Pride Month: nur ein Trend oder längst überfällig?

In den letzten Jahren wurden die Pride-Paraden in aller Welt sowie die Umzüge zum Christopher Street Day im deutschsprachigen Raum oft als spaßige Veranstaltungen der LGBTQ-Community wahrgenommen. Das sind sie zwar zum Teil auch, im Grunde handelt es sich aber um Demonstrationen und Proteste mit politischer Message.

Wie alles begann:

Seit den 1950ern gab es in New York das Stonewall Inn, eine sogenannte gay Bar, in der sich Homosexuelle trafen. Deshalb gab es dort täglich Polizeirazzien, bei denen Gäste der Bar verhaftet wurden, denn damals galt Homosexualität noch als eine Straftat. Die Betreiber der Bar wussten oft schon vorher von den Polizeirazzien, da sie einen Maulwurf bei der Polizei hatten, und so ihre Gäste vorwarnen konnten. Am 28. Juni 1969 aber kam die Polizei ohne Vorwarnung und verhaftete Stormé DeLarverie, die als Drag Queen bekannt war. Während sie von der Polizei abgeführt wurde, forderte sie die Umstehenden auf, etwas gegen die Unterdrückung der Homosexuellen zu unternehmen. Die Umstehenden demonstrierten und randalierten, weshalb die Polizei mit Gewalt versuchte, die Situation unter Kontrolle zu bringen. Die Proteste gingen noch einige Stunden weiter, bis es der Polizei gelang, die Straßen zu räumen.

Diese Unruhen blieben jedoch keine Eintagsfliege, sondern sie waren der Ausgangspunkt für viele weitere Demonstrationen, derer wir heute im Juni, dem Pride Month, gedenken und sie wurden zum Vorbild für die heutigen Demonstrationen und Umzüge. In Deutschland kennen wir diese Paraden und Demonstrationen deshalb auch unter dem Namen „Christopher Street Day“. Die Bezeichnung für den Gedenktag ist nämlich von dem Namen der Straße, in der das Stonewall Inn lag, abgeleitet: der Christopher Street.

(von Lina)

Warum wird der Pride Month gefeiert?

Der gesamte Monat Juni wird häufig als „Pride Month“ oder „Gay Pride“ bezeichnet. Das englische Wort „Pride“ bedeutet „Stolz“ und soll signalisieren, dass sich queere Menschen nicht verstecken und dafür schämen sollten, so zu sein, wie sie sind, sondern sich selbst akzeptieren und selbstbewusst damit umgehen sollten. Insgesamt steht der gesamte Pride Month für Stolz, Toleranz und Selbstbewusstsein und kämpft damit gegen Kriminalisierung, Stigmatisierung und Ausgrenzung von Mitgliedern der LGBTQ – Community.

In vielen verschiedenen Städten und Ländern finden im Juni anlässlich des Pride Months Veranstaltungen von Menschen aus der LGBTQ-Gemeinde statt. Die Proteste sollen dabei zum einen an die Menschen erinnern, die damals im Kampf für die Rechte von queeren Menschen ums Leben gekommen sind und zum anderen soll dieser Monat auch auf noch immer bestehende Ungerechtigkeiten in der heutigen Zeit hinweisen. Allgemein soll der Pride Month auch die Vielfalt der Gesellschaft feiern, queere Menschen mit Stolz erfüllen und alle zu einem friedlicheren Miteinander und Zusammenleben bewegen.

Denn auch wenn sich seit 1969 viel getan hat, hat der Pride Month noch immer seine Berechtigung und für viele Menschen eine wichtige Bedeutung. In einigen Ländern ist Homosexualität auch heute noch strafbar und auch in Deutschland gibt es noch immer Gewalt gegen LGBTQ-Menschen. Im Jahr 2020 kam es laut Bundesinnenministerium zu 578 Straftaten, die gegen die sexuelle Orientierung gerichtet waren, sowie zu 204 transphoben Straftaten, also Straftaten, die gegen das Geschlecht oder die sexuelle Identität gerichtet sind.

Die Bedeutung des Pride Months ist also nach wie vor groß: Als Zeichen für eine buntere, tolerantere Gesellschaft und auch als Protest gegen Ungerechtigkeiten.

(von Julia)

Pinkwashing der Konzerne für höheren Umsatz?

