Warum Verschwörungstheorien in der Coronazeit gefährlich sind – ein Kommentar von Lennard Leefers

Selten waren die Medien so gefordert wie in der aktuellen Zeit. Täglich wichtige Meldungen, brisante Informationen und die Hoffnung auf eine Veränderung geben den Medien in den letzten Wochen eine Aufmerksamkeit unermesslichen Ausmaßes. Doch die Menschen sehen oft nur das, was sie wollen. Die riesige Vielfalt an Informationen insbesondere über das Internet bieten einen riesigen Spielraum für Verschwörungstheorien oder Falschinformationen. Gibt man beispielsweise die Worte „Bill Gates Corona“ ein, so landete man noch vor kurzem, je nachdem wie der Algorithmus es filterte, bereits nach kurzem Scrollen auf Berichterstattungen, die behaupten, dass Bill Gates das Virus erfunden habe, um uns per Zwangsimpfung Mikrochips einzusetzen etc.

Mittlerweile wurde ein Großteil der Berichte gelöscht bzw. tiefer gelistet, da relevantere Medien über die Verschwörungstheorien berichteten. Grund dafür waren unter anderem Anti–Corona Demonstrationen, bei denen Teilnehmer sich weder an die Hygiene-Auflagen hielten, noch die Pressefreiheit respektierten, was man daran sieht, dass ein ZDF-Team schwer verletzt wurde.

Auch auf regionaler Ebene finden kritische Demonstrationen statt, jedoch handelte es sich bei der im Folgenden beschriebenen weder um eine Gefahr für Journalisten noch um eine Ansammlung willkürlicher Verschwörungstheoretiker. Am Samstag, den 09.05.2020, fand eine Demonstration in Rotenburg (Wümme) auf dem Pferdemarkt statt, bei der zwischenzeitlich schätzungsweise ca. 75 Menschen anwesend waren. Es wurde dabei über Vernachlässigung der Grundrechte durch die Maßnahmen diskutiert, wobei auch einige Familien anwesend waren, die Überforderung mit der aktuellen Kita- und Schulsituation äußerten, was die Gesamtsituation durchaus authentischer machte. Während meiner Anwesenheit auf dem Pferdemarkt wurde weder gehetzt noch beleidigt, was ich als sehr positiv empfand. Das einzige, was mir persönlich durchaus negativ aufgefallen war, ist, dass die Abstandsregelungen, basierend auf dem Infektionsschutzgesetz von einem Großteil der Anwesenden nicht respektiert wurden und ebenso die anwesende Polizei meiner Meinung nach unzureichend handelte, indem sie die Demonstranten darauf nicht hinwies.

Bezogen auf die Rotenburger Demonstration muss man sagen, dass es gut ist, wenn Menschen von ihrer Meinungsfreiheit Gebrauch machen und offen diskutieren. Was jedoch kritikwürdig ist, ist, dass viele Demonstranten trotz der Versammlungsfreiheit, die ihnen geboten wurde und ausreichend Platz auf dem Marktplatz die Abstandsregelungen teilweise ignorierten. Ebenfalls finde ich Vergleiche mit den 1940er Jahren, was die Einschränkung der Rechte angeht, fragwürdig, da es prinzipiell ein Unterschied ist, ob man das Rausgehen vermeiden soll, weil Krieg herrscht und das politische System, in dem man lebt eine Diktatur ist, oder ob von demokratisch gewählten Volksvertretern große Veranstaltungen aufgrund der Vermeidung von Menschenmassen abgesagt wurden.

Zurück zu den Verschwörungstheorien: Man kann zur Zeit durchaus erkennen, dass sie einen gefährlichen Einfluss auf Menschen haben können, da sie so aufgebaut sind, dass sie zweifelnde Menschen in ihrem Irrglauben begünstigen und vorgefertigte Meinungen bestätigen. Doch was ist nun eine vertrauenswürdige Quelle und ist es überhaupt richtig, jede Verschwörungstheorie unter einen Teppich zu kehren? Meiner Meinung nach ist das der falsche Weg. Ich persönlich versuche mich möglichst vielseitig zu informieren, sobald mich ein Thema interessiert, greife dabei auf aus meinen Erfahrungen resultierend vertrauten Medien zurück. Auch solltenVerschwörungstheorien nicht verboten oder komplett zensiert werden, da sie meiner Meinung nach nicht nur gefährlich sind, sondern auch einen Raum für Diskussionen und Konversationen schaffen können und ein Abtun die Anhänger solcher Theorien noch bestätigen würde. Ich persönlich hätte mir beispielsweise eine Konfrontation und anschließende Stellungnahme Bill Gates im Tagesthemen-Interview gewünscht, da dadurch bessere Aufklärung auch für zweifelnde Zuschauer geboten worden wäre. Es muss dann dabei von den Interviewern klar herausgestellt werden, wobei es sich um Theorien und wobei es sich um Fakten handelt. Verschwörungstheorien sind nämlich dann gefährlich, wenn sie falsch aufgenommen oder verbreitet werden. Werden sie als Fakten betitelt, finde ich es wichtig, diese Berichte zu melden, sind sie jedoch klar erkennbare Diskussionsvorlagen, halte ich es für problematisch, diese mit Fakten zu marginalisieren und die Zweifler nicht ernst zu nehmen.

Veröffentlicht von Drea Voe

Lehrerin an der Eichenschule in Scheeßel

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