thema der Integration rund um die Schwierigkeiten bei der Integration in den Vordergrund gerückt werden konnte.
Von Tarek