Serienempfehlung „American Horror Story“: „If you look into the face of evil, evil’s gonna look right back at you”

Obwohl ich vorher etwas Angst vor „American Horror Story“ hatte, habe ich in den Corona-Ferien angefangen, die Serie auf Netflix zu schauen. Die Horror Serie von 2011 hat momentan neun Staffeln, eine zehnte kommt nächstes Jahr heraus und es wird zurzeit an einem Spin-off namens „American Horror Stories“ gearbeitet. Jede Staffel erzählt dabei eine in sich abgeschlossene Geschichte, sodass die Staffeln eigentlich nicht miteinander verbunden sind. Allerdings gibt es kleine Überschneidungen zu anderen Staffeln. Staffel 1 hat z. B. Verbindungen zu Staffel 5 und 8, viele Charaktere aus weiteren Staffeln (z. B. Staffel 6, Staffel 7) haben des Weiteren Interviews mit Lana Winters aus Staffel 2. Oft gibt es eine ähnliche oder gleiche Besetzung, was sehr besonders und speziell ist, wobei die Schauspieler oft ganz andere Charaktere verkörpern, aber natürlich auch alte Bekannte aus den vorherigen Staffeln wieder auftauchen. Manchmal kommt es auch vor, dass ein Schauspieler in einer Staffel mehrere Charaktere spielt. So z. B. Evan Peters in Staffel 7, der sieben Charaktere, darunter fünf verschiedene Sektenführer, spielt. Zudem weichen die Handlungsorte und Zeiten der einzelnen Staffeln stark voneinander ab.

Staffel 1 „Murder House“ spielt in der heutigen Zeit und erzählt die Geschichte der Familie Harmon, die in der Hoffnung auf einen Neuanfang in ein altes Haus in LA zieht. Doch bald ereignen sich seltsame Dinge. Die Tochter der Familie, Violet (Taissa Farmiga), freundet sich mit Tate (Evan Peters) an, der bei ihrem Vater Ben (Dylan McDermott), einem Psychiater, in Behandlung ist. Im Haus tauchen immer wieder die Nachbarn Constance Langdon (Jessica Lange) und ihre Tochter (Jamie Brewer) auf und auch weitere ungebetene Gäste treiben ihr Unwesen. Mit der Zeit findet man heraus, dass das Haus eine grausame Vergangenheit hat, alle Vorbesitzer sind tot, Vivien Harmon (Connie Britton), die Mutter der Familie ist schwanger und muss in die Psychiatrie, immer wieder taucht ein gewisser Latexmann im Haus auf. Außerdem lebt irgendein gruseliges Wesen im Keller, Constance hat grausige Geheimnisse, Ben hat sexuelle Fantasien von dem Hausmädchen und eine schwangere Affäre an den Fersen. Die erste Staffel ist aus meiner Sicht gruselig, vor allem wegen der grausigen Kreaturen und der Taten der Charaktere. Leider wusste ich vor dem Schauen schon sehr viel über die Handlung, weshalb mich die Twists nicht überraschten, was ich schade finde, da die Handlung der ersten Staffel faszinierend verworren ist.

Während die erste Staffel vor allem gruselig ist, durch Jumpscares, sowie durch einschüchternde und hinterhältige Charaktere, spielt die zweite Staffel „Asylum“ deutlich mehr mit der Psyche, was passend ist, da die Handlung in einer Psychiatrie im Jahr 1964 spielt. Lana Winters (Sarah Paulson), eine Journalistin, ist vor Ort, um über den berüchtigten Killer „Bloody Face“, vermeintlich Kit Walker (Evan Peters), zu schreiben, der in diese Klinik eingeliefert worden war. Doch dieser ist nicht der einzige Mörder. Der Klinikarzt, Dr. Arden (James Cromwell) hat Leichen im Keller, im Wald um die Psychiatrie lauern zombieähnliche Kreaturen, die sonst so naive und schüchterne Schwester Mary Eunice (Lily Rabe) wird plötzlich zu einer ganz anderen Person, Lana Winters wird auf einmal selbst eingewiesen, weil sie homosexuell ist, Schwester Jude (Jessica Lange) ist alkoholsüchtig und hat eine ereignisreiche Vergangenheit, Kit ist eigentlich nett und hilfsbereit, freundet sich mit Lana an und wird von Aliens verfolgt. Doch hat er vielleicht Hintergedanken? Die zweite Staffel ist sehr fesselnd und mitreißend, da man in der Erzählung immer wieder auf die falsche Fährte geführt wird und es viele Twists und Charakterentwicklungen gibt, die man nicht vorhersehen kann.

