Grüße aus dem Homeoffice – Tag 54 von Mette-Marie Heß

Mehr als 50 Tage zuhause. Wer hätte das noch vor ein paar Monaten gedacht? Gefühlt sitze ich schon eine Ewigkeit zuhause und gleichzeitig war ich erst letzte Woche im Unterricht. Mein Zeitgefühl steht Kopf.
2020 sollte in tolles Jahr werden. Wir hatten einen tollen Urlaub geplant, eine Klassenfahrt stand bevor, unsere amerikanischen Austauschpartner währen für zwei Wochen hier gewesen und das auch noch über das Hurricane-Wochenende! Soviel worauf man sich gefreut hatte und jetzt? Hurricane, Geburtstagsfeiern, Klassenfahrt und unser Urlaub wurden abgesagt. Sicherlich spreche ich hier nicht nur für mich, wenn ich sage, Corona, du hast schon einige tolle Pläne durchkreuzt!

Was mich aber im Moment am meisten beschäftigt? Mein Auslandsjahr. Anfang August soll es in die USA losgehen, die derzeitige Hochburg des Virus. Ständiger Kontakt zu meiner Gastfamilie und Zuspruch der Organisation lassen leider nicht die Sorge verschwinden, dass alles abgeblasen wird. Wer weiß, wie in drei Monaten der Stand sein wird? Darf man reisen? Das Land verlassen? Ungewissheit ist das Stichwort.
Nichts kann man planen, weder Urlaub, noch Ausflüge oder sonst etwas. Die Devise: zuhause bleiben. Zunächst einfach und ein schöner Gedanke: die Lieblingsserie zum 3. Mal durchschauen, lange aufbleiben und ausschlafen können. Doch schon nach zwei Wochen sah es ganz anders aus: Man vermisst die Freunde, die Motivation sich mit dem Schulstoff zu befassen vergeht und auch Netflix wird langweilig.

Jeder hat mit anderen Problemen zu kämpfen. Wir Schüler beschweren uns über den fehlenden sozialen Kontakt, aber es gibt auch Bürger, deren Gehalt gekürzt wird, wenn sie nicht sogar ihren Job für unbestimmte Zeit verlieren. Es gibt so viel größere Probleme als unsere Es-finden-keine-Parties-mehr-statt Probleme.

Ich glaube diese Zeit zeigt, dass wir so viele Dinge als normal ansehen, dass wir manchmal vergessen, dankbar dafür zu sein. Jeder sollte einen Schritt zurückgehen und auch die kleinen Dinge wertschätzen, die sonst so selbstverständlich waren.
Wir sollten dankbar und stolz sein. Darauf, dass die Menschen im Gesundheitswesen stets ihr Bestes geben, um die Pandemie zu bekämpfen und nicht aufgeben. Stolz darauf sein, wie unsere Regierung die Situation handhabt. Deutschland hat eine der höchsten Genesungszahlen!
Und jetzt sitze ich hier zuhause und freue mich, wenn die Schule wieder beginnt, wenn auch nicht so, wie man es sonst gewohnt war. Meine Freunde wieder sehen, feste Schulzeiten haben und endlich mal rauskommen. Wer hätte gedacht, dass ich mich mal so auf Schule freue.

Corona, auch wenn du uns einiges nahmst, gabst du uns auch etwas: Wertschätzung.

Veröffentlicht von Drea Voe

Lehrerin an der Eichenschule in Scheeßel

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