Die Millionäre in kurzen Hosen

Trotz Lockdown Fußball-Bundesliga?

„…Es bleibt besonders wichtig, Kontakte zu vermeiden….“

So steht es in den aktuellen Beschränkungen, um das Corona-Virus einzudämmen. Ganz Deutschland befindet sich im Lockdown. Das heißt: keine Feiern, keine Restaurantbesuche, Homeoffice beziehungsweise Homeschooling und besonders wichtig: es darf sich nur ein Haushalt mit einer weiteren Person treffen. Die Regierung ruft dazu auf, sich solidarisch zu verhalten und alle Regeln und Maßnahmen zu beachten. Doch eines passt da nicht so ganz in Bild: der Profi-Sport. Wöchentlich finden Fußballspiele, Handballspiele, Wintersport-Wettkämpfe etc. statt. Wäre ja auch alles schön und gut, gäbe es da nicht die Sache mit dem Kontaktverbot. Denn es ist kaum zu übersehen, dass es sich nicht um einen einzigen Haushalt + eine weitere Person handelt, auch wenn sie alle Corona-negativ sind. Warum also finden trotz Lockdown weiterhin Fußballspiele statt, während die restliche Bevölkerung zu Hause „eingesperrt“ ist?

Die Politik selbst hat zugestimmt, dass der Profisport nicht ebenfalls auf Eis gelegt wird und weiterhin für die Unterhaltung der Bevölkerung sorgen kann. Zum einen, da der Fußball auch als Vorbild für andere Sportarten agieren kann und zum anderen, da unglaublich viele Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Dabei geht es nicht nur um die Spieler und Vereinsangestellten selber, sondern auch um die Medien, also z.B. Radio und Fernsehen. Zudem ist es auch wichtig, dass der Spielbetrieb fortgeführt wird, damit die Vereine sich auch für die internationalen Wettbewerbe qualifizieren können. Außerdem sagte Christian Seifert (DFL-Boss) selbst, dass die nationale Gesundheit natürlich Vorrang habe. Sollte es beispielsweise dazu kommen, dass es zu wenig Tests gibt, würde die Bundesliga sofort den Betrieb einstellen, um neue Kapazitäten zu schaffen.

Allerdings gibt es auch einiges, was dagegen spricht. Denn trotz der Aussage von Herrn Seifert ist es ethisch fragwürdig, dass aktuell so ein hoher Test-Verbrauch durch den Fußball vorliegt. Des Weiteren besteht auch für die Spieler und deren Familien ein Gesundheitsrisiko, welches bewusst eingegangen wird. Und auch, dass die Fußballer als Vorbilder gesehen werden sollen und sie dazu beitragen können, die Bevölkerung zu beschwichtigen, ist äußerst fragwürdig. Denn es kommt immer häufiger vor, dass die Profis verantwortungslos handeln und sich nicht an die Corona-Regeln halten. Und auch Fans missachten die Regeln. Gerade am Anfang versammelten sich Fans oft vor den Stadien, um ihre Mannschaft von außen anzufeuern und zu unterstützen.

Und dann ist da noch die Frage der Gerechtigkeit. Ist es gerecht, dass die Profisportler, teilweise mit Millionengehältern, weiterhin ihren Beruf ausüben dürfen, während es den „normalen“ Menschen, die in Kunst, Kultur und Einzelhandel beschäftigt sind, verboten wird und sie deshalb sogar finanzielle Sorgen haben müssen? Nicht wirklich. Dieses Privileg, welches der Fußball Woche für Woche genießt, sorgt bereits für Unzufriedenheit innerhalb der Bevölkerung. Apropos Privilegien: In den letzen Wochen kam immer wieder die Frage auf, ob es noch andere Privilegien für die Fußballer gebe. Warum tragen sie einen perfekten Seitenscheitel, während der Rest der Bevölkerung mit einem Wischmopp auf dem Kopf herumlaufen muss? Friseurbesuche sind eigentlich untersagt, und das sollte auch für die Sportler gelten. Dass es anscheinend nicht so ist, stiftet Unruhe. Außerdem spielt dort der Vorbild-Faktor wieder mit. Wenn sich die Fußballer nicht an die Regeln halten müssen, müssen wir das auch nicht, oder? Ebenfalls für Aufregung sorgte eine Aussage von Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandschef des FC Bayern München). Er schlug vor, der Fußball könne bei den Corona-Impfungen ja einfach einmal vorangehen. Seine Begründung: „Lässt sich beispielsweise ein Spieler des FC Bayern impfen, wächst das Vertrauen in der Bevölkerung.“ Eigentlich eine ganz kluge Überlegung, aber das sehen sehr viele Menschen anders. Es wirkt, als wollten die Spieler sich vordrängeln, auch wenn Rummenigge das abstreitet. Selbst wenn es gut gemeint ist, wäre es sehr ungerecht. Denn warum sollten kerngesunde (und junge) Sportler so schnell wie möglich geimpft werden, wenn nicht einmal alle Alten und Kranken einen Impftermin bekommen haben?

Ob Bundesliga trotz Lockdown nun eine gute Idee ist, darüber lässt sich streiten. Fakt ist, dass regelkonforme Partien wohl nur aus 2 Spielern bestehen würden. Denn es gilt ja

„….Es bleibt besonders wichtig, Kontakte zu vermeiden….“

Marika Münkel und Paula Holste

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