Eine Mauer mitten durch Deutschland?!

156,4 Kilometer lang. 4,2 Meter hoch. Ein Ungetüm aus Stacheldraht und Beton. Eine unüberwindbare Barriere. Die Berliner Mauer…

Mehr als 28 Jahre war das Deutschland, wie wir Jugendlichen es heute kennen, in zwei Teile geteilt – in die Bundesrepublik Deutschland (BRD) im Westen und die Deutsche Demokratische Republik (DDR) im Osten. Heute, am 9. November, jährt sich das Ende dieser Teilung mit dem Fall der Mauer, die Deutschland teilte, zum 32. Mal.

In diesem Artikel wollen wir euch darüber informieren, wie es zu dem Mauerfall kam und wie es davor in der DDR aussah. In einem folgenden Artikel wollen wir die Sicht dreier Genrationen – unserer, der unserer Eltern und unserer Großeltern – zum Thema Mauerfall und deutsche Einheit aufzeigen.

Als Deutschland den zweiten Weltkrieg verloren hatte und von Grund auf erneuert werden musste, haben die Alliierten Mächte (Frankreich, USA, Großbritannien und die damalige Sowjetunion) Deutschland in zwei Einflussbereiche geteilt. Frankreich, USA und Großbritannien verwalteten den Westen Deutschlands, die Sowjetunion den Osten. Durch diese Teilung Deutschlands in zwei Einflussbereiche mit verschiedenen politischen Ansichten – schließlich waren die Westmächte kapitalistisch veranlagt und die Sowjetunion kommunistisch – bildeten sich auch hier so langsam aber sicher zwei Staaten mit politisch verschieden Ansichten. In Folge dessen wurde am 23.05.1949 die Bundesrepublik Deutschland im Westen als kapitalistischer Staat und am 07.10.1949 die Deutsche Demokratische Republik als Sozialistischer Staat im Osten gegründet.

Der neugegründete sozialistische Staat im Osten Deutschlands sollte über 40 Jahre bestehen bleiben – jedoch mit nur einer Partei an der Macht – der Sozialistischen Einheitspartei (SED) und eher weniger freien und unabhängigen Wahlen. Der erste Präsident der DDR war Wilhelm Pieck von der SED.

Mit dem Sozialismus in der DDR kamen einige Veränderungen auf die dort lebenden Menschen zu. Sozialismus bedeutet nämlich, dass alle Produktionsmittel dem Staat gehören und gleich an alle verteilt werden sollten. Die Bürger im Westen hingegen, wo Kapitalismus herrschte, waren darauf aus, sich möglichst viel Eigenkapital anzueignen. Außerdem wurde die DDR ab ihrer Gründung als „Antifaschistischer Staat“ bezeichnet und es wurde verbreitet, dass alle verbliebenen Nationalsozialisten nach dem Krieg in den Westen Deutschlands gegangen seien. Dies ist nachweislich natürlich inkorrekt, jedoch konnte die DDR so den Kopf aus der Schlinge ziehen und die Kriegsschuld dem Westen in die Schuhe schieben. Dies war aber nur einer der Konfliktpunkte, die zwischen den beiden Deutschlands entstehen würden.

Viele BewohnerInnen der neuen DDR lehnten das unbekannte politische System klar ab und waren ebenso unzufrieden mit den wirtschaftlichen Gegebenheiten in der DDR, da die Menschen oft weniger Auswahl an Lebensmitteln hatten, als im Westen und teilweise einige Produkte aller Art gar nicht erhältlich waren, Bananen zum Beispiel. Daher kam es am 17.06.1953 zu einem riesigen Aufstand in der DDR, der von den sowjetischen Truppen gewaltsam niedergeschlagen wurde – es starben 34 Menschen direkt durch die Aufstände, sieben wurden später als Konsequenz des gezeigten Widerstandes hingerichtet. Dies sollte bis 1989 der einzige große Aufstand bleiben.

Durch die Unzufriedenheit im Heimatland wanderten von 1949-1961 viele Menschen in die Bundesrepublik im Westen ab, besonders viele in der geteilten Stadt Berlin. Doch da den Machthabern der DDR irgendwann zu viele Menschen abwanderten, beschlossen sie eine Mauer zu bauen. Erst durch Berlin, dann durch ganz Deutschland, sodass indirekt auch eine Teilung Europas stattfand und der Grundstein für den kalten Krieg gelegt wurde. In der Nacht vom 12. auf den 13.08.1961 wurde in Berlin nach sorgfältiger Planung eine Grenze aus Stacheldraht gezogen. Im Laufe der Zeit wurde die Grenze immer weiter ausgebaut, bis man von einer „Mauer“ sprechen konnte, die später für viele Flüchtlinge ein tödliches Verhängnis wurde. An der Mauer starben mindestens 140 Menschen beim Versuch in den Westen zu fliehen. Dies alles geschah, obwohl der zweite Präsident der DDR, Walter Ulbricht, den Bau der Mauer mit dem legendären Satz in einer Pressekonferenz dementiert hatte: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“, damit nicht noch mehr Menschen aus Panik fliehen würden.

Um weiteren Widerstand aus dem Inneren der DDR zu vermeiden, wurde das „Ministerium für Staatssicherheit“ – auch als „Stasi“ bekannt – gegründet. Personen, die den Verdacht erregten, eine Gefährdung für den Sozialismus zu sein, ließ die „Stasi“ von sogenannten Spitzeln überwachen, die auch aus dem engsten Umfeld des Verdächtigen kommen konnten. Außerdem wurden Akten über viele BürgerInnen angelegt. Die Informationen, die in diesen Akten enthalten waren, konnten unter anderem dafür sorgen, dass eine Ausreise zum Beispiel für Urlaub nicht genehmigt wurde. Um so ein Eintrag zu bekommen, reichte schon die kleinste kritische Aussage gegenüber der Regierung, von denen die Stasi meist schnell Wind bekam – sie hatten ihre Ohren überall.

