Time to say goodbye #4: Interviewreihe mit den angehenden Ruheständler:innen der Eichenschule

Interview mit Frau Mankiewicz:

Es-Magazin: Wie lange sind Sie bereits Lehrerin?

Frau Mankiewicz: „Ich bin 21 Jahre Lehrerin und zwar ausschließlich hier an der Eichenschule.“

Es-Magazin: Wie war Ihr Werdegang und die Zeit vor der Arbeit als Lehrerin?

Frau Mankiewicz: „Ich habe Musik studiert, als Hauptfach Klavier und Nebenfach Blockflöte, an der Musikhochschule in Bremen. Bereits mit sechs Jahren fing ich an Klavier zu spielen und das recht leidenschaftlich. Ab meinem zwölften Lebensjahr ungefähr habe ich sehr guten Unterricht bekommen und ungefähr mit sechzehn entschloss ich mich dazu meinem Wunsch nachzugehen und Klavier zu studieren, ohne mir allzu viele Gedanken über meinen beruflichen Werdegang zu machen. Das Ergebnis von meinem Studium ist dann letztendlich Privatmusiklehrerin gewesen, das heißt, ich kann an Musikschulen und eben auch privat unterrichten. So unterrichtete ich als zunächst private Musiklehrerin. An die Eichenschule bin ich dann durch meine Kinder gekommen. Als meine Tochter hier im Jahr 2000 eingeschult wurde, fragte mich der damalige Schuldirektor Herr Müller-Scheeßel, ob ich mir vorstellen könnte, hier an der Eichenschule Musik und insbesondere den Instrumentalkreis zu unterrichten. Die genaue Definition davon konnte mir zwar niemand erklären, aber trotzdem habe ich mich dazu entschieden, diese für mich noch ganz neue Art von Arbeit mit der Musik aufzunehmen und habe mich eingearbeitet.“

Es-Magazin: Haben Sie jemals früher darüber nachgedacht, Lehrerin zu werden?

Frau Mankiewicz: „Ich hätte im Leben nicht gedacht, Lehrerin an einer Schule zu werden. Es war tatsächlich überhaupt nicht in meinen Gedanken. Aber dadurch, dass ich Musik studiert habe, hat sich alles so entwickelt.“

Es-Magazin: Gibt es ein Fach, das Sie sonst noch gerne unterrichten würden?

Frau Mankiewicz: „Das kann ich so gar nicht sagen, aber manchmal habe ich gedacht, dass das Fach Deutsch noch interessant sein könnte zu unterrichten.“

Es-Magazin: Was gefällt Ihnen an der Eichenschule besonders gut?

Frau Mankiewicz: „Das Profil der Eichenschule! Sie ist eine lebendige Schule mit immer wieder neuen Aktivitäten, das finde ich ganz toll. Besonders schätze ich die unterschiedlichen AGs und WPKs, durch die so viele interessante Bereiche abgedeckt werden. Ganz besonders und spannend finde ich auch das Theater, das hier an der Eichenschule sehr gepflegt wird. Und natürlich die Musikgruppen und die Konzerte, besonders das Orchester und den Instrumentalkreis, wo ich das Engagement der SchülerInnen meiner Gruppen hautnah erlebe. Außerdem finde ich toll das Filmcafé, die Kunst, die vielen Sportrichtungen, die hier gepflegt werden und das freundliche und soziale Miteinander, das sich mir häufig an vielen Stellen zeigt. Im Großen und Ganzen finde ich das charakteristisch für die Eichenschule und diesen Umgang genieße ich sehr.“

Es-Magazin: Gibt es für Sie einen oder mehrere besondere Schulmomente, den/die Sie mit uns teilen möchten?

