„TU WAS!!“

Zeit ist wie ein Fluss mit starker Strömung, er reißt einen mit, ist nicht anzuhalten und es gibt die ein oder andere Stromschnelle. Und was noch viel wichtiger ist: zurück geht nicht!

In unserer heutigen „Zeit“ ist Effektivität alles. Nutze deine Zeit so, dass du so viel wie möglich schaffst. Herumsitzen und Nichtstun wird nicht gerne gesehen. Je mehr, desto besser!

Zeit ist Geld! Und was sie nicht alles sagen, um einen vom Sofa hochzuscheuchen. Mir persönlich stellt sich dann meist die Frage „Wieso?!“. Ist das „wer ich bin“ davon abhängig, wie viel ich leiste und wie effektiv ich meine Zeit nutze oder bin ich schon wer, ohne überhaupt etwas geleistet zu haben? Definiere ich mich und meinen Wert über meinen Besitz, Freunde, Noten oder Geld?!

Und dann ist da noch der Punkt mit der Effektivität. Mein persönliches Problem dabei ist, dass wenn ich versuche, so effektiv wie möglich zu sein, ich immer die Hälfte von dem, was ich eigentlich schaffen wollte, vergesse. Und ist es nicht so, dass wenn man so viel schaffen möchte wie irgendwie möglich,  man nicht mehr dazu kommt den Moment zu genießen?

Tick tack, die Zeit rennt und wir versuchen hinterher zu kommen. Aber verlieren wir dabei nicht auch etwas oder bleibt etwas auf der Stecke?

Ich kenne es auch aus meinen Umfeld, dass viele sich dadurch identifizieren, wie viel und hart sie arbeiten und was sie alles an einem Tag schaffen.

Aber wieso? Sind wir nur das, was wir arbeiten? Und wer schreibt uns vor ,wie viel wir arbeiten müssen? Die Gesellschaft?

Hans Rusinek äußerte sich am 12. November zu genau diesem Thema in einem Interview beim DLF Kultur. „Was machst du so?“, sei eine der erst gestellten  Fragen in einem Gespräch. Also bist du in unserer Gesellschaft, was du arbeitest und Arbeit oder Schule sind ein wichtiger Teil unserer Identität  … aber ist das alles, was du bist? (Und übrigens Ehrenämter und der Haushalt werden als Antwort auf diese Frage als  keine Arbeit gewertet!!) Ich glaube, in diesem Punkt würden viele widersprechen. Der Haken an der Sache ist, dass die meisten  von ihrer Arbeit nicht mehr erfüllt werden, sie beuten sich selbst aus und verkümmern darunter. Ihr Leben hat keinen Sinn mehr. 

Was nach einem gordischen Knoten aussieht, hat laut Hans Rusinek eine fast schon simple Lösung:

Hybridarbeit… und nein, es hat nichts mit erneuerbaren Energien zu tun. Mit Hybridarbeit soll dem Leben wieder ein Sinn gegeben werden, dadurch dass man sein Leben nicht mehr nur einer Tätigkeit widmet, sondern  zum Beispiel nebenher  fotografiert,  nicht nur Schüler, sondern auch noch Autor ist, nicht nur Hausmeister, sondern auch Feuerwehrmann oder nicht nur Lehrer, sondern auch Musiker.

Habe nicht nur ein Sinn durch deine Arbeit, sondern gib deiner Arbeit einen Sinn.

Also solltest du dir die Frage stellen, „Was bist du ohne deine Arbeit/Schule?“.

Auch Erich Fromm hat sich mit dem Thema unserer Existenz und unseren Werten auseinandergesetzt und ist zu dem Schluss gekommen, dass man bei Menschen zwischen Haben- und Sein-Menschen unterscheiden kann.

Ein Mensch des „Habens“ orientiert sich am Besitz, den er oder andere haben. Zum Besitz könnten Freunde, Reichtum, Kunst, Glauben oder das „Ich“ empfunden werden. Und der Mensch des „Habens“ strebt ausschließlich danach, seinen Besitz zu vergrößern. Hierbei beschreibt der Autor unsere Überflussgesellschaft.

Dabei merkt Fromm an, dass wenn Haben das Ziel ist, das jeder verfolgt,  die Menschen neidisch, ängstlich und betrügerisch werden, weil sie ihren Besitz verteidigen oder mehren wollen.

Und das letztendlich nicht dem Menschen der Besitz gehört, sondern der Mensch dem Besitz, da dieser so abhängig von ihm sei.

Der Mensch des „Seins“ hingegen stehe nicht nur dem Haben gegenüber, sondern sei auch die Demaskierung des Scheins, denn der Schein könne trügen, das Sein aber nicht.

In der Einstellung der Sein-Menschen spiele Besitz keine Rolle.

Beispielsweise beim Lernen ist es laut Erich Fromm so, dass der Mensch des Habens sich so viel Wissen wie möglich aneignen wollen, um eine Prüfung zu bestehen, während der Mensch des Seins durch Zuhören und Verstehen das Thema begreifen möchte. 

Also was denkst du, was du bis? Ein Haben- oder ein Sein-Mensch?

Ich glaube, jeder muss für sich selbst ein Gleichgewicht zwischen Leistung und im Moment-Leben finden, so dass er mit sich selbst zufrieden ist. Denn auch, wenn es verlockend ist, den ganzen Tag auf dem Sofa zu sitzen, kann es weder dein späteres Leben finanzieren noch dich deinen Träumen näher bringen. Und im Punkto Effektivität musst du entscheiden, ob du im Strom der Zeit ertrinken willst oder anfängst zu schwimmen.

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