„Papier hat mehr Geduld als Menschen“ – Anne Frank

Heute vor 92 Jahren, dem 12.06.1939, wurde Annelies Marie Frank, besser bekannt unter dem Namen Anne Frank, in Frankfurt am Main geboren. Ihr Tagebuch, das sie vom 12. Juni 1942 bis zum 01.08.1944 führte, ist nicht nur das vermutlich beste Beispiel für Erlebnisse von Menschen des jüdischen Glaubens unter dem nationalsozialistischen Regime, sondern spiegelt auch das unglaubliche Talent eines Mädchens wieder, das mit nur 15 Jahren im KZ Bergen-Belsen starb.

Anne wurde als zweite Tochter ihrer jüdischen Eltern, Edith Frank – Holländer, Tochter eines reichen Fabrikanten und Otto Frank, Sohn einer reichen Bankiersfamilie, geboren und wuchs behütet mit ihrer drei Jahre älteren Schwester Margot in einem liberalen Umfeld auf. Bis Hitler und seine Partei NSDAP 1933 an die Macht kamen blieben die Franks in Frankfurt. Mit dieser Machtübernahme und der beginnenden Unterdrückung der Juden ging ihr Vater in die Niederlande nach Amsterdam. Diese war schließlich im ersten Weltkrieg neutral geblieben, sodass man hoffte, diese Neutralität würde in zukünftigen Konflikten mit den Deutschen ebenso bewahrt bleiben, und er konnte dort die Leitung eines „Opekta“- Standortes übernehmen, einer Geliermittelfirma. Die von ihm gut gestaltete Arbeitsatmosphäre und das besondere Verhältnis zu den Mitarbeitern sollte ihn und seine Familie später lange schützen. Noch 1933 kamen auch Edith und Margot nach Amsterdam, Anne erst 1934 und blieb bis dahin bei ihrer Großmutter. Ab sofort lebte die Familie Frank in einer schönen Wohnsiedlung am Merwedeplein mitten in Amsterdam.

Die beiden Schwestern lebten sich schnell in der neuen Heimat ein, gingen zur Schule, fanden Freunde und lernten die Sprache schnell, genauso wie ihr Vater. Die Mutter hingegen vermisste ihre Familie und tat sich auch mit der Sprache schwer, aber sie wusste, dass sie nicht zurückgehen könnte – denn der Hass und die Entrechtung der Juden in Deutschland wurde immer stärker. In Amsterdam hingegen fühlten sie sich alle sicher, was sich als Fehler erweisen sollte.

Anne war immer gut in der Schule, musste durch ihr vorlautes Verhalten und ihre Gesprächigkeit aber auch oft Aufsätze schreiben. Anne sah dies aber nicht als Strafe – sie liebte das Schreiben und wollte schon früh Autorin werden, sodass ihre Texte die Lehrer nicht selten schwer beeindruckten.

Zu ihrem 13. Geburtstag, am 12.06.1942 bekam Anne ein rot-kariertes Tagebuch geschenkt. Anne war sehr begeistert, da sie nun ihre Gedanken jeden Tag niederschreiben und ihre Träume besser verfolgen konnte. Inzwischen war aber auch der Krieg im vollen Gange und die Niederlande im Gegensatz zum ersten Weltkrieg ebenfalls von den Deutschen eingenommen worden, sodass auch die Juden in den Niederlanden zum von den Deutschen betitelten „Arbeitsdienst“ im Osten aufgerufen wurden. Somit kam kurz nach Annes Geburtstag auch Margots Aufruf. Die Familie wusste aber ganz genau, was dieser Aufruf wirklich bedeutete – Deportation und Vernichtung. Trotz der Flucht in die Niederlande hatte dieses Grauen nun auch die Franks erreicht. Ohne zu zögern planten die Eltern ein Versteck, um Margot aber auch sich selber endgültig vor dem Wahn der Nationalsozialisten zu schützen.

Bis zum 08.07.1942 hatten Edith und Otto heimlich, und erst ohne die Kinder einzuweihen, ein Versteck mit seinen Mitarbeitern im Hinterhaus seiner Firma in der Prinsengracht 263 vorbereitet, sodass die Familie morgens schnell ihre Sachen packte und so schnell wie möglich die geliebte Wohnung verließ. Sie ließen alles zurück mit einem Brief, in dem stand, sie seien nach Basel in die Schweiz zu Ottos Bruder gezogen. Mit der Zeit kamen noch die Familie vaan Pels (Auguste, Herrmann und Peter) in das Versteck, sowie der Zahnarzt Fritz Pfeffer. Mehr als zwei Jahre würden diese acht Personen auf engstem Raum leben, nicht das Haus verlassen und sich tagsüber kaum bewegen können, da Arbeiter sie jederzeit hören könnten. Eine Entdeckung würde nämlich ihre Deportation und Tod bedeuten.

