Liebe Grüße aus England

Seit knapp einem Monat lebe ich jetzt schon in Hastings, einem 100.000 Einwohner-Ort im Süden Englands. Und mindestens genau so lange nehme ich mir schon vor, endlich mal wieder einen Beitrag für den Blog der Eichenschule zu schreiben. Auch wenn ich mittlerweile nicht mehr am Wahlpflichtkurs Journalismus teilnehme, möchte ich trotzdem ein wenig aus England berichten. Vielleicht um andere dazu anzuregen, in der elften Klasse ebenfalls ins Ausland zu gehen oder einfach nur, um einen kleinen Einblick in meinen Alltag als Schülerin in England zu geben. 

Ich möchte an dieser Stelle direkt sagen, dass jede/r, die/der Fragen über meinen Aufenthalt oder einen Auslandsaufenthalt im Allgemeinen hat, diese gerne stellen kann, ich werde sie alle so gut es geht gerne beantworten! 

Meine Reise nach England startet nicht am 3. Januar, der Tag, an dem ich in den Flieger gestiegen bin. Sie startet auch nicht, als ich drei Wochen vor meinem Abflug endlich meine Gastfamilie bekomme. Sie startet schon damit, dass ich mich im Herbst 2019 dazu entschließe, für ein halbes Jahr nach Kanada zu reisen. 

Für eine Organisation habe ich mich zu dem Zeitpunkt schon entschieden: „Do it! Sprachreisen“ aus Hamburg. Ein familiäres und bemühtes Unternehmen mit sehr freundlichen und hilfsbereiten MitarbeiterInnen. Anfang Juni, nach geschriebener Bewerbung und Bestätigung meines Platzes durch die kanadische Schule, bekomme ich eine sehr nette Gastfamilie zugeteilt, zu der ich sofort Kontakt aufnehme. Obwohl wir in Deutschland zu diesem Zeitpunkt bereits durch den ersten Corona Lockdown durch sind, ist es sehr unsicher, ob Kanada die Grenzen für deutsche Austauschschüler Ende August, zu meinem geplanten Abflug, öffnet. 

Allein die Tatsache, dass ich aus England schreibe und nicht aus Kanada, verrät wohl, dass die Grenzen geschlossen geblieben sind. 

Und nun sitze ich hier, in dem wunderschönen Küstenort Hastings und muss feststellen, dass England ein sehr schöner Kanada-Ersatz ist. Als klar war, dass ich 2020 nicht mehr nach Kanada kommen würde, habe ich mich dazu entschieden, meinen Auslandsaufenthalt auf 2021 zu verlegen. England schien deutlich sicherer als Kanada, die USA oder sonstige nicht-europäische Ziele. Also fing ich wieder an, Bewerbungen zu schreiben, meine Fächer zu wählen und auf meine Gastfamilie zu warten. 

Bei einem Auslandsaufenthalt denken viele an die USA, Kanada, Neuseeland, Australien. England oder auch Irland sind die weniger beliebten Ziele bei SchülerInnen. Ist natürlich auch wahnsinnig spannend, um den halben Globus zu fliegen und dort an Orte zu gelangen, die so ganz anders als das sind, was man von zuhause kennt. 

Aber für alle, die auch offen dafür sind, einen Auslandsaufenthalt in Europa zu machen, kann ich nur sagen, dass England mir bisher sehr gut gefällt und ich es sehr empfehlen kann, seinen Auslandsaufenthalt hier zu machen. 

Aber nun mehr zu meiner bisherigen Zeit. Der Flug war aufregend, ich bin alleine geflogen, wegen Corona ohne eine Reisegruppe. Mein Flug ging nachmittags aus Hamburg und ich bin in London Heathrow gelandet. Dieser Flughafen ist riesig! Als ich aus dem langen Tunnel, der einen aus dem Flugzeug zum Flughafengebäude bringt, herauskam, packte mich ein wenig die Panik: Wo muss ich hin? Baggage heißt Gepäck, das weißt du. Lieber nochmal alle Schilder in den Google Übersetzer eintippen? 

Die Panik war unbegründet, es lief alles glatt und als ich abends bei meiner Gastfamilie nach einer zweistündigen Fahrt mit dem Taxi ankam, wurde ich herzlich empfangen. Wir tranken direkt einen Tee zusammen, typisch englisch. 

Zu diesem Zeitpunkt war in England geplant, den Präsenzunterricht in den Schulen am 18. Januar zu starten. Dieser Zeitpunkt wäre nach 14 Tagen Quarantäne, in die ich mich begeben musste, optimal für mich, ich wäre gerade durch gewesen. Als zwei Tage nach meiner Ankunft verkündet wurde, dass die Schulen bis Mitte Februar geschlossen bleiben würden, war das unerwartet und auch gar nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. 

Heute, am zweiten Februar, habe ich einen Monat Lockdown in einem fremden Land mit Online Unterricht und Kontakt Verboten gut überstanden. Ich möchte nichts beschönigen, es ist ab und zu schwierig, den Kopf oben zu halten und positiv zu bleiben. Aber ich finde, ich bin daran gewachsen. Ich gehe drei mal die Woche am Meer joggen und mindestens einmal am Tag spazieren. Ich hole mir eine heiße Schokolade im Café im Park neben unserem Haus oder einen Kaffee in der Altstadt. Ich mache Filmabende mit meiner Gastschwester, treffe mich mit meiner neuen Freundin, ebenfalls eine Austauschschülerin aus der Slowakei. Ich telefoniere mit meinen Freunden aus Deutschland und schreibe meine Gedanken in ein Tagebuch. Ich habe bereits 4 Bücher durchgelesen und eine Serie durchgeschaut. 

Und, wer hätte es gedacht, der Online Unterricht ist hier super spannend! 

Ich habe hier die Kurse Psychologie, Fotografie und Wirtschaft belegt. Eine vielleicht fragwürdige Kombination, die allerdings genau meinen Interessen entspricht. Die LehrerInnen, die wir übrigens beim Vornamen ansprechen, sind sehr darum bemüht, dass es allen SchülerInnen im Lockdown mental gut geht und jede/r mitkommt. Das Lehrer-Schüler-Verhältnis ist sehr gut und der Unterricht ist interessant und interaktiv gestaltet. 

Ich komme gut mit meiner Gastfamilie zurecht und habe mittlerweile einen Tagesrhythmus gefunden, in dem ich zufrieden und beschäftigt bin. Der Lockdown wurde nochmals bis zum 7. März verlängert. Das heißt für mich also, dass ich noch ein wenig mehr als einen Monat durchhalten muss, bis ich endlich in die Schule gehen kann. Doch momentan bin ich sehr zuversichtlich, dass ich auch diese Zeit noch gut meistern werde.

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