Esther Bejarano – ein Opfer des Nationalsozialismus

27. Januar 1945, früh am Nachmittag. Die Rote Armee befreit das Konzentrationslager Auschwitz und stößt dabei auf Zeugen des Geschehens. Der Anblick ist grauenhaft, es werden dennoch Menschen gerettet. Nach und nach lösen sich die Konzentrationslager auf. Befreiung.

Als klar wird, dass die Rote Armee kommt, schicken die Nazis einen Teil der Häftlinge auf sogenannte Todesmärsche. Einige werden erschossen, doch es gibt immer noch Menschen, die diese grausamen Taten überleben.

Auschwitz war der größte deutsche Lagerkomplex zu Zeiten des deutschen Nationalsozialismus und bestand aus drei schrittweise aufgebauten Konzentrationslagern. Auschwitz wurde von 1940 bis 1945 zu Zeiten des zweiten Weltkriegs von der Schutzstaffel (SS) geleitet. Menschen aus ganz Europa wurden per Bahn in das Lager gebracht. 90 Prozent der Menschen waren Juden, die restlichen 10 Prozent bestanden aus Homosexuellen, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen, politischen Gegnern und allen, die dem damaligen Diktator Adolf Hitler nicht passten. Die gerade angekommenen Menschen wurden sofort „sortiert“. Eine sogenannte Selektion, bei der entschieden wurden, wer arbeiten und wer sterben musste. Schwache, Kranke, Alte und Kinder mit ihren Müttern wurden zusammengestellt und in den Tod geschickt. Starke, Gesunde, Männer und zum Teil auch Jugendliche wurden zum Arbeiten gezwungen. In Auschwitz starben mehr als eine Million Menschen, in der gesamten NS-Zeit ungefähr sechs Millionen. Jedes Jahr am 27. Januar findet deshalb der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust statt. Das Jahr 2021 ist auch ein ganz besonderes: 1700 Jahre jüdisches Leben. Zu diesem Anlass hielt Bundespräsident Steinmeier eine Rede.

Am 20. April 1943 wird auch Esther Bejarano nach Auschwitz deportiert. Dort erhält sie die Häftlingsnummer 41948. In einem Arbeitskommando wird sie zum Steine tragen gezwungen. Das ist eine harte körperliche Arbeit, die die Häftlinge schwächt. Von Nutzen ist diese Arbeit aber nicht. Die Steine werden von der einen Seite des Feldes auf die andere Seite gebracht. Das wiederholt sich jeden Tag. Für die Nazis galt: Vernichtung durch Arbeit.

Für einige Blockälteste spielt Esther Stücke von Schubert, Bach und Mozart vor, weshalb sie zusätzlich Essen bekommt. Nach einiger Zeit schlagen die Blockältesten vor, sie in dem Mädchenorchester Auschwitz mitspielen zu lassen. In ihrer früheren Kindheit hatte Esther Klavier gespielt, doch gesucht wird eine Akkordeonspielerin, da es in Auschwitz kein Klavier gibt. In Todesangst lernt sie das Instrument innerhalb kurzer Zeit zu spielen.

Zwar ist die Verpflegung sehr schlecht, doch die Orchestermitglieder werden von der harten Arbeit verschont. Jedes Mal wenn die Häftlinge zur Arbeit aufbrechen, wird gespielt. Kommen sie am Abend zurück, muss gespielt werden. Teilweise bekommen auch nur die Offiziere Orchesterstücke vorgespielt.

Schließlich erkrankt Esther an Bauchtyphus. Mit hohem Fieber gelangt sie auf die Krankenstation, ohne Hoffnung auf Medikamente. Doch offenbar rettet sie ihre Bedeutung für das Orchester, denn Otto Moll besteht darauf, dass sie auf eine christliche Krankenstation mit medizinischer Behandlung verlegt werden soll, wo sie wieder gesund wird.

Otto Moll spielte im Lager eine wichtige Rolle. Als deutscher SS-Hauptscharführer und Chef der Gaskammern und Krematorien, wo Menschen mit Cyklon B vergast wurden, war er sehr gefürchtet und galt als brutaler Mann. Er zeichnete sich bei den Häftlingen durch einen besonderen Sadismus aus und brachte sich den Namen „Henker von Auschwitz“ ein. Von Häftlingen des Sonderkommandos wurde er „Malahamoves“ genannt, hebräisch für Todesengel. Respekt und Achtung verschaffte er sich auch durch das wahllose Erschießen von Häftlingen beim Ankommen der Transporte.

Esther kommt schließlich wieder zurück in das Orchester, doch als eine bessere Akkordeonspielerin auftaucht, übernimmt sie die Blockflöte.

Eines Morgens werden Häftlinge mit „arischem Blut in ihren Adern“ mitgenommen und sollen verlegt werden, so auch Esther. Es fällt ihr schwer, ihre Mithäftlinge zu verlassen, doch ihre Freundin versichert ihr, dass sie diejenige ist, die überleben muss, um der Welt von den grausamen Geschehen zu berichten, damit so etwas nie wieder geschieht.

Esther wird mit 70 weiteren Frauen ins KZ im brandenburgischen Ravensbrück gebracht. Dort arbeitet sie in den Siemens-Werken.

Im April 1945 dringt die Rote Armee immer weiter vor und als klar wird, dass es für die Nazis keine Chance mehr gibt, zwingen sie die Insassen, einen Todesmarsch ins mecklenburgische Malchow anzutreten. Auch das überlebt Esther.

Seit ihrer Befreiung setzt sich Esther gegen Rechtsextremismus ein. Sie berichtet in Schulen, macht bei Demonstrationen gegen Neonazis mit und schrieb über ihr Leben gemeinsam mit zwei anderen Autorinnen Bücher, damit nie vergessen wird, was geschah.

Ihr habt keine Schuld an dieser Zeit. Aber ihr macht euch schuldig, wenn ihr nichts über diese Zeit wissen wollt. Ihr müsst alles wissen, was damals geschah. Und warum es geschah.

– Esther Bejarano –

Quellen:

https://www.ndr.de/geschichte/koepfe/Bejarano-Auschwitz-Ueberlebende-kaempft-gegen-Nazis,bejarano150.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Moll

http://www.tenhumbergreinhard.de/1933-1945-taeter-und-mitlaeufer/1933-1945-biografien-m/moll-otto.html

https://www.kindernetz.de/sendungen/der-krieg-und-ich/esther-bejarano-wie-sie-das-konzentrationslager-ueberlebt-hat-102.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Esther_Bejarano#Zitate

2 Kommentare zu „Esther Bejarano – ein Opfer des Nationalsozialismus

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