Im Hinterhaus wurde Anne ihr Tagebuch immer wichtiger und sie schrieb immer mehr. Denn sie konnte niemandem außer diesem ihre Sorgen anvertrauen, da alle ihre Eigenen hatten. Weil sie sich aber mit Fritz Pfeffer ein Zimmer teilen musste und dieser ebenso den kleinen Schreibtisch benutzen wollte, kam es oft zu Streitereien, die Anne viel abverlangten und sie auch in ihrem Tagebuch beschreibt. Von den Helfern, den ehemaligen engsten Mitarbeitern Otto Franks, bekam Anne viele Schulaufgaben, denn ihren Eltern war es wichtig, dass die Bildung im Hinterhaus nicht vernachlässigt werden würde und Anne nach dem Krieg ohne Probleme zur Schule gehen könnte – was aber nie passieren sollte.

In der Zeit im Hinterhaus wird Annes Wunsch Autorin zu werden immer größer, zudem hofft sie, dass ihr Tagebuch eines Tages veröffentlicht werden kann, auch um das Leid der Juden unter den Deutschen öffentlich zu machen. Somit begann, sie das Tagebuch zu überarbeiten bzw. eine „Version b“ zu erarbeiten. Sie nahm weitere Einträge vor, änderte Texte und ließ Dinge, die ihr zu persönlich erschienen, raus. Doch bevor sie diese Version überhaupt fertigstellen konnte, verriet eine bis heute unbekannte Person die Hinterhausbewohner.

Am 04.08.1944, drei Tage nach Annes letztem Tagebucheintrag und mehr als zwei Jahre nach der Flucht in das Hinterhaus, kamen SS-Offiziere und nahmen alle acht Versteckten fest. Für die Familie Frank ging es dann zuerst für mehrere Tage ins Gefängnis, dann für drei Wochen in das Übergangslager Westerbork in den Niederlanden. Von dort sollten die Niederländischen Juden nach Auschwitz zur Vernichtung deportiert werden. Mit dem letzten Zug, der Menschen dorthin brachte, fuhren die Franks am 03.09. nach Auschwitz. In Auschwitz angekommen wurde die Familie durch die Selektion auf der Rampe getrennt. Edith, Anne und Margot blieben beisammen in Birkenau, Otto kam in ein anderen Lagerkomplex. Noch am selben Tag hörte Anne, wie Menschen eines bestimmten Alters gleich nach der Ankunft vergast würden, ihr Vater gehörte zu diesem Alter, sodass sie ihn für tot hielt. Wie sich jedoch herausstellen sollte, war diese Vermutung mehr als falsch.

Im Oktober 1944 wurden Anne und Margot nach Bergen-Belsen gebracht. Ihre Mutter starb ein paar Monate später an Erschöpfung in Auschwitz. In Bergen-Belsen, wo Anne und Margot nun waren, gab es zwar keine maschinelle Vernichtung, jedoch waren Hunger und Krankheit viel verbreiteter. Ende Februar erkrankten die Schwestern an Typhus. Anfang März starb erst Margot, dann Anne. Viele Menschen sind heute der Meinung, dass zumindest Anne überlebt hätte, hätte sie gewusst, dass ihr Vater zu diesem Zeitpunkt noch gelebt hat, bewiesen ist diese Theorie jedoch nicht.

Nach der Befreiung von Auschwitz und dem Ende des zweiten Weltkrieges mit der deutschen Kapitulation ging Otto Frank als Einziger Überlebender der Familie Frank und der anderen Hinterhausbewohner zurück nach Amsterdam. Dort fiel ihm das Tagebuch seiner Tochter in die Hände. Nach langen Überlegungen veröffentlichte er das Dokument nach dem Wunsch seiner Tochter.

Genau wie es Anne vorhatte, konnte dieses Dokument das individuelle Leid der Juden unter dem NS-Regime an die Nachwelt weitergeben und hat Wissenschaftlern wichtige Erkenntnisse zur deutschen Herrschaft gegeben. Außerdem brachte ihr dieses Dokument die Unsterblichkeit, die sie sich immer gewünscht hatte und noch heute findet ihr unglaubliches Schreibtalent bei Millionen Menschen großen Respekt.

Paula Holste und Marika Münkel

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