#Cut 6: WandaVision: Die Rettung der Sitcoms?

Wenn Wanda Maximoff, eine der mächtigsten Avengers, und Vision, der einzige Vibranioid der Welt, geschaffen von Tony Stark höchstpersönlich, aufs Land ziehen, wird es kein ruhiges Leben, so viel steht fest. Wenn man dann noch an eine typische Sitcom denkt, stellt man sich ganz sicher etwas anderes vor, als das, was einem diese neue Serie bietet. Auch auf analytischer Ebene , wenn man sich mal ein paar Zahlen der Serie anschaut: 1 Staffel, 9 Episoden, erzählte Zeit über 6 Jahrzehnte, um ein Familiendrama zweier Liebender darzustellen, kommt einem schnell in den Sinn, dass mindestens zwei dieser Zahlen nicht stimmen können. Für wen das jetzt ziemlich wirr und nicht gerade nach einer durchdachten Serienidee und einem ansprechenden Produkt klingt, für den ist diese Rezension. (Der folgende Teil enthält Spoiler zu „Avengers Infinity War“ und „Endgame“.)

Worum geht es in WandaVision?

Bei der Serie „WandaVision“ handelt es sich um ein Familiendrama, bei dem Wanda Maximoff (verkörpert von Elizabeth Olson. Für unsere älteren Leser: die jüngere Schwester der Serienzwillinge Mary-Kate und Ashley Olson aus der 80er Sitcom „Full House“) die Protagonistin ist. Genau genommen geht es sogar um die durch ihre bewegte, tragische und vor allem verstörende Kindheit gezeichnete Wanda, die sich voller Herzschmerz und Trauer um ihren ermordeten Ehemann Vision ihre eigene glückliche Traumwelt erschafft. Die gesamte Story scheint aus der bekanntesten Zeile des Titelsongs von „Pippi Langstrumpf“ zu stammen: „Ich mach´ mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt“, auch wenn fraglich ist, ob dieser Liedtext in Amerika weit und breit bekannt ist.

Das Medium für Wandas Vorstadtidyll ist eine Sitcom, da ihr die Atmosphäre einer Van Dyck-Sitcom ein Stück Geborgenheit aus ihrer gestohlenen unbeschwerten Kindheit sowie das Gefühl von Familie vermittelt. Da diese Traumwelt in bekannter Marvel-Manier natürlich nicht ohne Widersacher bleiben kann, machen sich interne „Probleme“ und externe Feinde ans Werk, um Wandas vermeintliche Traumblase von idyllischer Vorstadt platzen zu lassen. Ob es ihr gelingt, das Idyll aufrecht zu erhalten? Das bleibt bis zum Finale offen, genauso wie die Frage nach dem wirklichen Bösewicht. Soviel sei gesagt ohne Zuviel vorweg zu nehmen.

Für wen lohnt sich die Serie?

Für jemanden, der einfach nur abschalten und von den tollen Effekten überrascht werden möchte, ist die Serie ganz sicher etwas. Für Storytelling-Affine, die genau zuhören und alle Facetten des Marvel-Universums erkunden wollen, ist die Serie auch etwas. Für diejenigen, die nach Action trachten und ein hohes Maß an Kämpfen erwarten, ist die Serie dagegen nichts, denn besonders die ersten beiden Folgen vergehen ohne größere Bedeutung und einen roten Faden, was sie sehr zäh wirken lässt. Was jedoch genau diese Folgen so gut macht, ist die nahezu perfekte Imitation einer 50er Jahre Sitcom. In den weiteren Folgen wird von Jahrzehnt zu Jahrzehnt gesprungen, erst zu den 60ern, dann in die 70er usw., bis hin zu den 2010ern. Während das Leben in 50 Minuten also vermeintlich vorbeirauscht, altern die Charaktere nur tagesweise. Ein interessanter Fakt, wenn man bedenkt, dass Wanda machen kann, was sie will. Schließlich ist es ihre Stadt. Von Folge zu Folge scheint ihre Welt auf vielen Ebenen mehr und mehr auseinanderzubrechen, doch jeder dieser Einschnitte offenbart dem Zuschauer einen tieferen Einblick in ihre Gefühlswelt.

Ist die Serie Marvel-würdig?

Viel Konkurrenz bleibt nicht auf Disney-Plus (das neue Feature „Star“ mal ignoriert). Der einzige vergleichbare Wert ist „The Mandalorian“ und zugegeben, WandaVision damit zu vergleichen, wäre schwierig, wie Äpfel und Kirschen, zumal beide Serien andere Themen und Franchises haben. Also bleibt nur der Vergleich mit anderen Marvel-Filmen. Und ja, damit ist die Serie auf jeden Fall würdig. Besonders der Spannungsbogen ähnelt sehr dem eines Marvel Films. Dieser baut sich in Wellen kontinuierlich auf, um in einem einzelnen Finale seine Spannung abzubauen und mit spannenden Wendungen das entscheidende Plus zu beinhalten. Zumal besonders Elizabeth Olsen in ihrer Rolle als Wanda Maximoff mehr als überzeugt. Ein letztes Plus sind die von vielen im Kino verpassten Post Credit Scenes, die mitten im Abspann einen kurzen Teaser für folgende Filme/Serien beinhalten und auch in WandaVision ihren Platz gefunden haben.

Zum Schluss: Ist WandaVision eine Wiederbelebung der Sitcoms?

Es bleibt ein Alleinstellungsmerkmal, dass eine Sitcom in diesem Format produziert wird. Obwohl es heute natürlich noch erfolgreiche Sitcoms gibt, bleiben neue Rekorde meist aus. Daran wird auch „WandaVision“ nichts ändern, denn trotz der zahlreich aufgeführten Erfolge bei der Umsetzung der Serie, bleibt die Serie ein gelungener Versuch, der nur den Deckmantel einer klassischen Van Dyck-Show hat. Für die eventuell folgende zweite Staffel wird das Thema Sitcom aus nicht spoilerfreien Gründen wohl von zweitrangiger Bedeutung sein. Sicher kann man das natürlich nie sagen, aber was man mit Sicherheit sagen kann, ist, dass es zwar deutlich bessere Serien als WandaVision gibt, aber keine, die WandaVision gleicht. Durch die große Abwechslung ist diese Serie eine Empfehlung, besonders für Träumer und Marvel-Fans.

Eine Rezension von Magnus

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