Reisen in Corona-Zeiten

Mittwoch, 16 Uhr: Corona Test, Pflicht vor der Einreise in Spanien. Außer ein paar wenigen wusste niemand von unserem Vorhaben. Wie sollte man das auch erzählen in dieser Zeit. Der Morgen darauf, eine E-Mail kündigt sich an. Die Testergebnisse. Auch wenn ich weiß, dass ich mich nicht angesteckt haben könnte, war da trotzdem ein mulmiges Gefühl. „Sie sind negativ getestet“, steht in der E-Mail. Der letzte Schritt der Reisevorbereitung ist also geschafft. Schon zuvor hatten wir die komplizierten Formulare der Regierung und des Reiseveranstalters ausgefüllt.

Samstagmorgen, 4 Uhr: Wir kommen an einem leeren Terminal im Hamburger Flughafen an. Die Anzeigetafel leer. Nur ein paar wenige Flüge starten an diesem Samstag. Darunter auch unser Flug nach Gran Canaria. Auf der Anzeigetafel der Sicherheitskontrolle steht: „Wartezeit 1 Minute“. Wo vorher lange Schlangen waren, sind nun menschenleere Warteschleifen. Am Gate angekommen, finden wir leere Bänke auf. Selten hört man nun einen Flugaufruf durch den Lautsprecher. Am Flughafen und auch im Flugzeug gilt Maskenpflicht. Nach einem 5-stündigen Flug, der sich nicht besonders von einem Flug vor Corona unterschieden hat, kommen wir am Flughafen in Gran Canaria an. Der Flughafen dort ist genauso leer wie in Deutschland. Nur die Koffer aus unserem Flug drehen sich auf einem der 10 Kofferbänder. Draußen wartet auf uns der Transfer-Bus. Er bringt uns auf direktem Wege zum Schiff. Am Check-in empfängt man uns mit den Worten „Ihr seid es schon wieder“. Ein Satz, den wir an diesem Tag öfter hören. Es ist unsere dritte Reise während der Corona-Pandemie. Nirgendwo fühlen wir uns in dieser Zeit so sicher wie hier. Seit Juli fährt TUI Cruises mit diesem Hygienekonzept. Immer wieder aufs Neue und in egal welcher Destination erweist sich das Hygienekonzept als sinnvoll. In allen öffentlichen Bereichen gilt Maskenpflicht. Am Tisch und im Pool darf sie abgesetzt werden.

Die Gesundheit steht an erster Stelle. Dies beginnt schon morgens. Bis 12 Uhr müssen alle Gäste zu einer Temperaturkontrolle erscheinen. Diese ist kontaktlos und dauert nur wenige Minuten. An allen Ecken findet man Desinfektionsspender und beim Betreten der Restaurants wird man auf das Händewaschen hingewiesen. Dies wird von den meisten gewissenhaft wahrgenommen. Trotzdem bemerken wir während der gesamten Reise immer wieder Menschen, die sich weigern, ihre Hände zu waschen. Sie meinen, da sie vor Anreise negativ getestet wurden, dass sie sich nicht mehr an die Hygieneregeln halten müssen. Auch Maskenverweigerer begegnen uns während der Reise. Die ganze Reise über prägt mich eine Unverständlichkeit gegenüber dem Verhalten. Vor Buchung wird man schließlich über das Hygienekonzept informiert und muss unterschreiben, dass man sich dran hält. Diese Personen gefährden nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch die Gesundheit aller Mitreisenden und die Zukunft der Reederei, also Tausende von Arbeitsplätzen.

Das Tagesprogramm war sehr umfangreich. Es ging von Shows im Theater bis hin zu Sportkursen im Fitnessstudio. Vorab musste man eine Reservierung vornehmen, da nur eine bestimmte Anzahl an Plätzen zur Verfügung stand, um den Mindestabstand einzuhalten. Es war komisch plötzlich wieder eine Show zu besuchen und ins Restaurant zu gehen, da genau dies in Deutschland im Moment nicht möglich ist. Trotzdem funktionierte alles einwandfrei und nirgendwo gab es lange Warteschlange, denn das Schiff war bewusst nur zu 60% bebucht.

Auf dem Reiseplan standen auch drei Hafenanläufe, an denen auch Landausflüge möglich waren. Diese Ausflüge werden dann von TUI Cruises geführt. Wir haben uns aber bewusst gegen einen Ausflug entschieden, da uns das Risiko einer Infektion zu hoch war.

An den Seetagen hatten wir besonders viel Sonne und wenig Wind. Das zog natürlich viele an den Pool, aber auch hier musste Abstand gehalten werden. Die Sonnenliegen standen alle 2 Meter auseinander. Im Pool durften sich nur eine bestimmte Anzahl an Personen gleichzeitig aufhalten. Das hat auch überwiegend gut funktioniert.

Die Reise verlief sehr ruhig und ohne Zwischenfälle bis zum 5. Tag. Am Nachmittag ertönte durch die Lautsprecher die Durchsage: „Oscar, Oscar, Oscar“, was so viel wie „Mann über Bord“ bedeutet. Im Nachhinein erfahren wir, dass ein Mann zwischen Pier und Schiff gefallen war, als er ein Foto machen wollte. Er konnte aber mit einem dicken Knie und ohne Handy und Brille wieder an Bord geholt werden. Am Abend ertönte dann eine erneute Durchsage, ein medizinischer Notfall. Es entstand eine Unruhe auf dem Schiff. Die Besatzungsmitglieder waren unruhig. Wenig später fuhr ein Krankenwagen vors Schiff. Wir erfuhren, dass es ein Besatzungsmitglied war, das in ein Krankenhaus in La Gomera gefahren wurde.

Außerdem stand am 5. Tag für uns ein weiterer Corona-Test an. Da Deutschland entschieden hat, dass alle Einreisenden einen negativen Corona Test brauchen, werden wir noch auf dem Schiff getestet. Wir erhielten innerhalb von 30 Minuten keine Information, also hieß es, dass wir negativ sind. Allerdings gab es ein positives Testergebnis bei einem Passagier, weshalb der Passagier und 60 Kontaktpersonen an Land in Quarantäne gebracht worden sind.

Vorgesehen war, dass wir am Samstag um 8 Uhr in Gran Canaria anlegen, allerdings ertönte am Abend eine Durchsage, dass wir einen medizinischen Notfall an Bord haben, der ausgeschifft werden musste. Also ging es für uns mit 21 Knoten so schnell wie möglich nach Gran Canaria, wo wir dann am Abend um 23 Uhr anlegten.

Am nächsten Morgen ging es für uns dann zurück nach Deutschland. Trotz der Umstände war es eine sehr besondere Reise. In Hamburg angekommen mussten wir durch eine Polizeikontrolle. Die Polizei kontrollierte sehr sorgfältig die COVID-19 Testergebnisse und die Einreiseanmeldung, die vor Einreise vorgenommen werden musste. Danach begann für uns die 10- tägige Quarantäne, die wir am 5. Tag mit einem negativen COVID-19 Test beenden konnten.

Trotz der Tatsache, dass das Thema „Corona“ auch im Urlaub alltäglich ist, fühlte man sich sicher und gut aufgehoben. Es war eine Auszeit von dem turbulenten Leben in der Heimat. Es war ein Urlaub, an dem besonders auf die AHA-Regeln geachtet wurde und das zeigt, dass Urlaub auch in der Corona-Zeit unter bestimmten Bedingungen sicher ablaufen kann.

Ein Beitrag von Jule Nack

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