Die dritte Staffel „Coven“ spielt wiederum in der heutigen Zeit und dreht sich um einen Hexenzirkel in New Orleans. Zoe Benson (Taissa Farmiga) tritt diesem nach einem unglücklichen Zwischenfall mit ihrem Freund bei. Mitglieder sind die Leiterin des Internats, in dem die Hexen wohnen, Cordelia (Sarah Paulson), die egoistische Schauspielerin Madison (Emma Roberts), die menschliche Voodoo Puppe Queenie (Gabourey Sidibe) und die hellsichtige Nan (Jamie Brewer). Nach kurzer Zeit lernt Zoe auch schon die Oberste (eine Hexe, die Stärker als alle anderen ist und deshalb das Sagen hat) des Zirkels kennen, Fiona (Jessica Lange), Cordelias Mutter. Diese will ihre Nachfolgerin finden und dann töten, weil sie nicht sterben will (wenn eine neue Oberste ihre Fähigkeiten entwickelt, stirbt die alte Oberste langsam). Nachdem Madison auf einer Party von Studenten vergewaltigt wird, lässt sie den Bus der Verbindungsbrüder in die Luft fliegen, wobei auch Zoes Bekanntschaft (Evan Peters) stirbt. Diese belebt ihn wieder, doch ist er nicht wie zuvor. Fiona befreit die sadistische und rassistische Massenmörderin Delphine LaLaurie (Kathy Bates) und die Feinde des Zirkels wollen diesen vernichten: auf der einen Seite die Voodoo Hexen, die die langjährige Fehde zwischen den Zirkeln gewaltsam beenden wollen und auf der anderen die Hexenjäger, die den Zirkeln gefährlich nah stehen. Zudem will sich die Voodoo Königin, Marie Laveau (Angela Bassett) bei LaLaurie rächen. Cordelia sucht nach der neuen Obersten, um sie vor ihrer Mutter zu schützen. Alle haben ihre eigenen Probleme, die sie versuchen zu regeln und zusammen müssen sie gegen ihre Feinde kämpfen. Die dritte Staffel ist ganz anders als die ersten beiden, da sie nicht so gruselig ist, sondern eher spannend, aber erzählerisch insgesamt nicht ganz so stark wie die beiden anderen Staffeln.

In der vierten Staffel „Freak Show“ geht es um eine Freak Show in Florida um 1952, die langsam immer mehr Darsteller durch den Tod verliert. Die Leiterin der Show, Elsa Mars (Jessica Lange), will verzweifelt nach Hollywood und würde dafür alles tun. Es gibt Intrigen unter den Darstellern der Freak Show. Zudem wird die Nachbarstadt Jupiter von einem Clown heimgesucht. Erst stirbt ein „Freak“ im Gefängnis, da er für den Mörder-Clown gehalten wird, dann kommen zwei „Freakhändler“, die einen nach dem anderen töten wollen, um sie zu verkaufen und schlussendlich entdeckt ein junger, chronisch gelangweilter Mann aus Jupiter seine psychopathischen Tendenzen und mordet jeden, der ihm über den Weg läuft. Auch wenn die vierte Staffel nicht ganz so gruselig und verstörend ist, wie andere Staffeln, ist sie sehr schön produziert, es gibt tolle, vielschichtige Charaktere und beinahe alle Bösen haben irgendwie auch etwas Gutes an sich.

