01.12. – Es ist wieder soweit…

Foto: MM

Heute morgen war es endlich wieder soweit. Das erste Türchen des Adventskalenders durfte geöffnet werden und spätestens jetzt sollten alle wieder in Weihnachtsstimmung kommen. Wir vom ES-Magazin möchten dem von Kerzenschein und Plätzchenduft geprägten Countdown bis zum Heiligen Abend auch dieses Jahr wieder einen eigenen Adventskalender beisteuern, allerdings wohl etwas anders als gewohnt. Unter dem internen Projekttitel „Adventskalender2“ entstand die Idee, auch unseren Instagramkanal zu nutzen, um euch das Warten ein wenig zu versüßen. Dort verbergen sich hinter jedem Türchen zum Beispiel Rezepte, Gedichte oder Rezensionen. Schaut also auch dort gerne mal vorbei.

Während ihr also bei Instagram die gewohnten vorweihnachtlichen Inhalte finden werdet, haben wir uns dazu entschieden, den Adventskalender hier auf dem Blog unter ein Oberthema zu stellen, das sich etwas nachdenklicher mit der Bedeutung von Weihnachten beschäftigt:

Die diesjährige Weihnachtsstimmung wird von Inflation und Energiekrise getrübt, sodass der Handel sich wohl auf einen deutlichen Umsatzrückgang im Vergleich zu 2021 einstellen muss. Ein Drittel der Deutschen wollen bei Geschenken sparen, sodass laut GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) mit einem Rückgang von 8% des weihnachtlichen Umsatzvolumens gerechnet wird…

Als wäre das unser größtes Problem. Bei der Geschenkeflut, die jedes über Deutschland rollt, schadet es sicher nicht, dieses Jahr bewusster zu schenken und den Beschenkten damit wahre Freude zu bereiten, ganz ohne den alljährlichen Konkurrenzkampf, wer das beste und teuerste Geschenk unter den Baum gelegt hat. Aber ob das möglich ist? Immerhin verbanden vor einigen Jahren noch 71% der Deutschen Weihnachten mit Geschenken. Im Gegensatz dazu waren es nur 17%, die Weihnachten mit Spenden verbanden. Übersetzt hieße das dann wohl so viel wie: „Hauptsache unter meinem Baum türmen sich die Geschenke, alle anderen sind mir egal“. Oder um es in den Worten von Charles Dickens zu sagen: „External heat and cold had a little influence on Scrooge. No warmth could warm, no wintry weather chill him. No wind that blew was bitterer than he, no falling snow more intent upon his purpose, no pelting rain less open to entreaty.“

2022 sieht das schon wieder ganz anders aus: Mitte November wurde in der Tagesschau verkündet, dass die Deutschen so viel wie nie zuvor gespendet hätten (wenn man die Inflation berücksichtig), denn insgesamt waren es fast 900 Millionen Euro, die für Betroffene des Ukraine-Krieges eingegangen sind. Die Deutschen können es also doch: Solidarität und Nächstenliebe statt Egoismus.

Doch was hat das Ganze jetzt mit Weihnachten und unserem Adventskalender zu tun?

Bereits vor zehn Jahren sagte der damalige Bundespräsident Joachim Gauck in seiner jährlichen Weihnachtsansprache:

„Wir brauchen nicht nur tatkräftige Politiker, sondern auch engagierte Bürger. Und manchmal brauchen wir eine Rückbesinnung, um immer wieder zu uns und zu neuer Kraft zu finden. Dazu verhilft uns Weihnachten. Für Christen ist es das Versprechen Gottes, dass wir Menschen aufgehoben sind in seiner Liebe. Aber auch für Muslime, Juden, Menschen anderen Glaubens und Atheisten ist es ein Fest des Innehaltens, ein Fest der Verwandten und Wahlverwandten, ein Fest, das verbindet, wenn Menschen sich besuchen und beschenken – mit schönen Dingen, vor allem jedoch mit Zuwendung. Wer keine Zuwendung erfährt und keine schenkt, kann nicht wachsen, nicht blühen.

In der Sprache der Politik heißt das: Solidarität. In der Sprache des Glaubens: Nächstenliebe. […] Der Stern aus der Weihnachtsgeschichte führte Menschen einst von fernher zu einem ganz besonderen Ziel – zu einem Menschenskind. Einen solchen Stern wünsche ich jedem in unserem Land. Einen Stern, der ihn zum Mitmenschen, der uns zueinander führt.“

Alle Beiträge unseres diesjährigen Adventskalenders werden also unter dem Thema „Solidarität und Nächstenliebe“ stehen, da dieses Thema gerade in diesem Jahr wieder enorm an Bedeutung innerhalb der Gesellschaft gewonnen hat:

2022 – es ist wieder soweit: Während Gauck 2012 in seiner Weihnachtsansprache nach seiner Reise nach Afghanistan davon sprach, dass wir für den bereits 65 Jahre andauernden Frieden in Europa dankbar sein sollen, ist der Krieg seit dem Überfall Russland auf die Ukraine im Februar wieder zurück in Europa.

2022 – es ist wieder soweit: Leere Regale im Supermarkt und Lieferengpässe bei fast allen Waren, bedingt durch die globalen Auswirkungen des Ukraine-Krieges, rufen bei vielen ein DDR-Déjà-vu hervor.

2022 – es ist wieder soweit: Die Herkunft eines Menschen entscheidet scheinbar wieder über seinen Wert. Während 900 Millionen Euro für Betroffene des Ukraine-Krieges gespendet wurden und zahlreiche Deutsche ukrainische Geflüchtete übergangsweise bei sich aufgenommen haben, ertrinken weiterhin dutzende Flüchtlinge im Mittelmeer oder sie müssen unter menschenunwürdigen Umständen, zusammengepfercht in überfüllten Flüchtlingslagern – überspitzt gesagt- darauf warten, wieder abgeschoben zu werden, wenn die überfüllten Boote überhaupt an den Küsten Europas anlegen dürfen.

2022 – es ist wieder soweit: Kalte und dunkle Winter, denn Strom und Heizenergie sind teuer. Und auch die steigenden Lebensmittelpreise stellen viele Haushalte vor Herausforderungen. Hilfsorganisationen wie zum Beispiel Tafeln können der Nachfrage an kostenlosen oder zumindest günstigeren Produkten nicht mehr gerecht werden.

2022 – ein von Krisen geprägtes Jahr, dass uns wieder bewusst macht, wie wichtig Solidarität und Nächstenliebe sind. Und wie auch die wohl berühmteste Weihnachtsgeschichte -„A Christmas Carol“ von Charles Dickens- zeigt, ist es nie zu spät, um einander zu helfen und beizustehen. Insbesondere in der Advents- und Weihnachtszeit sollte man den guten Willen in den Vordergrund stellen und nicht geizig sein, wenn man dadurch anderen Menschen helfen kann.

Scrooge was better than his word. (…) He became as good a friend, as good a master, and as good a man, as the good old city knew, or another good old city, town, or borough, in the good old world.“

In diesem Sinne wünscht die gesamte Redaktion des ES-Magazins eine schöne Vorweihnachtszeit und viel Spaß mit unserem Adventskalender2.

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