Frau Mankiewicz: „Ganz besonders fällt mir hier das aktive Klassenmusizieren und Singen ein, das liegt mir absolut am Herzen. Viele SchülerInnen sind dabei oft zunächst skeptisch und trauen sich das gar nicht zu, und entdecken plötzlich so eine Verwandlung, die Spaß macht zu sehen. Durch diese Freude und Energie, wenn die Musik förmlich sprüht, entstehen für mich diese besonders schönen Momente. Das gilt natürlich ganz besonders in den Proben des Orchesters und des Instrumentalkreises: dieses Zusammenfügen, bei dem man am Anfang nicht weiß, wie das Ganze am Ende überhaupt klappen soll, aber es allmählich immer mehr Musik wird und diese ganze Gemeinschaft zusammen musiziert. Dann natürlich die Weihnachtskonzerte und andere Aufführungen, wo man Freude und Gemeinschaftsgefühl empfindet. Zwei Werke sind mir hierbei besonders in Erinnerung geblieben, einmal 2017 Telemann „Ebbe und Flut“ zu seinem 250. Todestag, das war sehr gut musiziert. Der andere besondere musikalische Moment war der „Danse Bacchanale“ 2019. Und das „Orchesterjournal“, das mir geschenkt wurde, in dem unsere Probenarbeit beschrieben wurde mit Fotos und vielem mehr. Da haben die SchülerInnen ein ganz tolles Porträt des Orchesters und des Instrumentalkreises erstellt. Das war ein unglaublich bewegender Moment, mit so viel Wärme und Freude, das berührt mich heute noch sehr. Und ein letzter von so vielen schönen Momenten liegt schon einige Jahre zurück: Durch einen sehr musikbegeisterten Schüler wurde mir ein Dirigierstock geschenkt. Der ist mir sehr ans Herz gewachsen und begleitet mich noch heute.“

Es-Magazin: Haben Sie schon Pläne für Ihren Ruhestand?


Frau Mankiewicz: „Ja! Aber mit dem Wort „Ruhestand“ habe ich so meine Probleme, denn neben „Ruhe“, was eigentlich etwas Schönes ist, steht der „Stand“. Das klingt für mich komisch, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass ich stehen bleiben werde, sondern in einen anderen, den nächsten „Lebensfluss“ gehen werde. Also ich nenne es für mich einen neuen „Lebensfluss“.
Dieser Ruhestand hat natürlich auch etwas Positives, weil Ruhe, Innehalten und wieder zu sich kommen, sich zu erneuern mit sich bringt, das finde ich schön und das werde ich auch genießen. Ich werde es sehr genießen Zeit zu haben. Zeit für viele schöne Dinge, die man einfach sowieso gerne macht zum Beispiel für Freunde, Familie oder in Ruhe Lesen. Ich bin gespannt und offen für Neues, was sich dann entwickelt und freue mich sehr, dass ich mich wieder mehr mit dem Klavier auseinander setzten kann und auch wieder ein richtiges Program erarbeiten kann. Und den Traum, vielleicht Cello spielen zu lernen, habe ich auch noch nicht aufgegeben. Mein Mann und Ich reisen sehr gerne nach Italien. Die italienische Sprache lieben wir beide sehr, sie ist für mich wie Musik, und vielleicht wird auch das wahr, dass wir italienisch lernen.“


Es-Magazin: Was sind Ihre liebsten Freizeit Beschäftigungen?


Frau Mankiewicz: „Meine Lieblingsbeschäftigung ist sicher die Beschäftigung mit klassischer Musik und das in vielerlei Hinsicht. Zum Beispiel das Beschäftigen mit verschieden Komponisten, Kompositionen, Selbstmusizieren, Musik hören, ein Werk genauer erforschen, also sich intensiv mit Musik auseinandersetzten. Außerdem bin ich ein Typ Mensch, der sich sehr gerne bewegt. Ich bin gerne draußen, ich mag Schwimmen, Wandern, besonders gerne in den Alpen, Joggen, Fahrrad fahren, Gartenarbeit, eben alles was draußen möglich ist. Dann mache ich seit vielen vielen Jahren Yoga, das wird natürlich auch schön, wenn ich dafür mehr Zeit habe. Und ich koche sehr gerne – natürlich vegetarisch ! .“


Es-Magazin: Was ist Ihre Liebslingsmusik oder Ihr Lieblingsfilm?