Die fünfte Staffel „Hotel“ handelt vom Hotel Cortez in der heutigen Zeit in Los Angeles, in dem Untote ihr Unwesen treiben, während der Zehn-Gebote-Mörder in der Stadt umhergeht. Hauptfigur ist Detective John Lowe (Wes Bentley), der den Zehn-Gebote-Mörder überführen will und nebenbei Stress wegen seiner Familie hat. Vor ein paar Jahren wurde sein Sohn Holden (Lennon Henry) entführt und seitdem ist nichts mehr wie es war, bis dieser plötzlich in dem Hotel auftaucht, in dem John ermittelt. Ist das wirklich Holden und was macht er dort? Was hat die Countess (Lady Gaga) zu verbergen, die etliche Menschen tötet und mit ihren Geliebten Donovan (Matt Bomer) und Tristan (Finn Wittrock) deren Blut trinkt? Wer wird noch ihretwegen sterben? Wieso taucht immer wieder der seit Jahrzehnten verstorbene James Patrick March (Evan Peters) im Hotel auf und was will er von John? Aber viel wichtiger: Wer zum Teufel ist der Zehn-Gebote-Mörder und warum vollendet er die Morde von March? Ich finde die Staffel sehr spannend, weil sie sehr verzweigt ist. Es gibt immer wieder neue Fragen, die beantwortet werden möchten. Diese Staffel ist nicht unbedingt furchteinflößend, aber sehr sehenswert und etwas verstörend. Die Charaktere sind unfassbar gut gestaltet und umgesetzt. Außerdem gibt es wieder große Plotwists, die man nur lieben kann.

Staffel 6 „Roanoke“ ist eine Staffel, deren Umsetzung so beeindruckend ist, dass ich Ähnliches noch nie vorher gesehen habe. Eine Serie in einer Serie. Es geht um die Serie „My Roanoke Nightmare“, in der das Ehepaar Shelby und Matt Miller seine Geschichte erzählt, wie es in ein Farmhaus in North Carolina zieht und von der ehemaligen Roanoke Kolonie (die erste englische Kolonie auf amerikanischem Boden, die im Jahr 1585 auf Roanoke Island in North Carolina gegründet wurde und 1590, nachdem ihnen das Essen ausgegangen war und sie eine Feindschaft mit den Ureinwohnern gehabt hatten, spurlos verschwand. Das einzige, was man von den Kolonialisten fand, war das in einen Baum geschnitzte Wort „Croatoan“) heimgesucht wird. Ihre Nichte wird von einem Geist entführt, ein Bekannter stirbt, die Schlächterin (Kathy Bates), ein Mitglied der Kolonie, will Tote. Als in der Mitte der Staffel „My Roanoke Nightmare“ zuende ist, fokussiert sich die Staffel auf die Schauspieler. Diese sollen für eine zweite Staffel des Horrorhits in das originale Haus der Millers ziehen, um eine Art Reality Show zu drehen. Doch diese läuft komplett aus dem Ruder, denn die fiktiven Ereignisse wiederholen sich, bis das Produktionsteam tot ist und die Schauspieler um ihr Leben kämpfen müssen. Doch wer wird überleben? Am Anfang ist es wegen der Verschränkung von Fiktion und Realität kompliziert, die Handlung der Staffel nachzuvollziehen, doch wenn man sie versteht, ist die sechste Staffel faszinierend und man fiebert mit den Schauspielern mit, weil die Darstellung wie eine echte Realityshow wirkt und sich Ryan Murphy (Regisseur von American Horror Story) ein einzigartiges Konzept für diese Staffel ausgedacht hat.

