Meine Erfahrungen mit der Corona-Krise

Das Covid-19 Virus verändert zurzeit das Leben auf der ganzen Welt. Am Anfang der Pandemie waren wir hier in Norddeutschland nicht wirklich betroffen und spürten die Folgen, die das Virus mit sich bringt, auch nicht deutlich. Das erste Mal, als wir aktiv die Auswirkungen des Virus in Scheeßel und Umgebung bemerkten, war, als am Freitag, dem 13. März, die Schulen bis zum 20. April geschlossen wurden. Die gravierenden Folgen, die jeder von uns noch spüren sollte, waren uns in diesem Augenblick noch überhaupt nicht bewusst.

Beim Verlassen des Klassenraumes wurde noch gescherzt, dass dies wohl der letzte Moment sein könnte, in dem die ganze 10b vollständig im Klassenraum sein würde. In dem Moment hatte man diese Vorstellung für unmöglich gehalten und sich wie für das Wochenende voneinander verabschiedet. Surreal war das jedoch schon. Die nächsten fünf Wochen sollte keine Schule sein. Homeschooling war angesagt. Alleine in seinem Zimmer am Schreibtisch sitzen und die Aufgaben erledigen, die einen per IServ wie eine große Welle überfluten. Damit man den Überblick behält, erstellt man sich eine Liste mit allen Aufgaben und dem dementsprechenden Abgabezeitpunkt. Am Anfang der Woche steht man vor einem großen Berg, den man tageweise abarbeitet. Am nächsten Montag fängt dann alles wieder von vorne an. Am Anfang fand ich es noch ganz entspannt: Aufgaben machen, wann man Zeit und Lust dazu hat, aber irgendwann fängt man an, die Sitznachbarn und das mal leise und mal laute Arbeitsgemurmel der Mitschüler zu vermissen. Aber es nutzt ja nichts. Die Aufgaben machen sich schließlich nicht von alleine.

Um ehrlich zu sein, fühlen sich die „Zwangscoronaferien“ wirklich an wie echte Ferien, wenn da nicht die Schulaufgaben wären. Wann hatte ich das letzte mal so viel Zeit Sachen zu machen, die in der normalen Wochenroutine meistens zu kurz kommen oder einfach hinten runterfallen? Langeweile kommt bei mir daher nicht auf. Ich kann jeden Tag meine beiden Pferde reiten, ausgelassen und lange mit meinem Hund spielen, für den digitalen Geigenunterricht üben, Trecker fahren, beim Melken helfen, mich mit den Katzen beschäftigen, die kleine Babykatze betüddeln oder einfach mal so gucken, was auf mich zukommt. Zu „normalen“ Zeiten ist meine Woche meistens sehr voll. Ballett, Geige, aufs Nachbarskind aufpassen, Orchester, Schule und meine Tiere zuhause müssen auch versorgt werden. Durch das Virus wurde das Leben verlangsamt und der Blick wird wieder auf das Wesentliche gerichtet. So kommt es mir zumindest vor. Die Sorgen, die man noch vor der Corona-Zeit hatte, sind verpufft. Stattdessen fragt man sich immer wieder: Geht es den Großeltern gut und bleiben sie auch schön zuhause? Haben wir noch genug TOILETTENPAPIER?! 😉 – Eine der größten Raritäten zu diesen Zeiten?

Eine der größten Fragen tat sich bei uns Mitte März auf: Wie und wann kommt mein Bruder nach Hause? Mein Bruder war Anfang Februar zu seinem Auslandssemester nach Australien aufgebrochen und stellte sich natürlich die Frage, was er nun tun soll. In Australien bleiben oder doch von zu Hause aus studieren? Schließlich entschied er sich dazu, so schnell wie möglich nach Hause zu kommen, sehr zur Freude meiner Mutter. Seine Wohnung in Australien wurde ihm auf Grund von Corona gekündigt, die Universität wurde geschlossen und der Rückflug entwickelte sich zu einem Abenteuer: Der geplante Flug wurde gecancelt und eine der letzten Möglichkeiten war, einen Flieger über Tokio zu nehmen, der in zehn Stunden starten würde. Die Abreise passierte also von jetzt auf gleich. Nach 58 Stunden kam mein Bruder dann endlich zu Hause an und verbrachte die nächsten vierzehn Tage die meiste Zeit in seinem Zimmer. Selbstquarantäne.