Immer mehr Unternehmen unterstützen das gesellschaftliche Ziel, Liebe und Identität von traditionellen Normen zu befreien und Strukturen zu schaffen, die auf Gleichberechtigung beruhen. Deswegen ist das Marketingmittel ‚Pride‘ in den letzten Jahren ein fester Bestandteil der auf Gewinn bedachten Werbung geworden. Ob es sich dabei um tatsächliche Solidarität oder nur Fassade handelt, zeigt allerdings oftmals erst der Blick hinter die Kulissen.

Wenn heute die Uhr Mitternacht schlägt, erscheinen die Logos vieler Unternehmen und Großkonzernen in Regenbogenfarben. Das Zelebrieren von Diversität ist in den letzten Jahren auch im Social Web angekommen. Farbenfrohe Postings häufen sich in Social-Media. Verstärkt durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie verlagern sich die Kampagnen immer stärker ins Netz und werden durch eigene Pride-Produkte, Special Editions oder ganze Kollektionen vermarktet.

Der Trend der Regenbogenwerbung sei erst vor ungefähr fünf Jahren entstanden, erklärt Stuart Cameron, Geschäftsführer der Uhlala Group, dem führenden Sozialunternehmen für LGBT+-­Diversity in Deutschland. Doch je beliebter das Pride Marketing wird, umso stärker dringen auch Pinkwashing-Vorwürfe, das sind Solidaritätsbekundungen, die nur zu Marketingzwecken geäußert werden, an die Öffentlichkeit. Mit diesen bringt die Community ihre Kritik. „Viele haben das Gefühl, Unternehmen nutzten die Pride-­Symbolik mit Blick auf die Kaufkraft von LGBT+­Menschen in Deutschland aus“, so Cameron.

Zwischen 50 und 100 Milliarden Euro Umsatz werden pro Pride-Saison durch das bunte Marketing erzeugt. Der Vorwurf an rein nach Gewinn gerichtete Betriebe ist oft verknüpft mit einer erheblichen Gefahr für den guten Ruf: Unternehmen, die kein ehrliches Engagement für die LGBT+-Community zeigen, riskieren Shitstorms und somit Gewinnverluste durch den Verlust potenzieller Kunden. Ein Blick hinter die neue Produktpalette oder auf die Organisationsform verrät allerdings oft sehr schnell, ob Konzerne auch intern strukturelle Veränderungen durchsetzen und Chancengleichheit schaffen oder eben nur Pinkwashing betreiben.

(von Dounia)

https://www.google.de/url?sa=i&url=https%3A%2F%2Fgenius.com%2Fdiscussions%2F388453-Pride-month-spotlight-demi-lovato&psig=AOvVaw3AORIWWAsW6wN4EAEOpMbT&ust=1624608528541000&source=images&cd=vfe&ved=0CAsQjhxqFwoTCKiar8Xor_ECFQAAAAAdAAAAABAJ (24.06.2021)

Diese Stars gehören zur LGBTQ-Gemeinde:

Zu der LGBTQ-Community gehören auch einige Stars, die sich öffentlich geoutet haben. Amanda Stenberg (20), bekannt als „Rue“ aus „Die Tribute von Panem“, outete sich im Juli 2018 auf Instagram und in dem Magazin „Wonderland“ als lesbisch. Im Mai 2021 outete sich der/die Sänger/in Demi Lovato als nonbinär. Das bedeutet, dass er/sie sich keinem der beiden binären Geschlechter (männliche und weibliche) zuordnet. Viele Stars wie Heidi Klum oder Prinz Harry und Herzogin Meghan nehmen an Aktionen zu, Pride-Monat teil.

Im Jahr 2019 griff Heidi Klum beispielsweise zum Bodypainting und ließ ihren Körper mit Regenbogenfarben bemalen. Unter ihren Instagram-Post schrieb sie „Happy Pride! Ich feiere und unterstütze heute alle Mitglieder der LGBTQ-Gemeinde… so wie jeden Tag.“

Prinz Harry und Meghan läuteten den Pride-Monat im Juni mit einer bunten Collage auf ihrem Instagram-Account ein.

Viele Stars unterstützen also die LGBTQ-Gemeinde, denn es müssen Chancengleichheit und mehr Toleranz geschaffen werden, damit die offenen kulturellen Normen in Bezug auf die Liebe und sexuelle Orientierung endlich akzeptiert werden.

Deshalb ist es wichtig, Gesicht zu zeigen und die Aktionen zum Pride-Month zu nutzen, gesellschaftliches Umdenken herbeizuführen!

(von Enne)

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