„Schüler – Allein zu Haus“

Wir sind gesund, oder? Wer weiß, ob wir uns nicht vielleicht doch schon mit dem Virus infiziert hatten? Vielleicht haben wir es einfach nicht bemerkt? Aber selbst wenn, uns geht es gut, und das ist doch die Hauptsache. Jedenfalls körperlich, denn im Homeschooling bleibt viel mehr Zeit für Sport an der frischen Luft und eine gesündere Ernährung. Dennoch: es ist nicht alles Gold, was glänzt. Im Biologieunterricht haben wir Folgendes gelernt: „Die „Gesundheit“ ist ein Zustand des menschlichen Körpers, der vollkommenes Wohlbefinden umschreibt. Das Wohlbefinden bezieht sich gleichermaßen auf körperliche, soziale und geistige Aspekte.“ Körperlich sind wir also gesund, aber was ist mit sozialer und geistiger Gesundheit?

Vermissen – sich mit Bedauern bewusst sein, dass etwas nicht mehr zur Verfügung steht, und dies als persönlichen Mangel empfinden. So lautet jedenfalls die Definition. Aber mal ehrlich, „sich mit Bedauern bewusst sein“ ist doch eigentlich der falsche Ausdruck für etwas, dass uns besonders wichtig, aber aufgrund von gewissen Umständen nicht mehr möglich ist, oder?

Die „Gewissen Umstände“ sind momentan wohl die Beschränkungen und Maßnahmen gegen Corona und unser aller Feind. Wir vermissen es, spontan zu sein. Sich einfach mit Freunden treffen zu können und spontan ein Eis zu essen oder Shoppen zu gehen, ohne vorher zu überlegen, ob wir Masken dabei haben oder zu viele Personen sind. Wir vermissen das Fußballtraining und die Spiele am Wochenende. Wir vermissen den Urlaub in den Ferien. Und wir vermissen die Schule. Wer hätte gedacht, dass wir das mal sagen würden? Wir jedenfalls nicht. Aber es ist so. Wir vermissen den Kontakt zu unseren Mitschülern, die Pause mit unseren Freunden. Und vielleicht sogar ein kleines bisschen die Lehrer. Aber wir sind uns ziemlich sicher, dass wir uns nicht einfach mit ein wenig Bedauern darüber bewusst sind, dass all das nicht mehr geht. Nein, wir sind sauer! Enttäuscht! Genervt! Müde! Und vor allem gelangweilt. Aber es hilft ja nichts, da müssen wir wohl durch, genau wie jeder andere auch. Von der Regierung heißt es schließlich immer „Halten sie durch“. Also geben wir unser Bestes. Aber manchmal zweifeln wir auch. Wir vermissen den Fußball. Aber die Bundesligaprofis müssen das nicht. Deshalb fragen wir uns, warum müsse wir das dann? Klar, die Bundesliga gleicht einem Wirtschaftszweig und wir sind einfache Schülerinnen, die zu viel Langeweile haben. Aber irgendwie fühlt es sich manchmal so an, als wäre unsere Gruppe, also die Jugendlichen, einfach vergessen worden, als es darum ging, die Bevölkerung beim Umgang mit der Pandemie zu unterstützen. Die Sportler haben schließlich ihr Privileg und viele Unternehmen bekommen eine deftige Finanzspritze. Und was ist mit uns? Wir werden ins Homeschooling geschickt, auch zu unserem eigenen Schutz. Na vielen Dank auch. Es ist ja nun schließlich nicht so, dass das ein super funktionierendes Konzept ist. Wir fühlen uns vergessen und wissen jetzt endlich wie Kevin McCallister sich gefühlt haben muss.

„Kevin – Allein zu Haus“. Vermutlich einer der bekanntesten und beliebtesten Weihnachtsfilme, die es gibt. Es geht um den kleinen Kevin (8 Jahre), der an Weihnachten von seiner Familie zu Hause vergessen wird, als diese in Hektik zum Flughafen aufbricht. Er erlebt eine spannende Zeit, bis seine Eltern endlich eine Möglichkeit finden, zurückzukommen.

„Schüler – Allein zu Haus“. Eine Beschreibung der aktuellen Situation der Schüler und Schülerinnen (fast aller Altersklassen) in Deutschland. In der Weihnachtszeit wird es hektisch im Bundestag. Die Corona-Zahlen sind viel zu hoch, es muss schnell gehandelt werden, ein Lockdown folgt. Wie lange es wohl noch dauern wird, bis wir nicht mehr allein zu Haus sind und nichts mehr vermissen müssen?

Hat die Politik uns etwa tatsächlich vergessen? Wohl kaum, die Jugendlichen sind schließlich die Zukunft, oder? Aber es ändert nichts daran, dass wir uns trotzdem so fühlen. Die Tage sind ewig lang. Theoretisch viel Zeit, in der man Dinge tun könnte, zu denen man sonst nicht kommt. Aber auch wirklich nur rein theoretisch versteht sich. Denn die meisten Dinge, hat man bereits während des ersten Lockdowns erledigt, oder man hat einfach keine Lust dazu. Letzteres ist wohl die wahrscheinlichere Variante, immerhin reden wir von uns: Jugendlichen mit null Bock auf gar nichts.

Während Kevin also gegen die Einbrecher „kämpft“ und viel Spaß dabei hat, kämpfen wir (nicht besonders erfolgreich) gegen ein Wort, dessen Definition „Gefühl der Eintönigkeit infolge fehlender Anregung oder Beschäftigung“ lautet. Die Langeweile, ein grässliches Wort. Aber was will man machen? Außer Netflix und co., Büchern und der Konsole (und Sport für den ein oder anderen besonders Motivierten) sind die Möglichkeiten für Nachmittagsbeschäftigungen momentan ja eher begrenzt, werden aber schmerzlich vermisst. Man kann sich vorstellen wie unsere Freizeit, neben dem lästigen Homeschooling, aussieht, oder? Da trifft die Beschreibung „eintönig“ es schon recht gut. Tja, und während das Virus mutiert und für Ärger sorgt, bleiben wir schön zu Hause und mutieren allmählich zu Couch-Potatoes. Grandiose Aussichten für die letzen Wochen bis zum Schulstart, wann auch immer er sein mag.

Und in der Zwischenzeit wird natürlich von uns erwartet, dass wir trotz solch einem Alltag vernünftig und motiviert für die Schule lernen, am besten noch genauso effizient, als gäbe es diese Barriere gar nicht und das, ohne zu jammern, dass wir unser altes Leben vermissen. Irgendwie ist das genauso, als würde man von Kevin erwarten, dass er sich benimmt und gesund ernährt. Einfach unmöglich.

Paula Holste und Marika Münkel

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