„Kein Grad weiter!“

Unter diesem Motto ging die Bewegung Fridays for Future am 25.09 zum ersten Mal seit dem Lockdown und trotz Corona wieder auf die Straße. Anlässlich des 6. Globalen Klimastreiks gingen viele Tausend Menschen auf die Straße, laut FfF sogar 200.000 allein in Deutschland. Fridays for Future zählt 21.000 Demonstranten in Berlin, 16.000 Demonstranten in Hamburg und 10.000 in Köln.

Das Ziel ist klar, die Ablösung der fossilen Brennstoffe, das Stoppen des weltweiten Artensterbens und die damit verbundene Billigfleisch-Agrarpolitik. Alles zusammen soll den Klimawandel auf lange Sicht aufhalten und unseren Planeten zu einem besseren Ort machen, einen Ort, an dem sich Tiere, Pflanzen und Menschen wohlfühlen können, nicht nur die Menschen. Doch schnell stellt sich die Frage, müssen die Demos wirklich jetzt stattfinden? Kann man nicht warten, bis eine drohende Gefahr durch viele Coronainfektionen ausgeschlossen werden kann? Warum also jetzt, während Corona? Als Antwort hier mal eine Gegenfrage: Muss es wirklich sein, dass nahezu jeder von uns täglich mit dem Auto fährt? Plastikmüll produziert und Essen konsumiert, dass auf gerodeten Regenwaldflächen angebaut wurde? Und dass inmitten einer Klimakrise und einem Artensterben, das beides so zuletzt vor 65 Millionen Jahren so stattgefunden hat? Damals hat es rund 5 Millionen Jahre gedauert, bis sich die Erde vollständig erholt hatte, die Corona-Krise wird uns höchstens wirtschaftlich noch ein Jahrzehnt begleiten. Meine Antwort zu den Demonstrationen lautet „Ja“. Ja zu den Demonstrationen und Ja zu den Zielen von Greenpeace, Fridays for Future, WWF und anderen Klimaschutz-Organisationen.

Aus diesem Grund habe ich selbst an den Demonstrationen in Hamburg teilgenommen und mir ein Bild vor Ort gemacht:

11:40: unser Zug fährt ab, das Ziel ist Hamburg. Um 13:10 erreichen wir den Startpunkt der Demo, die Lombardsbrücke an der Alster. Es ist der größte der drei Demonstrationszüge, die am Ende von verschiedenen Startpunkten aus zusammen an der Kundgebung teilnehmen. Nach einigen Vorbereitungen und nachdem einige hundert Menschen eingetroffen waren, sollte es losgegeben, um die Menge von Menschen auseinanderzuziehen. Doch vorher wollte ich noch ein kleines Interview mit einem der Planer machen, jedoch wurde mein Plan von einem Journalisten des Hamburgischen Radiosenders 917XFM durchkreuzt, der mich interviewen wollte. Nach dem Interview ging es dann los. Um ca. 14:00 Uhr setzten wir uns in Bewegung. Eine Stunde später kamen wir am Kundgebungsort an, der Willy-Brandt- und Ludwig-Erhard-Straße. Auch hier zeigt sich das Bild einer Corona-gerechten Planung, denn um den Abstand zwischen den Demonstranten zu gewährleisten, wurden im Abstand von zwei Metern orangene Kreuze auf den Boden gesprüht, auf die sich je ein Demonstrant stellen sollte. Der Plan ging auf, denn in dem Bereich, den ich im Blick hatte, waren alle Kreuze besetzt und niemand stand abseits. Insgesamt verlief die Demonstration ohne Zwischenfälle, friedlich und mit Abstand und Maske. Einzig und allein eine kleine Gruppe von etwa 20 Leuten störte das Bild des Klimastreiks, die mit antikapitalistischen Bannern und Slogans klar dem Bild und dem Ziel sowie der Intention hinter Fridays for Future widersprechen. Jedoch wurde die Gruppe, die die Demonstration wohl zu ihrem Zweck nutzen wollte, während der Kundgebung aufgelöst.
Um 15:30 ging dann, nach dem Eintreffen der anderen Züge, die Kundgebung los. Die Kundgebung bestand aus mehreren Reden, unter anderem von einem der Planer und Redner von FFF Hamburg, von Vertretern*innen  von Parents for Future, Farmers vor Future , Scientists for Future, Greenpeace und, fast zum Schluss, gab es eine Rede von Annika Rittmann (das Gesicht von FFF Hamburg). Zwischendurch gab es Musik, damit man sich die Meinungen und Fakten der Redner*innen besser merken kann, denn das Thema kann einem natürlich keine gute Laune machen und vieles ist schwer zu verdauen. Gerade in diesem Jahr. So wurde Bezug genommen auf die Klimapolitik der Bundesregierung, die nach so langem Protest immer noch weniger als halbherzig ist, obwohl die Zeit drängt. Als Beispiel dieses Jahr, Australien steht zu großen Teilen in Flammen; dann machen Brände im Amazonas-Gebiet Schlagzeilen, die große Gebiete des Pantanal-Schutzgebietes verbrennen lassen, die Arktis schmilzt auf den zweitkleinsten Wert seit den Wetteraufzeichnungen und jetzt brennt Kalifornien lichterloh, während in Sibirien Rekordtemperaturen herrschen. Viele gute Gründe für den Klimastreik. Zwischen den Rednern gab es eine Pause. Aufgelockert wurde die Stimmung dann durch einen überraschenden Auftritt der Giant Rooks (zum Beispiel bekannt durch Lieder wie „Watershed“ oder „Wild Stare“), die für eine gute Stimmung sorgten und durch das Echo zwischen den Häusern noch weit zu hören waren. Nachdem die letzte Rednerin gesprochen hatte, sollte die Menge aufgelöst werden. Um keinen Ansturm auf die U-Bahn-Stationen auszulösen, war die Menge in Blöcke aufgeteilt worden, die einzeln von Ordnern losgeschickt wurden.

Als Fazit bleibt: Am 25.09. fand eine straff organisierte, inhaltlich verbundene weltweite Demonstration statt, nicht viele kleine einzelne, und alle verfolgen das gleiche Ziel: die Welt zu einem besseren Ort zu machen und das Klima zu schützen. Hoffentlich wird sich etwas ändern, denn es geht, wie auch in den Reden einhellig betont wurde, nicht nur um uns Jugendliche, sondern um die Zukunft aller. Deswegen fordere auch ich, kein Grad weiter!

Eine Kolumne von Magnus Leever

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