Gibt es überhaupt Chancen? Nachwuchsbasketball während Corona

Durch Corona wurden alle immens eingeschränkt. Jeder musste etwas einstecken und vielleicht sogar Rückschläge erleiden. Der Nachwuchssport war von den Einschränkungen natürlich auch betroffen und eingeschränkt, nicht so wie der Profisport, der trotz Corona fast immer statt gefunden hatte, sei es in der 1. Fußballbundesliga oder der Basketball-Bundesliga. Aber was ist mit den werdenden Profis, die in den Nachwuchsteams aktiv sind und davon träumen, auch einmal Profi zu werden? Werden die Profi-Teams eine Lücke bekommen, da kein „guter“ Nachwuchs die alten Legenden ablöst? Dem Nachwuchs fehlt immerhin mehr als ein Jahr aktive Spielerfahrung und Teilhabe am Wettbewerb.

Ich habe einen Nachwuchs-Basketballspieler gebeten, mir von seiner Erfahrung in der Corona Zeit zu berichten. Außerdem interessiert mich, wie fair es ist, dass der Profisport weiter geführt worden war und der Amateursport nicht.

Der 17 Jahre alte Tom spielt für den Nachwuchs des Basketballteams der Eisbären Bremerhaven. Das Profiteam spielte von 2005-2019 in der 1. Basketball-Bundesliga. Nun spielen die Eisbären in der ProA, was wie die 2. Basketball-Bundesliga ist, und sie hätten letztes Jahr sogar aufsteigen und 2021 wieder in der BBL spielen können. Doch laut dem Eisbären-Geschäftsführer müsse man neben der sportlichen Erfolge auch die wirtschaftliche Lage berücksichtigen und diese lasse einen jetzigen Aufstieg in die BBL nicht zu. Die Saison 2019/2020 wurde vorzeitig abgebrochen, Grund dafür war die heikle Coronalage. Der vorzeitige Saisonabbruch gab den Eisbären die Möglichkeit aufzusteigen, weil sie den 2. Tabellenplatz belegt hatten.

Während die ProA abgebrochen werden musste, konnte die 1. Basketball-Bundesliga weitermachen.

Den weitergeführten Spielbetrieb der BBL fand der Nachwuchsbasketballer nachvollziehbar, denn der Sport sei immerhin ein nicht gerade kleines Geschäft, in dem Geld gemacht werden müsse und alles drangesetzt werde, weiter zu spielen. Auch wenn Zuschauer nicht erlaubt gewesen seien, seien Einnahmen durch Fernsehübertragung und der allgemeinen Saisonteilnahme erzielt worden.

Zu vergleichen sei die Lage der Profispieler mit der des Nachwuchses nicht. Am Anfang des Corona-Dramas sei nur Einzeltraining erlaubt gewesen, manchmal in Kleingruppen. Dennoch sei der Kontakt zu anderen Spielern verboten gewesen. All dies sei nur durch eine Sondergenehmigung umsetzbar gewesen. Die Einschränkungen im Training seien noch weiter gegangen. Da kein Kontakt zu anderen erlaubt gewesen sei, sei das Training kein richtiges Training gewesen. Höchstens seien die „Skills“ der Jungs verbessert worden, indem intensives Wurftraining auf dem Plan gestanden habe. Doch was ist Basketball ohne das Kontaktspiel? Um dieses Problem zu beheben oder wenigstens zu minimieren, hätte der Trainer sogenannte „Hit Shields“ oder „Blockingshields“ eingesetzt. Hit Shields werden hauptsächlich beim Rugby verwendet und sind sehr gut geeignet für alle Blocking-, Tackling- und Kontaktdrills. Da der Spieler dabei nur mit diesem Schaumstoffschild in Kontakt tritt und nicht mit einem anderen Menschen, der potenziell Corona haben könnte, wurden solche Hilfsmittel im Training eingesetzt.

Vor jedem Training hatte sich Tom anmelden und bevor er die Halle betreten konnte, vorher auf Corona testen müssen, sobald dies möglich gewesen sei.

Durch so viele Einschränkung und keine konkurrierenden Basketballspiele könnte man seine Motivation leicht verlieren. Auch der Nachwuchs habe sich nicht effizient motivieren können, doch Tom meint, der Traum Profi zu werden, sei dennoch so groß, dass man auch solche Lagen durchstehen könne.

Auf meine Frage, ob die Profiteams später getroffen werden können, da der Nachwuchs mehr als ein Jahr keine richtige Spielerfahrung gehabt habe, antwortete Tom optimistisch: „Nein, ich glaube nicht, eine Weiterentwicklung unserer Fähigkeiten gab es ja trotzdem durch das Einzeltraining. Außerdem waren ja nicht nur die Eisbären betroffen sondern alle leistungsorientierten Teams in ganz Deutschland. Im Endeffekt wird das denke ich kaum einen Unterschied machen.“

Endlich sei wieder Normalität in Sicht. Jetzt gebe es wieder normales Teamtraining mit dem gesamten Team, Kontaktspiel, allem Drum und Dran und sogar Training ohne Testungen vorher. Außerdem starte jetzt die „Summerleague“, in der wieder gegen andere Mannschaften, wie beispielsweise Hamburg oder Göttingen, gespielt werde. Die Spieler werden dann einen Tag vor dem großen Spiel getestet. 35 Zuschauer sind sogar mit Anmeldungen in der Halle der Eisbären bei den Spielen erlaubt.

Viele, die im Basketball Amateursport betreiben, hatten dagegen meist nicht einmal die Möglichkeit, überhaupt irgend ein Training zu bekommen. Doch auch für die Amateursportler ist wieder ein Stück Normalität zurückgekehrt, indem endlich wieder Training erlaubt ist.

Corona hat jedem, der auf so einem Weg ist wie Tom, Steine in den Weg gelegt. Doch durch solche Situationen lernt man auch dazu und bekommt besondere Lebenserfahrung. Dieses Training in Lebensführung kann einem keiner mehr nehmen.

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