Schon die Kinder wurden sozialistisch erzogen, damit Widerstand vorgebeugt werden konnte. Dafür gab es beispielsweise die „FDJ“ – die Freie Deutsche Jugend. Da durch die spezielle Form der Wirtschaft Frauen dringend zur Mitarbeit gebraucht wurden – ganz im Gegensatz zum Westen, wo die Frauen sehr selten arbeiteten – gab es sehr viele Möglichkeiten zur Kinderbetreuung, was bis heute sehr geschätzt wird. Gleichzeitig wurde dies als Möglichkeit genutzt, die Kinder eben nach Belieben zu erziehen.

Die Kinder wurden so nicht nur auf einen sozialistischen Staat vorbereitet, sondern auf eine versteckte Diktatur mit vielen Nachteilen durch die Abschottung in Richtung Westen. Durch die „Stasi“ war die Meinungsfreiheit sehr eingeschränkt und bei Kritik an der Staatsführung waren Konsequenzen unvermeidbar. Auch bestimmte Jobs konnten einem verweigert werden, wenn man Kritik geäußert hatte und das gemeldet worden war. Also waren weder eine freie Meinungsäußerung noch freie Meinungsbildung aufgrund Propaganda und Überwachung möglich.

Wer sich mit der Staatsspitze anlegte, und das aussprach, was viele über die DDR dachten, wurde meist inhaftiert. Später hat die BRD-Regierung viele solcher politischen Gefangenen freigekauft.

Auch Mitbestimmung in Form von Wahlen war eher Propaganda und Schein nach außen als wirkliche Demokratie, die die DDR ja eigentlich im Namen trägt.

Außerdem herrschte in der DDR von Anfang an ein angesprochener Gütermangel. Denn Waren aus dem Westen, von Lebensmittel bis zu technischen Geräten, waren verboten oder vom Staat verabscheut. All diese Dinge musste man sich über besondere Beziehungen beschaffen. Um die eigenen BürgerInnen nicht ganz vom Fortschritt abzuschotten, aber gleichzeitig keine westlichen Produkte zu importieren, wurden in der DDR selber solche Produkte hergestellt bzw. nachgebaut oder aus der Sowjetunion herbeigeschafft. Erst mit dem Mauerfall sind viele DDR – BürgerInnen an manche Produkte oder an bestimmte Marken gekommen.

Zu Beginn der DDR war sogar das West-Fernsehen oder westliche Musik, besonders aus den USA, verboten. Wer sich dagegen zu Wehr setzte, bekam schnell Probleme mit der „Stasi“. Dies nahmen aber viele BürgerInnen in Kauf, besonders die Jüngeren. Da sich irgendwann so viele BürgerInnen über dieses Verbot hinwegsetzten, wurden westliche Medien letztendlich doch legalisiert.

1989 hatten die Menschen in der DDR den Mangel, die Abschottung, die verbotene Kritik und somit die Diktatur satt. Dazu kam eine Wirtschaftskrise, die sich in den letzten Jahren entwickelt hatte. Daher begannen die Menschen in Leipzig auf die Straße zu gehen. Jeden Montag, sodass die Demonstrationen auch schnell „Montagsdemonstrationen“ hießen. Später gab es solche auch in anderen Städten. Trotz des Verbotes der Kritik am Staat wurden die Proteste nicht wie 1953 gewalttätig niedergeschlagen.

Der erste Erfolg der Proteste war am 18.10. zu spüren. Erich Honecker, der die DDR ungefähr 18 Jahre lang regiert hatte, trat zurück.

Plötzlich passierten viel zu viele Dinge auf einmal und es herrschte ein riesiges Durcheinander in der DDR. Ungarn hatte nämlich die Grenzen zu Österreich geöffnet, sodass viele BürgerInnen versuchten, über Ungarn in den Westen zu fliehen. Außerdem versammelten sich weitere DDR BürgerInnen in Prag, Warschau und Budapest in der dortigen Botschaft der Bundesrepublik und hofften, dass diese sie in den Westen ausreisen lassen würden. Am 30.09. verkündete der West-Deutsche Botschafter in Prag, Hans-Dietrich Genscher, unter ohrenbetäubendem Jubel, dass die Ausreise per Zug der DDR-BürgerInnen, die sich in den Botschaften befanden, in die BRD genehmigt sei.

Die anderen Personen, die sich noch im Osten befanden, aber fliehen wollten, demonstrierten tapfer weiter. Am 4.11. und 6.11. gab es erst in Berlin und dann in Leipzig Demonstrationen für die Freiheit und gegen die DDR mit jeweils 500.000 TeilnehmerInnen.

Abends am 09.11. erklärte Günter Schabowski, Politiker in der DDR, dann in einer Pressekonferenz, dass man beschlossen habe, die Grenzen sofort zu öffnen. Anwesende Journalisten waren sehr verwirrt, da die Regierung bis jetzt eine Öffnung der Grenze immer vehement abgelehnt hatte. Ihre Verwunderung war auch nicht fehl am Platz. Eigentlich war nie beschlossen worden, die Grenzen ganz und sofort zu öffnen, aber nun war es zu spät. Die Menschen stürmten nun schon in Scharren an die Grenzen und warteten auf die Öffnung

Um 23:30 Uhr am 09.11.1989 konnten die Soldaten dem Druck der Mengen nicht mehr standhalten. Unter Applaus der West-BürgerInnen betraten die DDR-BürgerInnen nach 28 Jahren wieder Westdeutschland. Deutschland war zumindest symbolisch wiedervereinigt.

Paula Holste und Marika Münkel

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