Adventskalender Türchen Nr.3: April 2020 vs. November 2020

März/April 2020:

Corona-Virus bei Menschen, was soll das denn jetzt schon wieder sein? So oder so ähnlich ging es mir, als ich das erste Mal etwas davon gehört habe und war ein wenig verwirrt. Ich kannte das Virus nur bei Kälbern von dem Bauernhof meines Onkels. Aber bei Menschen?

Nach ein paar Tagen hatte ich mich bereits daran gewöhnt, dieses Thema jeden Tag in den Nachrichten zu finden. Doch ich ging nicht davon aus, dass das Virus auch hier bei uns relativ schnell zu einem Stillstand führen würde. Es hieß schließlich immer: „Wir sind gut vorbereitet“. In der Schule lief es auch nicht viel anders als bisher. Man achtete zwar darauf in den Arm zu niesen oder zu husten und wusch sich vielleicht einmal öfter die Hände, aber sonst war kaum ein Unterschied zu erkennen. Das Abstandhalten bei so vielen Schülern gestaltete sich dann auch etwas schwierig.

Corona kam immer näher, Alltagsmasken und Desinfektionsmittel waren ausverkauft. Krankenhäuser wurden beklaut, aber: „Wir sind gut vorbereitet“, oder vielleicht doch nicht?Man wollte, dass sich sich alle schützen, nur wie soll das gehen, wenn man nicht einmal Desinfektionsmittel bekommt? Und plötzlich waren auch Klopapier und Nudeln verschwunden. Konnte man sich damit etwa auch vor dem Virus schützen?

Plötzlich hörte man von Schulschließungen in Niedersachsen. Wir waren gerade im Biologieunterricht, als wir davon erfuhren. Der Raum war bereits aufgeräumt und alle schauten gespannt nach vorne, wo unser Lehrer auf seinem iPad nachsah. Als er dann die Schulschließung bis zum 19.April verkündete, brachen wir alle mehr oder weniger in Jubel aus. Fünf Wochen keine Schule, jedenfalls fast nicht. In der großen Pause merkte man, dass sich ein Großteil der Schüler und Schülerinnen freute und andauernd hieß es: „Habt ihr schon gehört?“ Und auch das Wort „Sommerferien 2.0“ war das ein oder andere Mal zu hören. Doch teilweise waren da auch Unsicherheiten. Ist es jetzt doch schon so schlimm, dass die Schulen geschlossen werden müssen?

Die erste Woche im Homeschooling war entspannt. Man konnte lange schlafen und es gab erst wenige Aufgaben zu erledigen. Einige Lehrer verzichteten sogar ganz darauf, es war ja erstmal nur vorübergehend. Auch Woche Nummer zwei lief sehr entspannt ab und ich freute mich wirklich über die freie Zeit. Dann waren auch schon Ferien. Bisher hatte man bei uns „auf dem Land“ kaum etwas gemerkt, nur anhand der leeren Supermarktregale war ein Unterschied zu erkennen. Doch mit Beginn der Ferien traten noch mehr Unterschiede auf. Wenn man sonst in den Urlaub oder Freizeitparks gefahren war, begnügte man sich nun mit Gesellschaftsspielen im Garten. Anstatt etwas mit Freundinnen zu unternehmen, sah man sie, wenn überhaupt, nur über Videoanruf, und verbrachte Zeit mit den nervigen Geschwistern. Und auch Ostern konnte nicht wie gewohnt gefeiert werden. Mit der Zeit konnte ich immer mehr Nachteile erkennen: die Konfirmation fiel aus, abends wurde um das Fernsehprogramm gestritten, der Kontakt mit der Familie riss langsam ab, die Routen zum Joggen und für Spaziergänge wurden langweilig….

Ich vermisste die Schule und hätte nicht gedacht, dass ich das mal sagen würde. Endlich näherte sich der 20.April. Doch plötzlich hieß es für meinen Jahrgang „Unterrichtsbeginn: Ende Mai/Anfang Juni“. Na toll!

Die Tage wurden eintönig: aufstehen, frühstücken, Sport machen, Aufgaben erledigen, Mittag essen, Aufgaben erledigen, im Haushalt/Garten helfen, Abend essen, Bücher/Netflix/…, ins Bett gehen. Am nächsten Tag dasselbe nochmal. Ab und zu mal etwas Backen oder Kochen, oder eine Radtour zur Familie, um wenigstens von weitem Hallo sagen zu können. Aber sonst: Langeweile!Bleibt nur Hoffnung auf Besserung, aber Corona wird wohl noch eine ganze Weile dauern, jetzt wo es so schlimm zu sein scheint, dass eine Maskenpflicht gebraucht wird, um sich und andere zu schützen.

Die Nachrichten bestehen zu 2/3 aus Meldungen zur Corona-Krise. Wie viele neue Fälle gibt es? Wie viele Tote? Welcher Konzern steht kurz vor der Insolvenz? Wie lange dauert es noch? Welcher Wissenschaftler hat sich geäußert und vor einem Horrorszenario, das bei Lockerung der Vorschriften eintreten soll, gewarnt?

So wie es aussieht, steuern wir wohl auf dieses Szenario zu, denn die Vorschriften werden bereits von vielen nicht mehr ernst genommen. Was ich durchaus verstehen kann. Wenn man in einer Großstadt eine Vier-Zimmer-Wohnung im sechsten Stock mit zwei Kindern und einer Katze bewohnt, ist es vielleicht nicht immer so einfach „einfach“ zu Hause zu bleiben. Zum Glück leben wir auf dem Land und haben einen großen Garten.

Hoffentlich ist das alles bald vorbei.

7 Monate später (November 2020):

Vorbei?

Das Homeschooling? ja

Corona? nicht einmal annähernd

Die Schule läuft im Gegensatz zu April wieder normal. Aber etwas anderes hat sich grundlegend geändert. Während man damals noch glaubte, dass nach einem halben Jahr wieder alles normal ist, weiß man jetzt, dass dieses fiese Virus uns noch eine ganze Weile begleiten wird. Im Frühjahr wurde man von dem Thema förmlich erschlagen. Überall wurde gewarnt und die Zahlen stiegen. Aber irgendwie fühlte es sich so an, als ob man es nur als Beobachter miterlebt. Man kannte niemanden, der sich mit Covid-19 infiziert hatte oder sich in Quarantäne begeben musste. Jetzt hört man von immer mehr Infizierten oder Kontaktpersonen, die in Quarantäne mussten. Auch an unserer Schule gab es den ein oder anderen Fall. Oder sind es nur Gerüchte? Manchmal weiß man gar nicht, welche Aussage nun eigentlich stimmt.

Zu Beginn waren wir noch Zuschauer und Corona war nah, aber dennoch weit entfernt. Doch jetzt sind wir mittendrin im Geschehen und werden ziemlich eingeengt. Natürlich stellt sich uns die Frage, wie es jetzt weiter geht? Jede Woche neue Beschlüsse, Regeln überschneiden sich und es gibt große Verwirrungen. Niemand weiß noch, was aktuell gilt: jeder Landkreis hat seine eigenen Bestimmungen und die Grenze zwischen Regel und Empfehlung verschwimmt.

Wie es weitergeht, weiß keiner. Bleibt nur die Hoffnung auf einen Impfstoff und der Appell an die Einhaltung der Maßnahmen.

Marika und Paula

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