Adventskalender Türchen 11: Wie geht es deiner Seele? von Anna Prigge

Wie geht es deiner Seele?
Die Welt, verschwommen durch eine Brille, die sich „Corona“ nennt. Die Sehstärke schwankt wie eine Boje im aufgewühlten Meer.

0,1 Dioptrien: Ein Virus breitet sich in China aus.
„Es scheint ganz schön aggressiv zu sein. Gut, dass es so weit weg ist.“

0,2 Dioptrien: Erste bestätigte Fälle in Deutschland.
„Puh, wie konnten die überhaupt noch hier einreisen? Das kann doch nicht wahr sein.“

1 Dioptrien: Krise in Italien.
„Krass, was da alles passiert. Die armen Menschen. Hoffentlich bleibt uns das vom Hals.“

5 Dioptrien: Lockdown. Alle Schulen schließen.
„Hilfe! Jetzt kann ich niemanden mehr sehen. Das überlebt man doch keine drei Wochen! Ich muss den ganzen Tag telefonieren. Reicht mein Einkauf im Notfall überhaupt als Vorrat?“

4 Dioptrien: Die Zahlen gehen zurück, Gottesdienste und kleinere Treffen sind wieder erlaubt. „Endlich. Meine Freunde kann ich wieder außerhalb der Schule sehen. Aber was, wenn einer Corona hat? So viel Verantwortung. Immer macht einem die Welt so ein schlechtes Gewissen, wenn man jemanden trifft.“

7 Dioptrien: Freizeiten werden abgesagt.
„Mein Leben ist vorbei, der Sommer ist im Eimer und meine Jugend verschenkt.“

3 Dioptrien: Es gibt alternative Sommeraktivitäten. Der Urlaub darf stattfinden. „Lichtblick. Ich kann abschalten. Alles fühlt sich schon fast wieder normal an.“

1 Dioptrie: Schule findet normal statt. Zehn Personen dürfen sich treffen.
„Die Verantwortung im Hinterkopf ist belastend, aber die Normalität ist wirklich erfrischend.“

6 Dioptrien: Noch ein Lockdown. Dieses Mal „light“.
„Irgendwie ist das alles nicht so effektiv und trotzdem total anstrengend. So viele Menschen, Verwandte, Bekannte, die man nicht einfach so eins zu eins trifft. Man merkt so sehr, wem man wirklich etwas bedeutet.“

Ich könnte noch so lange so weiterschreiben, doch eins zum Schluss:
„Liebes“ Coronavirus,
mit einer Sehschwäche kann ich leben, wenn es auch wirklich hart ist. Aber eine Bitte habe ich: Mach‘ mich bitte, bitte nicht blind.

Ein Beitrag von Anna Prigge

Veröffentlicht von Drea Voe

Lehrerin an der Eichenschule in Scheeßel

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