Sophie Scholl – Wer war das?

Heute wäre Sophie Scholl 100 Jahre alt geworden, aber wer war sie eigentlich?

Am 9. Mai 1921 wurde Sophia Magdalena „Sophie“ Scholl geboren, keine 22 Jahre später, am 22.02.1943 wurde sie durch die Nationalsozialisten enthauptet. Grund für die Enthauptung war ihre Mitgliedschaft in einer Gruppe von Widerstandskämpfern gegen das nationalsozialistische Regime, der „weißen Rose“. Heute wird sie dafür als Symbol für beispielhafte Zivilcourage geachtet.

Als 1933 die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland übernahmen, war Sophie erst sogar begeistert und glaubte, dass Hitler und seine Anhänger tatsächlich so gut für Deutschlands Zukunft seinen, wie propagiert. 1934 trat sie den nationalsozialistischen Jugendorganisationen „Ulmer Jungmädchen“ und später dem „Bund-Deutscher-Mädchen“ (BDM) bei. Dies unterstützten ihre Eltern keineswegs, sie waren von Anfang an gegen Hitler und vermuteten, er habe Böses vor, womit sie schließlich Recht behalten sollten. Als eines Morgens die Gestapo (Geheime Staatspolizei) vor der Haustür der Familie Scholl stand und Sophie, ihren großen Bruder Hans und ihre große Schwester zum Verhör mitnahm, und Hans sogar wegen „bündischer Umtriebe“ einige Zeit in Haft musste, begann auch Sophie langsam am Hitler-Regime zu zweifeln. Mit dem Kriegsbeginn 1939 waren nun auch sie und alle Geschwister endgültig überzeugt: Hitler hatte Schlimmes vor, etwas sehr Schlimmes, dessen Ausmaß man nur noch nicht kannte.

Mit dem Beginn der 40er Jahre startete Sophie eine Ausbildung zur Kindergärtnerin, auch in der Hoffnung, um den Arbeitsdienst herumzukommen. Dennoch mussten die Geschwister Scholl diesen leisten, ihr Bruder Hans sogar als Sanitäter im Krieg. Dort bekam dieser von der Massenverfolgung und Vernichtung der Juden mit und entschied sich, dass nur Hitler abzulehnen nicht genug sei. Er war überzeugt davon, etwas tun zu müssen, obwohl er damit sein Leben riskieren würde. Hans und andere Kommilitonen der Münchener Universität gründeten die Widerstandsgruppe „die Weiße Rose“. Nachdem Sophie vom Arbeitsdienst und dem damit verbundenen Schrecken zurückkam, entschloss sie sich vermutlich (Sommer) 1942 auch in der Widerstandsgruppe mitzuwirken, während sie an der Münchener Universität Biologie und Philosophie studierte. Besonders das Philosophiestudium und ein Professor bestärkten sie in dem Beschluss, dass Widerstand das Richtige in diesen Zeiten sei.

„Die Weiße Rose“ verteilte Flugblätter, die auf die Gräueltaten der Nationalsozialisten aufmerksam machten und zum Widerstand und Missachten der Befehle Hitlers aufriefen, um für ein Ende des Krieges zu sorgen. Die Blätter mussten alle per Hand geschrieben und vervielfacht werden. Diese wurden dann in Telefonzellen und an Kommilitonen verteilt oder an Autos geheftet, natürlich heimlich und unbemerkt. Schnellstens bemerkte die Gestapo die Verteilung der Flugblätter in München und später deutschlandweit. Es wurde intensiv nach den Mitgliedern der „Weißen Rose“ gesucht, doch lange waren diese unauffindbar. Mit der Zeit bekamen die Alliierten von den Flugblättern mit. Die Engländer sammelten einige von ihnen, vervielfachten sie nochmal um einiges und warfen sie über Deutschland ab. Jeder sollte Bescheid wissen und Widerstand leisten. Auch im englischen Radio wurden die Botschaften gesendet.

Am 18.02.1943 verteilten Sophie und ihr Bruder Hans in der Universität München das mittlerweile 6. Flugblatt. Sie legten dieses vor alle Hörsäle, dennoch blieben ein paar übrig. Da die Kurse jeden Moment enden würde, warf Sophie die übrigen Blätter aus dem ersten Stock hinunter in den Innenhof. Dies entdeckte zu ihrem Leidwesen der Hausmeister. Bevor sie und ihr Bruder fliehen konnten, wurden sie von ihm aufgehalten und daraufhin von der Gestapo verhaftet.

In den anschließenden Verhören stellte sie sich klar als Hauptakteurin dar, um ihre Freunde und ihren Bruder zu schützen und leugnete die Taten nicht, obwohl sie dafür sterben könnte. Trotzdem wurden auch ihr Bruder und ein weiteres Mitglied, Christoph Probst, vor dem Volksgerichtshof angeklagt. Das Volksgericht ist in der Zeit des Dritten Reiches dafür berüchtigt, keine rechtlichen, sondern politische Urteile zu fällen, also im Sinne Hitlers. Dazu kam, dass der Richter in der Verhandlung über die Mitglieder der „Weißen Rose“ Roland Freisler war. Dieser war als Blutrichter und überzeugter Nationalsozialist bekannt. Er führte gerne Schauprozesse, bei denen er äußert brutale und ungerechte Strafen, oft sogar die Höchststrafe, gegen Hitlers Gegner verhängte, um das Volk vom Widerstand abzuhalten.

Dies alles traf auch auf den Prozess der Geschwister Scholl zu. Ihre Eltern durften nicht im Saal anwesend sein, sie hatten keinen Verteidiger und Zeugen wurden nicht angehört. Aus Berichten geht hervor, dass Freisler die Angeklagten ununterbrochen anschrie. Die Angeklagten ließen sich davon jedoch nicht aus der Ruhe bringen und ließen es widerstandslos über sich ergehen. Am Mittag kam es zur Urteilsverkündung: Todesstrafe – Enthauptung unter der Guillotine. Das Gnadengesuch der Eltern wurde abgelehnt. Am Nachmittag des 22.02.1943 wurden erst Sophie und Hans Scholl, sowie anschließend ihr Mitstreiter Christoph Probst in der JVA München enthauptet, weil sie sich für die Freiheit und Rechte der Menschen eingesetzt hatten.

Sophie Scholl, eine der wenigen weiblichen Widerstandskämpferinnen, gilt heute für viele als Vorbild. Ihren Heldenstatus hat sie sich durch ungebrochenen Mut verdient. Sie hat gezeigt, wie wichtig es sein kann, seine eigene Meinung mit Überzeugung zu vertreten. Heute sind zahlreiche Straßen, Schulen und Gebäude nach ihr und ihrem Bruder benannt.

Übrigens: Das letzte noch lebende Mitglied der „Weißen Rose“ Traute Lafrenz ist am 03.05.2021 102 Jahre alt geworden

Paula Holste und Marika Münkel

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