PoetryMonday #2: Collinaire im Regen

John Constable (1776 – 1837), La baie de Weymouth / Musée du Louvre / Foto: LK J13-DE1, Paris 09.09.2022

Es war ein düsterer Sonntagnachmittag am Strand von Collinaire. Der Himmel war zugezogen und die Wolken türmten sich bereits. Ein Gewitter war im Anmarsch.

Ich beklagte mich bei meiner Großmutter, dass es kalt war, der Regen wohl bald einsetzten würde und wir langsam umkehren sollten. „Wir haben Zeit“, sagte sie mit ruhiger Stimme und schlenderte gelassen weiter den Strand hinunter, ohne dem Himmel auch nur einen Blick zuzuwerfen. Genervt von ihrer Antwort ahmte ich sie nach, bis ich plötzlich gegen etwas stieß und wegen des abrupten Stopps fast hinfiel. Großmutter war stehengeblieben, um einige Muscheln im Sand zu ihren Füßen zu begutachten.

Ich sah mich um und entdeckte ein wenig weiter den Strand hinunter ein altes gestrandetes Ruderboot. Auf dem Weg dorthin wäre mir mein teurer Hut zweimal vom Wind fast weggeblasen worden. Er war mittlerweile recht stark geworden und blies durch meine Kleider. Ich fror. Doch höchst motiviert von dem Abenteuer, welches nun vor mir lag, bahnte ich mir weiter den Weg durch den tosenden Wind. Es waren nur noch wenige Schritte, bis ich es erreichte.

Ich musste über einige große Steine klettern, um hineinsehen zu können. Unglücklicherweise war das Boot bis auf eine alte, wohl früher mal weiße Plane leer. Sie war an drei Stelle noch festgebunden und flackerte leicht im Wind. Ich hob sie an einer Seite ein wenig an, um zu sehen, was sich darunter verbarg. Wegen des Sturms war die Sonne allerdings verdeckt und es begann dunkel zu werden, daher sah ich nicht genug und krabbelte näher heran. Als ich die Plane erneut anhob, starrte ich eine Weile in die Dunkelheit des Rumpfs. Nur wenige Augenblicke später starrte ein kleines Augenpaar zurück. Erschrocken wich ich zurück, riss dabei eine der Befestigungen der Plane ab, welche nun im Wind heftig flatterte. Mein Herz begann heftig zu schlagen und meine Gedanken drifteten ab zu dem, was Großmutter mir vor einer Weile gesagt hatte. „Wenn du lange genug in die Dunkelheit blickst, schaut sie auch in dich zurück.“ Verwirrt nahm ich all meinen Mut zusammen und hob die Plane noch ein letztes Mal an. Doch die Augen waren fort. Ich sah noch eine Weile hinein, aber nichts geschah.

Als ich mich umschaute, sah ich Großmutter winken, sie hatte mich wohl einige Male gerufen, aber wegen des Windes hatte ich sie nicht gehört. Ich kletterte von den Steinen hinunter, lief schnell zu ihr und wir machten uns auf den Heimweg, zurück nach Collinaire.

Als wir die Haustür hinter uns schlossen, begann der Regen auf das Dach zu prasseln.

Eine Erzählung von Katharina

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