Interview mit Herrn Birnbaum (Teil 2)

Schulleiter in der Pandemie

Es ist mittlerweile fast ein Jahr her, dass die Schulen das erste Mal ganz geschlossen wurden und der Unterricht alternativlos von zu Hause aus laufen musste. Mittlerweile wird fast täglich in den Medien darüber berichtet, wie es den Schülerinnen und Schülern (SuS) geht, was sie stört oder was alles nicht klappt und wann sie endlich wieder in die Schule gehen können. Natürlich wird auch berichtet und hinterfragt, ob die Schulschließungen hätten vermieden werden können, ob es sicher ist, die Kinder wieder in die Schule zu lassen und noch viel mehr. Aber wie geht es eigentlich den Schulleitern, die nun zum zweiten Mal versuchen, den Unterricht von zu Hause bestmöglich zu organisieren, indem sie zum Beispiel Geräte für das Personal anschaffen oder neue Programme zum Verbessern des Online-Lernens einrichten und auf jeden Beschluss so schnell wie möglich reagieren? Gibt es vielleicht auch Vorteile für die Schule und SuS oder hält die Pandemie alle Beteiligten einfach nur auf? Was ist das Schwerste für im Moment? Sieht der Alltag eines Schulleiters während Corona genauso eintönig aus wie unserer? Wir haben unseren Schulleitern Herrn Birnbaum gefragt:

Als im Frühjahr 2020 die Schulen geschlossen wurden, haben die Schüler gejubelt. Doch Herrn Birnbaum war gleich klar, dass dies ein Zustand ist, der die Schule noch eine ganze Weile beschäftigen würde. Die Eichenschule war zu diesem Zeitpunkt technisch zwar gut ausgestattet, aber mit Distanzlernen hatten die Lehrer noch keine Erfahrungen gemacht. Auch sie mussten das alles erst mal lernen, und dass sehr schnell. Zu Beginn habe er sich sehr viele Gedanken gemacht, so Herr Birnbaum. Wird die ES den Anforderungen von Schülerinnen und Schülern und deren Eltern gerecht? Was macht die Situation mit seinen Kollegen?

Die zweite Schulschließung kurz vor Weihnachten verursachte dann keinen großen Schrecken mehr. „Ich hatte das Gefühl, dass wir gut vorbereitet sind und vom ersten Tag an digitalen Unterricht anbieten können“, sagte Herr Birnbaum. Er habe seit den Herbstferien damit gerechnet, dass es wieder zu landesweiten Schulschließungen kommen würde. Ihn habe es eher gewundert, dass nicht schon im Herbst konsequentere Maßnahmen an den Tag gelegt worden seien.

An der Eichenschule gab es keinen aktiven Coronafall, sodass Herr Birnbaum gehofft hatte, dass die ES die Pandemie und das Homeschooling gut übersteht. Natürlich hat sich trotzdem einiges geändert, auch für den Schulleiter. Neben dem Unterricht gibt es täglich Dinge, die organisiert werden müssen: die Umsetzung der Vorgaben des Kultusministeriums, die Vorbereitung der Szenarien, das Distanzlernen. Dazu kommt beispielsweise noch die Kommunikation mit SuS, Eltern, dem Kollegium, den Hausmeistern, etc. „Eine Aufzählung aller Aspekte würde sicherlich den Rahmen sprengen“, so Herr Birnbaum. Das Schwerste dabei seien die ständige Ungewissheit (Wie lange dauert die Situation nach an, was kommt noch?), der Zeitdruck, der dadurch entsteht, dass die Schulleiter erst sehr spät vom Kultusministerium informiert werden, und die Verantwortung, die er für die Gesundheit von SuS und Mitarbeitern und das Funktionieren des Distanzunterrichts trägt. Dazu kommen ständig Fragen oder Beschwerden, auf die er eingehen muss. Dabei erhalte er viel Unterstützung vom Kollegium, von Eltern, von der SV, und auch von Vorstand und Aufsichtsrat, betonte Herr Birnbaum. Die größte Veränderung und Belastung bleibt aber wohl das digitale Unterrichten, bei dem sich alle Lehrkräfte außerordentlich engagieren, um es für die SuS möglichst effektiv und gut zu gestalten. Dabei hilft es natürlich sehr, dass die Eichenschule schon länger mit iPads und IServ arbeitet, sodass es bei den Schülern wenig Probleme mit dem Umgang geben sollte. Und die Lehrer und Schüler, die sich bisher noch nicht so sehr mit IServ und Endgeräten auseinandergesetzt haben, können jetzt wichtige Erfahrungen sammeln.

An der Eichenschule funktioniere der Unterricht trotz der Umstände recht gut, aber sowohl SuS als auch Lehrer könnten noch dazu lernen, so Herr Birnbaum und nennt dabei die Themen „die Anlage sinnvoller Dateistrukturen“ und „sinnvolle und digitale Unterrichtsmethoden von Lehrern“ als Beispiele.

Die größten Sorgen mache er sich über die „seelische Gesundheit“ der SuS, die momentan auf so viel verzichten müssen: Kontakt mit Freunden, Freizeitaktivitäten, den Vereinssport…

Im Schulgebäude selbst gibt es natürlich auch einige Veränderungen, deren Bedeutungen vor der Pandemie völlig irrelevant waren. Dazu gehören beispielsweise Infektionsschutz, Laufwege, die Niesetikette und die leere Schule. Gerade das Fehlen der Schüler*innen fühle sich nicht gut an, ihm fehlten der Trubel und die Menschen, meinte Herr Birnbaum.

Er hoffe, dass es mit steigenden Temperaturen im Frühjahr wieder mehr Freiheiten gebe und das es nach den Sommerferien, wenn viele Menschen geimpft wurden, ein „normales“ Schuljahr gebe.

Eins hat der Schulleiter im Gegensatz zu seinen Schülern und Schülerinnen übrigens nicht: Langeweile! Auch in seiner Freizeit beschäftigt er sich häufig noch mit der Organisation des Schulalltages während Corona, „Ich muss also eher sehen , dass ich mal abschalten kann.“

Von Paula Holste und Marika Münkel

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