Umweltbilanz #1

„A New Hope“

Sieben Wochen ist es nun her, dass die Bewegung „Fridays for Future“ das erste Mal wieder auf die Straße gegangen ist, um für ihre Ziele zu demonstrieren. Doch was ist seit dem geschehen? Hat der Protest etwas bewirkt? Denn auch, wenn viele „Fridays for Future“ kritisch sehen, gibt es in der Bevölkerung insgesamt eine hohe Unterstützung für den Umweltschutz. Immer mehr Bürger sehen ein, wie wichtig Umweltschutz auch für sie ist und dass es so nicht weitergehen kann, ohne den Planeten zu zerstören. Bei den derzeitigen Wahlen, nicht nur in Deutschland (Kommunalwahlen NRW), sondern auch z.B. in Amerika, ist Umweltschutz eines der zentralen Themen. So war Umweltschutz einer der Gründe, warum Biden in Kalifornien klar gewonnen hat, denn ganze 64% der Stimmen gingen an Biden und Harris, was nach den verheerenden Bränden in Kalifornien dieses Jahr auch mehr als verständlich ist. Und auch bei den Kommunalwahlen in NRW legten die Grünen stark zu, ein Zuwachs von 8,4% war zu verzeichnen. Diese Erkenntnis vieler Bürger ist natürlich schon einmal ein Sieg, jedoch müssen der Forderung vieler Bürger nach mehr Umwelt- und Naturschutz auch politische Entscheidungen und Veränderungen folgen. In dieser und den im Abstand von einem Monat erscheinenden Umweltbilanzen werden die Erfolge und Misserfolge für den Natur- und Umweltschutz vorgestellt und eine Bilanz gezogen. Waren diese sieben Wochen seit dem Klimastreik nun erfolgreich oder nicht?

Zuerst gibt es einen großen Sieg für alle Umweltschützer weltweit, denn mit dem stark prognostizierten Sieg von Joe Biden und Kamala Harris kann nicht nur die Demokratie Amerikas aufatmen, sondern auch der Umweltschutz. Nicht nur, dass es unter Trump gar keinen Umweltschutz gegeben hätte, sondern auch, dass Klimaschutz für Biden ein sehr wichtiges Thema ist und er einen umfangreichen Klimaschutz-Plan für Amerika hat. Mit fast 2 Milliarden Dollar in den nächsten Jahren möchte er Amerika um einiges umweltfreundlicher machen und am 1. Tag seiner Amtszeit möchte er den Wiedereintritt in das Pariser Klimaabkommen einleiten. Er hat noch viel mehr Ziele, aber es bleibt natürlich abzuwarten, was nur Wahlversprechen sind und welche Ziele wirklich umgesetzt werden. Neben dem wohl größten Erfolg der letzten sieben Wochen gab es auch (oder nur) eine weitere Meldung:

So kündigte der größte Schwedische Ölkonzern Preem am 28.09.2020 an, den Ausbau einer seiner Öl-Großraffinerien zu stoppen. Zuvor gab es gegen den Ausbau Widerstand von Greenpeace, diese hatten zuvor 72 Stunden lang die Raffinerie mithilfe eines ihrer Segelschiffe blockiert. Ob es nun der Protest oder die drohenden wirtschaftlichen Veränderungen durch erneuerbare Energien waren, die Preem zum Überdenken ihrer Pläne gebracht haben, ein Sieg ist es allemal.

Einen Misserfolg gab es jedoch in Hessen, wo auch nach einem mehrjährigen Protest gegen den Ausbau der Autobahn A49 (Kassel bis Gießen) jetzt im Dannenröder Forst und dem Herrenwald die ersten Bäume gefällt wurden. Der Plan für diese Autobahn existiert schon seit mehreren Jahrzehnten und passt natürlich absolut nicht zu den Umwelt- und Klimazielen Deutschlands. Umso verwunderlicher ist es, dass ausgerechnet die Grünen für den Ausbau der A49 gestimmt haben, die durch drei gesunde Wälder führen soll und das gesunde Trinkwasser von 500.000 Menschen gefährden könnte. Besonders im Dannenröder Forst, wo zum Teil 300 Jahre alte Buchen stehen, sei dies unakzeptabel, so viele Demonstranten. Der Protest ist groß, nicht nur, dass viele verschiedene Demonstrationen vor Ort stattfinden, sondern auch, dass viele Barrikaden gegen die Bauarbeiten aufgestellt wurden/werden und Protestierende sich in lebensgefährliche Höhen in die Bäume hängen, damit die Arbeiten gestoppt oder verlangsamt werden. Vor wenigen Wochen startete die Räumung des Waldes mithilfe von Dutzenden Polizisten. Doch trotz zahlreicher Festnahmen und Räumungen von Barrikaden brachte es nichts, nur wenige Bäume konnten bis jetzt gefällt werden. Diese Art von Protest ist natürlich sehr radikal und auch kurzsichtig, es zeigt aber wie groß die Wut über den Ausbau von Autobahnen ist. Eventuell wird die Politik von Hessen oder auch die Bundesregierung daraus etwas lernen und für die Zukunft andere Wege einschlagen, denn die Tage für diese beiden Wälder scheinen fast gezählt und wenn schon eine Autobahn gebaut wird, sollte man das Gespräch mit beiden Seiten suchen, damit der beste Weg ohne große Proteste entsteht. Es wird auf jeden Fall spannend bleiben.

Doch was ist nun die Bilanz? Hat sich nun insgesamt etwas zum Positiven oder zum Negativen entwickelt? Es hat sich meiner Meinung nach etwas zum Positiven entwickelt, denn natürlich ist es sehr negativ, dass dem A49 Bauprojekt die letzten Steine aus dem Weg genommen werden, jedoch ist der Sieg von Biden und Harris und die Hoffnung auf ein umweltfreundlicheres Amerika so wichtig, dass dies überwiegt. Und auch Preem oder vielmehr die Entscheidung, die Großraffinerie nicht weiter auszubauen, trägt zum Ergebnis bei. Die erste Umweltbilanz ist also ziemlich positiv, doch werden erst die nächsten vier Jahre entscheiden können, ob die Hoffnung auf Biden wirklich berechtigt war.

Von Magnus Leever

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