Poetry Slam — Homeschooling/Corona

Oh, können wir nicht einfach vorspulen?

Tobende Lautstärke im Klassenraum, störendere Unterhaltungen, Gekicher.

„Könntet ihr bitte leise sein? Das stört!“

Die laute durchdringende Stimme des Lehrers.

Wir alle kennen doch diese Situation.

Doch nun… Stille.

Nichts als Stille.

„Könnte mal bitte irgendjemand etwas sagen? Irgendjemand?“

Die unsichere leise Stimme des Lehrers, die durch mein iPad ertönt.

Lauter grauer Kästchen mit Initialen drin.

Zunächst keine Gesichter und kein Ton.

Das Homeschooling.

Und die Welt hat zu.

Alle Türen und Fenster verriegelt.

Nichts außer Videokonferenzen, Anwesentheitskontrollen, verwirrte Lehrer und Teilgruppen liegen in der Luft.

All die täglichen Kopfübungen in Mathe und die Drama-Lektüren in Deutsch,

Die langen Aufträge in den Wahlpflichtkursen

Und all die Aufgaben im Aufgaben-Modul.

Und da war sie wieder, die merkwürdige Stille im Alltag.

Einfach alles still.

Nichts außer weiße Wolkenschiffe,

Groß und klein, die an meinem Fenster vorbeiziehen.

Der Duft aus der Küche, der sich durch das Haus streckt.

Die Vorfreude auf das Mittagessen.

Das Klappern der Töpfe in der Küche.

Und die Videokonferenz-Stimme meiner Schwester, die ich durch unsere Wände hindurch höre.

Ihr sanftes Sprechtempo.

Oh, können wir nicht einfach vorspulen?

Vorspulen, bis hin zu der Zeit, die wir alle so vermissen.

Die Zeit, in der wir noch gefeiert und getanzt haben, uns in den Armen lagen.

Die Zeit, in der wir viele hell erleuchtete Freundengesichter in den Fenstern gesehen haben.

All die Sommerausflüge mit Freunden, all die Konzerte, die Reisen, all die Unternehmungen und Feiern.

Ja, wo wir sogar noch aus der selben Flasche oder dem selben Glas getrunken haben.

Ganz ohne Sorge.

Die Zeit, wo wir die Emotionen all der Menschen noch an ihren Mundwinkeln erkennen konnten.

Wo die Regale in den Supermärkten noch prall gefüllt waren.

Die Zeit, in der wir die Wörter Mindestabstand und Inzidenzwert noch nicht mal kannten.

Ja, ich vermisse diese Zeit.

Den Lärm und all den Trubel in der Schule,

Die fröhlichen Gesichter nach dem Schulschluss,

Die Vorfreude auf das Wochenende,

Die vielen Grüße der Lehrer und Lehrerinnen auf dem Flur,

Das eng aneinander gedrängte Busfahren.

Ja, ich vermisse sogar den anstrengenden Unterricht.

Können wir nicht bitte einfach vorspulen?

Und so tun, als wäre alles wieder gut.

Oh, weißt du, wovon ich gerade am liebsten träume,

Dass du mich weckst und sagst es ist vorbei.

Einfach alles vorbei.

Das lange Sitzen,

Das ständige Hochlanden der Texte,

Und vor allem die Benachrichtigungen.

Ja, ich hab verstanden, dass ich die Aufgabe in 25 Stunden abgeben muss.

Alles vorbei.

Du musst dir keine Gedanken mehr machen…

Doch nur eins darfst nie vergessen:

Wenn du mal nicht weiter weißt,

Dann dreh die Musik auf

Und steh von deinem Schreibtisch auf.

Denn tanzen ist eine Pause der Realität, für ein paar Minuten jedenfalls.

Sogar in einer dunklen Zeit, sieht man bei einer Wunderkerze die Sterne fröhlich um die Wette tanzen.

Also komm lass uns tanzen, bis den Sternen schwindelig wird!

Charlotte Brunkhorst (9B)

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