04.12. – *2: #MentalHealthMatters

-Rückblick

„Es bleibt besonders wichtig, Kontakte zu vermeiden…“

Ein Satz, der das Leben der Kinder und Jugendlichen vor knapp zweieinhalb Jahren schlagartig auf den Kopf gestellt hat. Plötzlich hockte die ganze Familie zu Hause und versuchte in den „Sommerferien 2.0“, wie wir den ersten Lockdown damals aus Spaß betitelt hatten, nicht vor Langeweile umzukommen. Einfacher gesagt als getan. Die ersten paar Tage freute man sich noch und wusste sich mit Serien, Büchern oder auch Videospielen zu beschäftigen, aber auch das längste Buch findet irgendwann sein Happy End.

Die Tage wurden eintönig. Schlafen, essen, schlafen, essen, schl…. Jegliche Motivation, sich sinnvoll zu beschäftigen, krepierte. Der Begriff der Couchpotato wurde ganz neu definiert. Nicht die besten Aussichten für das Sozialleben eines Menschen und schon gar nicht für Kinder und Jugendlich in der Entwicklungsphase. Dass die Einsamkeit im Lockdown nicht spurlos an vielen jungen Menschen vorbeigegangen ist, zeigen auch die folgenden Zitate, die wir beim Herumstöbern in unserem Blogarchiv gefunden haben. Sie stammen aus der Artikelserie „Grüße aus dem Homeoffice“, die unsere Vorgänger:innen während des Lockdowns im Frühjahr 2020 wie ein Tagebuch geführt haben:

„Wie ein Freigang aus dem Gefängnishof, wenn man mal zwei Stunden Zeitungen austragen darf.“


„Was soll ich denn tun, wenn ich nicht mehr mit Freunden persönlichen sozialen Kontakt pflegen soll?“


„Das schlimmste ist, dass wir nicht mal rausdürfen und auch die kleinen Geschwister fragen: Mama, wann darf ich wieder raus?“


„Ich habe Angst!“


„Langsam fällt mir echt die Decke auf den Kopf – man darf einfach nix mehr machen:“


„Wann ist es endlich vorbei?“

Neben der deutlich erkennbaren Empörung über die vielen (Freiheits-) Einschränkungen ist auch das Gefühl der Ungewissheit herauszulesen. Es wusste niemand, für wie lange die Zustände noch anhalten würden. Und laut Experten hat auch dies einen negativen Einfluss auf die psychische Gesundheit vieler Jugendlicher gehabt. Ein Großteil der Betroffenen verspürt vermehrt Zukunftsängste oder Leistungsdruck und leidet(e) unter Vereinsamung. Die Gründe dafür sind genauso offensichtlich wie vielfältig:

  • die langen Schulschließungen haben die Alltagssituation verändert – aus einem geregelten Tagesablauf mit Routinen wurde Schlafen von 01:00 – 14:00 Uhr…                                                                                                                                            
  • die anhaltenden Langeweile erhöhte den Medienkonsum – die Nutzung von Social Media mit falschen Schönheitsidealen und gefährlichen Challenges, um wenigstens kleine Erfolgserlebnisse zu verspüren, wurde populärer…
  • die Fitnessstudios wurden geschlossen, der Sport im Verein gestrichen und einige Jugendliche waren viel allein zu Haus – Bewegungsmangel und Fehlernährung kombiniert mit der ständigen Einsamkeit? Ein Desaster!                                                                                                                         
  • persönlicher Kontakt strengsten verboten, Videokonferenzplattformen ständig am Abstürzen – Freunde und Verwandte wurden zu entfernen Bekannten, die man mit der neuen Frisur, die plötzlich jeder trug, beim ersten Wiedersehen gar nicht mehr erkannte…
  • Ausgangssperre und Kontaktverbot machten aus flüggen Jugendlichen träge Nesthocker – die Verdichtung des Alltags auf das häusliche Umfeld sorgten für mehr Konflikte zwischen den einzelnen Familienmitglieder und leider war vereinzelt auch häusliche Gewalt nicht völlig ausgeschlossen…
  • Und zu guter letzt: Zukunftsperspektiven wurden plötzlich unsicher: Schulabschluss? Praktika? Schüleraustausch? – Vielleicht irgendwann…

All diese Ursachen haben dazu geführt, dass sich die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen deutlich verschlechtert hat und das Risiko für psychische Auffälligkeit stieg von rund 20% vor Corona auf 31% an. Auch hier wird wieder das Problem, dass viele psychische Störungen gar nicht erst erkannt werden, weil die Betroffenen sich schämen sich Hilfe zu suchen oder die Eltern ihre Kinder oder deren Probleme nicht ernst genug nehmen, präsent.…Also kein Happy End für tausende Jugendliche am Ende der Pandemie, wann auch immer das sein mag.

„You don’t have to struggle in silence. You can be un-silent. You can live well with a mental health condition, as long as you open up to somebody about it.“

– Demi Lovato

Von Marika und Paula

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