Bundesliga in Coronazeiten – ein Kommentar von Sebastian Mogck

Mittwoch, den 6. Mai 2020,

die Bundesregierung gibt grünes Licht für die Wiederaufnahme der Fußball-Bundesliga.

Aber ist diese Entscheidung wirklich sinnvoll bzw. steht sie in einem sinnvollen Verhältnis zu anderen Entscheidungen, die in Bezug auf das Corona-Virus gefällt wurden?

Meine kurze und klare Antwort dazu: Nein.

Aber warum darf die Bundesliga weitergehen, obwohl sie nun absolut nicht systemrelevant ist, während in Pflegeheimen Tests und Schutzausrüstung fehlen? Denn ja, wenn man 22 verschwitzte Männer mit (logischerweise) engem Körperkontakt aufeinander loslässt, müssen alle diese Männer danach getestet werden. Tests, die an anderen, systemrelevanten Stellen fehlen.

Hinzu kommt, dass es schwierig wäre, auf ein etwaiges positives Testergebnis zu reagieren, da sich theoretisch alle Spieler der zwei Mannschaften in eine zwei-wöchige Quarantäne begeben müssten, was bei einem Eine-Woche Rhythmus von Spielen sehr schwierig wird. Es wird kein Sand in das Getriebe gestreut, es kommt bereits mit Kieselsteinen im Inneren aus der Fabrik.

Ein Schelm, wer da denkt, die Bundesliga würde anderen Sport-Ligen, wie zum Beispiel der deutschen Handball-Liga gegenüber bevorzugt behandelt. Diese wurde nämlich komplett abgebrochen, obwohl man sicher sein darf, dass die Handballer mit entsprechenden Zugeständnissen und Erlaubnissen vom Staat ebenfalls gerne weiter gemacht hätten. Genauso wird es den kleinen Sportvereinen gehen, die mit Breitensport nicht nur die Fitness großer Bevölkerungsteile fördern, sondern auch wichtige soziale Funktionen, zum Beispiel in Brennpunktvierteln erfüllen. Diese dürfen zwar vorsichtig wieder anfangen, aber unter extrem harten Sicherheitsbeschränkungen – Kontaktsport ausgeschlossen!

Ein weiterer Punkt, der gegen eine Wiederaufnahme der Bundesliga spricht, ist, dass es aus medizinischer Sicht ein Akt der Unmöglichkeit ist, jeden positiven Fall rechtzeitig festzustellen und darauf zu reagieren.

Das Skandal-Video von Salomon Kalou, einem Profi-Spieler bei Hertha BSC, macht die Gesamtsituation nicht gerade besser: Millionäre, die über elf Prozent Gehaltsabzug murren unter einer völligen Missachtung der Hygiene-Regeln. Selbst wenn man bei dem Hauptstadt-Club von einem unglücklichen Einzelfall ausgeht, erscheint es so nicht gerade sinnvoller, die Liga fortzuführen.

All diese Punkte laufen auf eine bittere, aber realistische Wahrheit hinaus: Die jetzige Fußball-Saison müsste abgebrochen werden. Natürlich wäre das ein enormer kultureller und ökonomischer Verlust, aber Gesundheit geht einfach vor. Diese Meinung vertreten auch größere Vereine, die sich vor einer unlösbar scheinenden Aufgabe sehen. Außerdem ist Fußball ohne Zuschauer nun einmal kein richtiger Fußball. Ausgehend davon wären wohl die meisten Spieler froh über einen Abbruch gewesen, da ein Spielbetrieb ohne Fans oder Fangesänge und die aufgeladene Atmosphäre im Stadion einfach nicht dasselbe ist. Diese Meinung vertreten auch die allermeisten Fans.

Aber wer hat dann überhaupt ein so großes Interesse an der Wiederaufnahme des Spielbetriebes? Die Vereinsbosse, Sponsoren, Aktionäre, die Ligen und Verbände – die üblichen Verdächtigen, wenn es um die Beeinflussung fragwürdiger politischer Entscheidungen geht.

Damit ist alles gesagt.

Veröffentlicht von Drea Voe

Lehrerin an der Eichenschule in Scheeßel

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