Kolumne der SV #3 – Wie man (besser k)eine Satzung schreibt

Es ist ein stürmischer Tag im Herbst im Jahre 2019. Ferien, also viel Langeweile und jede Menge Freizeit. Nicht so jedoch Bennett und ich. Sind wir manchmal seltsam? Vielleicht. Gegen 19.00 Uhr beginnt unsere kleine Facetime-Konferenz. Agenda heute: Eine Satzung für die SV schreiben. Das klingt erstmal ganz gut, auf jeden Fall sehr professionell und wichtig. Mit einem Glas Wasser, einem geteilten Pagesdokument und, ganz wichtig, dem MacBook, geht es also los. Doch wie schreibt man eigentlich so eine Satzung? Ja, was genau wird da überhaupt festgelegt?

Man könne sich ja einfach bei anderen Schulen etwas abschauen, das denken wir uns im Vorfeld. Also Schritt eins: Recherche. Tatsächlich gibt es einige Schulen, die ihre Satzung für ihre Schülervertretung ins Netz gestellt haben. Einige sind auch ganz nett. Ganz nett, ja das klingt genau so, wie es war. Eben nett zum Anschauen, aber nichts für unsere Schule. Was die in Bayern so machen, ist eh alles seltsam.

Motiviert und professionell wie wir uns bis dahin fühlen, fangen wir also kurzerhand an, alles selbst neu zu schreiben. Es ergeben sich ungeahnte Fragen wie: Wozu gibt es eigentlich die SV? Was steht im niedersächsischen Schulgesetzt? Was darf man denn jetzt als SV, wie legitimiert man seine „Amtszeit“ und wie gestaltet man ein demokratisches Konzept?

Falls euch das auch so brennend interessiert, lest gerne in unserer Satzung nach. Ich bin sicher, das ist eine angenehme Gute-Nacht-Lektüre. Für die wenigen, die dies unverständlicherweise nicht tun: Demokratisch ist es insofern, dass man per geheimer, gleicher und direkter Wahl gewählt werden muss. Auch kann man uns und alle zukünftigen Schülersprecher per Zweidrittelmehrheit jederzeit absetzen. Ich hoffe natürlich sehr, dass wir es nicht bereuen müssen, dieses wohlgehütete, tiefvergrabene Geheimnis mit euch geteilt zu haben. Andererseits kann die für eine Abwahl nötige SV-Konferenz zur Zeit nicht einberufen werden und somit ist unsere Macht ganz autokratisch durch Corona gesichert. Yes, wieder was gelernt von Victor Orbán und Co.

Bis Bennett und ich all diese Fragen geklärt haben, liegt Mitternacht hinter uns. Aber wer hat auch schonmal eine Satzung geschrieben? Wo und wie fängt man da an, was muss da alles rein? Beim recherchieren und Fragen klären bleibt es jedoch nicht. Der richtige Teil, das Schreiben, liegt vor uns. Im Angesicht dieser Aufgabe kann man ja mal ein wenig nachhelfen. Das sieht dann so aus: 00.20 Uhr: kurze Kaffeepause. Wer braucht schon Schlaf?

Fit wie wir sind geht’s dann weiter. Zwischen Fragen, Unsicherheiten, Fragen, Ideen, Fragen und ein paar guten Ideen entwickelt sich langsam etwas, das einer Satzung ähnelt. Ich jobbe nach der Schule in einer Anwaltskanzlei bzw. für ein Notariat. Das heißt, ich habe viel mit Urkunden, Verträgen etc. zu tun und sehe da auch mal die ein oder andere Satzung. Da könnte man denken, dass ich wenigstens eine Ahnung davon habe, wie so etwas formal geschrieben ist. Ja, also, könnte man denken. Tatsächlich jedoch haben wir so einigen Spaß daran unsere Professionalität durch formale, äußere Punkte unter Beweis zu stellen. Das sieht dann so aus:

Regel 1: Unterpunkte sind angesagt und verdeutlichen in inhaltlichen Zusammenhang. Mehr davon ist mehr.

Regel 2.1: Baue möglichst viele Paragraphenzeichen ein, das sieht cool aus.

Regel 2.2: Jegliche Formatierungsarbeit am besten schon während des Schreibens erledigen, da es immer schon so gut aussieht. Das es mehr Zeit kostet und am Ende eh alles wieder verschoben ist, ist ja egal.

Das dies nicht ganz so cool und vor allem praktisch ist, haben wir später festgestellt. Bis dahin soll es jedoch noch eine Weile dauern, denn gegen 4.00 Uhr morgens war Tag eins des Schreibens zwar vorüber, die Satzung allerdings noch lange nicht fertig. Und ja, ein wenig Schlaf brauchen wir dann doch mal.

Tag zwei, wieder gegen Abend: Nach dem ersten Tag voller Erfahrungen kommen wir dieses mal direkt zur Sache und arbeiten, wie immer natürlich, sehr effektiv. Dementsprechend wächst auch die länge unserer Satzung und siehe da, was da herauskommt ist tatsächlich brauchbar. Nachts unter Koffeineinfluss zu schreiben scheint also gut zu klappen. Den Tipp hab ich mir direkt gemerkt für die vielen Hausarbeiten während der Corona-Zeit. Mittlerweile haben wir sogar (in unseren Ohren) juristisch klingende Formulierungen drauf und die Abkürzungen für Schülersprecher, Klassenrat und all diese Dinge können wir im Schlaf. Nach zwei schlaflosen Nächten ist die Satzung also fertig. Von uns selbst überrascht stellen wir fest, dass wir extrem zufrieden sind.

Später wurden wir darüber aufgeklärt, dass man Unterpunkte nur in Hausarbeiten verwendet und stattdessen solche Klammern (1) verwendet. Die Formatierung mussten wir also (auch wegen vielen anderen Dingen) noch mal gründlich überarbeiten, aber unsere Paragraphen durfen wir behalten.

Stolz und immerhin noch ein wenig professionell konnten wir die Satzung also in Kraft setzen. Ich würde sagen, aus uns werden später einmal super Notare und Rechtsanwälte.

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