Frau Mankiewicz: „Ich liebe die klassische Musik, für Barockmusik habe ich schon einen ziemliches Faible, es pocht, es ist viel Energie drinnen und Bach, Beethoven, Mozart, Schumann und Chopin liebe ich über alles. Ich verehre sehr eine Schauspielerin namens Audrey Hepburn, zum Beispiel in „Frühstück bei Tiffany“, sie hat aber viele weitere tolle Filme gemacht. Sie ist eine so besondere, intelligente und energiereiche Person, sie war auch Ballet-Tänzerin und sie hat, so wie ich, am 4. Mai Geburtstag und ist genau 30 Jahre älter als ich. Daran denke ich jedes Jahr. Eine wirklich tolle Frau.
Dann Charlie Chaplin, den verehre ich absolut, als Schauspieler, Regisseur, als Drehbuchautor, als Komponist und Komiker. Und dann bin ich begeistert von dem neuen Film von Jan Schmidt-Garre. Er heißt „Fuoco Sacro“, die „Sache nach dem heiligem Feuer des Gesangs“ und begleitet drei Opernsängerinnen in ihrem Leben und ihrer Arbeit. Das ist wirklich ein besonderer Film, in dem man der Kunst der OpernsängerInnen ganz nahe kommt.“


Es-Magazin: Welche berühmten Personen würden Sie gerne mal treffen und warum?


Frau Mankiewicz: „Eine Frau: Karen Blixen. Sie ist in einer interessanten Familie aufgewachsen, die ich unglaublich gerne kennengelernt hätte. Sie war Schriftstellerin und eine mutige Frau, die von 1913 bis 1931 in Kenia war und dort unter schwierigen Bedingungen lebte und eine Kaffeefarm anbaute. Ihr Roman, der die Zeit beschreibt, wurde unter dem Titel „Jenseits von Afrika“ verfilmt.
Einen Mann: Teodor Currentzis. Ein großartiger Dirigent, ein „Klassikrebell“, der sich in die klassische Musik nochmal ganz neu hineinfühlt und sehr extrem mit der Musik umgeht. Ein besonderer Künstler, der heute das SWR Orchester leitet. Mit ihm würde ich mich gerne unterhalten und Proben Live mit erleben.“


Es-Magazin: Welche fünf Gegenstände würden sie mit auf eine einsame Insel nehmen?


Frau Mankiewicz: „Ich bräuchte einen Gaskocher, natürlich Wasser, Tee und eine Thermoskanne. Darauf kann ich nicht verzichten. Eine warme Decke, ein interessantes Buch mit guten Lebensweisheiten, vielleicht ein Instrument, wenn dies möglich wäre.


Es-Magazin: Was möchtet sie den SchülerInnen und Kollegen zum Abschluss mitgeben?


Frau Mankiewicz: „Offenheit ist für mich wichtig. Positives, kreatives Denken und ebensolches Handeln in der Gemeinschaft. Das finde ich sehr wichtig und auch, wenn die Bedingungen an Schulen vielleicht schwieriger werden könnten, wünsche ich Euch zukünftig einen respektvollen Umgang miteinander und dass das Profil der Eichenschule weiterhin lebendig bleibt, wobei mir die Musik natürlich total am Herzen liegt.“

Wir, als zwei SchülerInnen, die Frau Mankiewicz bereits aus dem Musikunterricht und dem Instrumentalkreis bis hin zum Orchester, kennenlernen durften, wollen ihr ein letztes Mal für die schöne Zeit danken. Sie als Person selber und das, was sie zusammen mit uns im Orchester zusammen erreicht hat, bewundern wir sehr und blicken auf eine schöne Zeit zusammen zurück.

Wir wünschen Ihnen das Beste für ihren Ruhestand und hoffen für die Eichenschule, dass für die Übernahme des Instrumentalkreises und des Orchesters eine passende Person gefunden wird, die dort, ebenso wie Sie es taten, reinwachsen wird.

von Karla und Dounia

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