Virus erschüttert Reitsport- Reiter trauern um verstorbene Pferde in Valencia

Das Pferd ist für den Reiter der wichtigste Sportpartner, ein Lebewesen, zu dem man eine besondere Bindung aufbaut. Nicht zu vergleichen mit Sportarten wie Fußball, kann ein Pferd nicht ganz einfach ausgetauscht werden. Es muss jahrelang trainiert werden, um Erfolg zu erlangen, hat einen eigenen Kopf und kann als Lebewesen eben auch erkranken. Bei einem Todesfall wäre es deswegen nicht nur ein finanzieller Verlust, sondern auch aus emotionaler Sicht eine unbeschreibliche Belastung, bei der man einen Freund & Sportpartner verlieren würde. Es existiert eine enge Bindung zwischen Tier und Reiter mit Höhen und Tiefen. Eines der wichtigsten Ziele ist der Erfolg bei Turnieren. Umso schlimmer, wenn dann alles tragisch endet. Ein solch tragisches Ereignis spielte sich dieses Jahr in Valencia ab.

Zirka 100 Pferde haben sich bei einem Turnier in Valencia Anfang des Jahres 2021 mit dem Herpes-Virus EHV-1 infiziert. Mehrere Pferde, auch von deutschen Reitern, sind bereits an dem Virus gestorben. Die Welt des Reitsports steht unter Schock und der Internationale Verband in der Kritik.

„Es handelt sich um eine extrem ansteckende Krankheit. Deshalb ist größte Vorsicht geboten“, sagte Valencias Agrarministerin Mireia Mollà.

In dem Reitstall CES in Valencia, in dem das Springreitturnier stattfand, hätten sich zum Zeitpunkt des Ausbruchs 450 Pferde befunden. Als die Behörden in Valencia von dem Virus-Ausbruch informiert wurden, seien es noch 159 gewesen. 138 standen noch immer auf dem Gelände des CES, mehrere Tiere seien gestorben und mehrere werden in einer Klinik behandelt. Zwei hatten den Reitstall bereits verlassen, wurden aber zurückgebracht. 109 der verbliebenen Pferde weisen EHV-1-Symptome auf. Der Virus-Ausbruch hat Auswirkungen auf den Reitsport in der ganzen Welt: Die Besitzer der 159 Pferde kommen aus Spanien, Belgien, Kanada, China, Dänemark, Frankreich, England, Deutschland, Irland, den Niederlanden, Schweden, Südafrika, Hongkong und Russland.

Die zwei Pferde des deutschen Springreiters Sven Schlüsselburg, die bis zum 12. Februar 2021 am Turnier in Valencia teilgenommen hatten und beim Turnier in Doha positiv auf EHV-1 getestet wurden, würden keine Symptome mehr zeigen, so die FN.  Unterdessen wird die Forderung nach einer Impfpflicht gegen EHV-1 im Reitsport immer lauter. Wobei eine Impfung keinen 100 prozentigen Schutz bietet, lediglich eine Linderung des schrecklichen Verlaufes.

Von zahlreichen Reitställen und europäischen Turnierleitern ist der Internationale Reitsportverband für sein zögerliches Vorgehen nach dem Auftreten der ersten Fälle beim Turnier in Valencia scharf kritisiert worden. Der Turnierchef des internationalen Hallenreitturniers Braunschweig Classico, Axel Milkau, erklärte gegenüber Medien, der Verband habe viel zu spät reagiert. So sei das Virus nun auch in andere Länder verschleppt worden. Zwei Pferde des deutschen Springreiters Sven Schlüsselburg hatten nach Angaben von Bundestrainer Otto Becker positive Tests auf das Herpesvirus EHV-1. In der Folge wurden internationale Turniere in zehn europäischen Ländern bis zum 28. März abgesagt.

„Wir wissen, dass eine große Anzahl von Pferden den Veranstaltungsort in Valencia ohne ein offizielles Gesundheitszertifikat verlassen hat, was bedeutet, dass sie einen unbekannten Gesundheitsstatus hatten“, gab die FEI-Generalsekretärin Sabrina Ibáñez zu. Einige Pferde seien bereits erkrankt gewesen. Inzwischen dürfen die Pferde das Land nur verlassen, wenn sie nachweislich gesund sind.

Unterdessen trauern betroffene Reitsportler um die Pferde, die nach dem Turnier in Valencia an dem Virus gestorben sind. Welche dramatischen Szenen sich in Valencia abgespielt haben, nachdem mehrere Pferde an dem Virus EHV-1 erkrankt waren, schildern deutsche Reiter in den Medien. Der deutsche Springreiter Tim-Uwe Hoffmann nahm auf seinem Instagram-Konto Abschied von „unserer besten Freundin“, der 14-jährigen Stute Casta Lee. Auch Nachwuchs-Springreiterin Tessa Leni Thillmann aus Mecklenburg musste von ihrer Stute 3Q Qadira Abschied nehmen. „Es bricht uns allen das Herz und wir sind zutiefst erschüttert, dass du gestern von uns gehen musstest“. Du bist und bleibst meine Wunderstute!“, schrieb die Sportlerin auf Instagram neben ein Schwarzweißfoto, welches sie und die Stute zeigt.

Von Dounia Lack

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