Die siebte Staffel „Cult“ folgt der Familie Mayfair-Richards, die durch Lügen und eine Sekte zerstört wird. Es ist die erste Staffel, in der nichts Übernatürliches vorkommt. Durch die Präsidentschaftswahl 2016 werden die Phobien der Mutter Ally (Sarah Paulson) so schlimm, dass sie nicht einmal mehr einkaufen gehen kann, ohne überall von Horror-Clowns angegriffen zu werden und eine Panikattacke zu bekommen. Doch was hat es mit diesen Clowns auf sich? Sind sie wirklich nur Einbildung? Eine weitere Storyline der siebten Staffel ist die Geschichte des Sektenanführers Kai Anderson (Evan Peters, der in dieser Staffel sieben Charaktere spielt), der Angst und Schrecken über die Stadt bringen will. Dafür braucht er aber politische Macht, welche er durch den Einzug in den Stadtrat gewinnt. Bald schon bekommt er immer mehr Anhänger, welche durch ihn die Möglichkeit bekommen, sich an ihren Peinigern zu rächen. Ally wird immer stärker in die Sekte hineingezogen und auch ihr Sohn und ihre Familie geraten in Gefahr. Immer mehr stellt sich die Frage, was mit Allys Frau, Ivy (Alison Pill) los ist. Warum ist sie so kalt und gemein gegenüber Ally? Was gehört zu Allys Phobien und was nicht? Hat sie überhaupt welche oder wird ihr das nur eingeredet? Und wird Kai die Stadt komplett unter seine Kontrolle bringen können? Die siebte Staffel spielt wieder sehr stark mit der Psyche der Figuren und der Zuschauer, weil man nicht weiß, was real ist und was nicht. Man hat bis zum Ende Ungewissheit, es gibt große Plotwists, die ich nicht vorhersehen konnte und die Charakterentwicklung von Ally ist erstaunlich.

Staffel acht „Apocalypse“ handelt von der Apokalypse und der Zeit danach. Sie spielt zuerst in der heutigen Zeit, dann in der Zukunft. Die Hauptcharaktere sind der Antichrist, Michael Langdon (Cody Fern), der eine Verbindung zur ersten Staffel hat, und der Hexenzirkel aus Staffel drei. Es gibt zwei Zeitlinien. Die eine spielt vor der Apokalypse und erzählt von Michaels Vergangenheit und Cordelia (Sarah Paulson) und ihren Hexen, die versuchen ihn aufzuhalten, bevor er die Apokalypse auslöst. Die zweite Zeitlinie spielt in der Zukunft, in der ein paar ausgewählte Leute seit Jahren in einem Bunker wohnen, mit sehr rationiertem Essen und strengen Regeln. Nach einer schrecklichen Tat in dem Bunker tauchen die Hexen auf, um den Leiter, der sich als Michael entpuppt, zu töten. Doch warum überhaupt ist Michael so böse? Wie gestaltet sich seine Verbindung zur ersten Staffel? Wird es den Hexen gelingen, Michael zu töten oder schaffen sie es sogar, die Apokalypse zu verhindern? Die achte Staffel war meine persönliche Lieblingsstaffel, da der Charakter Michael Langdon vielschichtig und interessant ist. Auch die Handlung ist mitreißend. Es gibt so viele Referenzen zu den Staffeln eins und drei (auch etwas zu Staffel 5), welche ich ebenfalls sehr mochte, was ich cool finde. Die Staffel ist zwar nicht so gruselig wie andere, aber überzeugt durch Handlung, Charaktere und ein überraschendes Ende.

Staffel neun „1984“ ist leider noch nicht auf Netflix, aber ich freue mich schon darauf, sie endlich schauen zu können. Es geht grob um ein Camp in den 80ern, in dem nach und nach immer mehr Leute getötet werden. Einer der Serienmörder aus Staffel 5 hat einen zweiten Auftritt, der Mörder im Camp ist allerdings jemand, mit dem man nicht rechnet. Mich hat sie allerdings jetzt schon überzeugt, durch die vielen Videoedits, die ich geguckt habe und durch die Handlung.

Ich möchte kurz eine Warnung aussprechen, bevor du dich jetzt auf diese interessante und gruselige Serie stürzt. Diese Serie macht süchtig! Ich habe alle acht Staffeln in ungefähr acht Wochen durchgeschaut, weil ich so gefesselt war. Aber für mich macht genau das eine gute Serie aus, dass man nicht von ihr loskommt, weil man so mitgerissen ist.

Also, viel Spaß und Grusel beim Schauen und bis in ungefähr acht Wochen!

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