Das Moor – der Horror?

KNACK….ÄCHZ….

Gehetzt lief ich durch das düstere Moor. Der Regen prasselte unnachgiebig auf mich herunter und weichte den Boden auf. Meine Lunge brannte, doch ich blieb nicht stehen. Immer wieder hörte ich das Geräusch, wie jemand herumliegende Zweige zum Brechen brachte. Ich war mir sicher, dass ich verfolgt wurde. Der Wind brauste auf und in weiter Ferne nahm ich ein Heulen wahr. Werwölfe? Mit den Augen suchte ich meine Umgebung ab, nichts. Ich blieb kurz stehen um mich zu orientieren. Wo waren die Wege noch sicher, wo begann das Moor, das mich unweigerlich verschlingen würde? Plötzlich sah ich einen Schatten. Schnell lief ich weiter, ohne mich nochmal umzudrehen. Der Regen hatte mittlerweile nachgelassen und auf einmal herrschte gespenstische Stille um mich herum, abgesehen von meinen gehetzten Schritten, die durch den weichen Boden nur gedämpft erklangen. Ich bildete mir ein, jemanden in meinem Rücken atmen zu hören. Automatisch beschleunigte ich. Die Zweige der Büsche, die den schmalen Pfad säumten, peitschten mir ins Gesicht und hinterließen blutige Striemen, die Dornen zerrissen meine Kleidung. Etwas streifte meinen Rücken. Erschrocken beschleunigte ich noch einmal und brach dann durch die kleine Hecke am Wegesrand, in der Hoffnung meinen Verfolger abschütteln zu können. Ich wagte einen Blick nach hinten. Erst dachte ich, ich hätte es tatsächlich geschafft zu entkommen, doch dann sah ich den Schatten, der in unglaublicher Geschwindigkeit auf mich zu geschossen kam. Schnell rannte ich weiter. Plötzlich stolperte ich über etwas und fiel hin. War das ein Schädel? Sofort versuchte ich mich wieder aufzurichten, doch weiterlaufen konnte ich nicht. Meine Füße steckten im Boden fest. Panik erfüllte mich. Ich sah den Schatten auf mich zu kommen. Erkennen konnte ich nichts. Kurz bevor der Schatten mich erreichte, brach die dicke Wolkendecke auf und der Mond erleuchtete das schaurige Moor. Nun konnte ich den Schatten erkennen. Eine alte Frau, nur mit alten Lumpen gekleidet. Ihre grauen, fettigen Haaren hingen ihr nass ins Gesicht. Trotzdem konnte man die vernarbte Haut und die großen Warzen erkennen. In ihrer Hand hielt sie einen Stock und ich fragte mich, warum sie trotzdem so schnell sein konnte. Ich machte mir jedoch keine weitere Gedanken darüber, denn nun ging sie langsam weiter auf mich zu, ich schauderte und Gänsehaut breitete sich auf meinem Körper aus. Sie grinste und entblößte dabei eine Reihe spitzer gelber Zähne. Schritt für Schritt kam sie näher, bis sie direkt vor mir stand. Noch einmal versuchte ich mich zu befreien, doch mittlerweile waren auch meine Schienbeine von der braunen Masse verschluckt worden. Wohlwissend wie aussichtslos meine Lage war, grinste die alte Hexe noch einmal hämisch. Dann schoss sie blitzschnell vor. Ihre langen verrotteten Fingernägel bohrten sich in meine Brust. Ich schrie und einige Vögel schreckten hoch. Ihre Finger bohrten sich tiefer und ich krümmte mich vor Schmerz, mein Atem rasselte nur noch. Dann war es vorbei und ich wurde zu einer von unzähligen Moorleichen.

Das Moor wird häufig mit Horror und Grusel assoziiert. Aber warum ist das so?

Den Ursprung solcher Legenden und Mythen findet man bei unseren Vorfahren, als der Abbau von Torf einen entscheiden Anteil in der Wirtschaft hatte. Torf, getrocknet ein guter Brennstoff, entsteht in Mooren und wurde aufgrund einer hohen Nachfrage in großen Mengen gestochen. Die Erlebnisse der Arbeiter bilden dabei die Grundlage für den schaurigen Ruf des Moores:

Beim Torfstechen fanden die Arbeiter häufig Leichenteile, die im weichen Boden versunken waren, zum Teil zerfetzt, manchmal noch ziemlich gut erhalten – die sogenannten „Moorleichen“. Das führte zu Schauergeschichten, die sich die Arbeiter während ihrer langen Arbeitstage ausdachten und von Generation zu Generation weitergaben, auch um ihre Kinder von den Gefahren des heimtückischen Bodens im Moor fernzuhalten, in dem man leicht steckenbleiben konnte. Heute werden kaum noch Moorleichen gefunden, denn der Abbau erfolgt größtenteils maschinell, sodass die Leichen einfach mit verarbeitet werden. Trotzdem verbinden wir das Moor noch immer mit Horror. Das liegt auch an den zahlreichen dichterischen Fantasien vieler berühmter Autoren. Ein sehr bekanntes Beispiel ist die Geschichte um „Sherlock Holmes – Der Hund von Baskerville“ von Sir Arthur Conan Doyle, die im englischen Dartmoor spielt. Das Moor bietet dazu mit dem ständigen Nebel und viel modrigem Gewässer einen geeigneten Schauplatz, um den LeserInnen eine Gänsehaut zu bereiten.

Eigentlich ist das Moor aber gar nicht so gruselig wie verbreitet, wie beispielsweise das Teufelsmoor bei Worpswede zeigt. Der Kulturlandschaftsraum bietet zahlreiche touristische und erholsame Aktivitäten. Man kann lange Wanderungen oder Radtouren unternehmen oder mit einem Torfkahn den Spuren des Torfabbaus nachgehen. Dabei lassen sich viele Tier- und Pflanzenarten entdecken. Die malerische Schönheit hat auch viele Künstler angezogen, z.B. Paula Modersohn-Becker, die sich 1898 in der Region niederließ.

https://kiekin-hotels.de/urlaubregionen/teufelsmoor/

Marika Münkel und Paula Holste

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