Die ganze Familie ist nun im Haus und zum Glück froh und gesund. Meine Schwester wollte eigentlich ihr Auslandssemester in England starten, aber auch das wurde gecancelt. Das letzte Mal waren alle an Weihnachten gemeinsam zu Hause. Also ist Action im Haus. Langeweile? Jetzt erst recht nicht! Hausaufgaben? Die Motivation wird langsam weniger. Wenn alle im Haus sind, fällt es doch schwerer, sich an den Schreibtisch zu setzen und die Aufgaben zu erledigen. Ich könnte stattdessen so viele schöne Sachen mit meinen Geschwistern tun. Aber erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Am besten schnell erledigen, dann hat man mehr Zeit für anderen Sachen. So in der Theorie. In der Praxis sieht das ein bisschen anders aus. Wenn alle 15 Minuten entweder deine Schwester oder dein Bruder durch die Zimmertür schielt und einen supertollen Vorschlag hat, was man nicht alles bei dem schönen Wetter machen kann, sinkt ziemlich schnell die Motivation, die Hausaufgaben zu erledigen. Ab und zu fliegt dann noch ein Ball durchs Zimmer und erinnert einen, dass man schon längst fertig sein müsste.

Insgesamt ist die Zeit im Homeoffice also ganz belustigend und eine Abwechslung zu der normalen Schule. Aber das kommt auch daher, dass wir hier zuhause wenig von den Einschränkungen im öffentlichen Leben spüren. Wir können zu Hause alles machen, was wir vor der Corona-Zeit auch gemacht haben. Unser Alltag ist gleich, außer dass die meisten Termine wegfallen. Der landwirtschaftliche Betrieb kennt schließlich keine Pause. Wir haben ein großes Haus und einen sehr großen Garten und können uns daher gut beschäftigen. Da tun einem die Leute in der Stadt, die in ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung hocken müssen, wirklich leid. Wenn ich auf dem Pferd sitze und hinter unserem Haus reite, kommt es schon einmal vor, dass ich die ganze Corona-Situation ein bisschen vergesse, was normalerweise durch die, von Corona News überfüllten, Nachrichten kaum noch möglich ist.

Aber ganz spurlos geht die Corona-Zeit an mir auch nicht vorbei. Jeder muss in dieser Zeit auf etwas verzichten, worauf er sich gefreut hat. Die Klassenfahrt wurde abgesagt, welche schon bei allen aus der Klasse das lang ersehnte Highlight des Jahres war. Die amerikanischen Austauschschüler können nicht kommen, das Hurricane Festival wurde abgesagt, genauso wie das Schützenfest im Dorf. Jeder muss jetzt seine persönlichen Abstriche von der Normalität und seinen Plänen machen. Dafür steigt die Vorfreude für die Aktivitäten nach der, hoffentlich bald überstandenen Corona-Pandemie. Denn alle Maßnahmen, die zu der Eindämmung des Covid-19 Virus getroffen wurden, sind gerechtfertigt. Ich glaube, jeder erfüllt sie gerne, wenn dadurch das Virus schneller bekämpft werden kann, weniger Leute in Mitleidenschaft gezogen werden und das Leben schnell wieder zur Normalität zurückkehren kann.

Bis jetzt spüren wir schließlich nur die Begleiterscheinungen des Virus, aber die Krankheit an sich ist für die meisten noch wie ein Phantom. Niemand weiß wirklich, wie es ist, die Krankheit zu haben. Und wieder einmal merkt man, dass das Wichtigste nun einmal die Gesundheit ist. Dies wünscht man seinen Mitmenschen in letzter Zeit immer mehr. Der Zusatz „und bleib gesund“ nach der normalen Verabschiedung, einer Mail oder eines Briefes hat sich schnell etabliert. Ich bin gespannt, was die Zeit noch so mit sich bringt und was wir noch alles aus der unvergesslichen „Corona-Zeit“ mitnehmen werden.

Viele Grüße und bleibt gesund!

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