Grüße aus dem Homeoffice – Tag 45 von Lydia Wahlers

Der weiße Hai – verkleidet als Brummer

Alle beklagen sich momentan darüber, dass sie nur untätig zuhause sitzen und in Langeweile versinken. Drinnen würde ja nie etwas passieren, jeder Tag sei gleich. Nicht so bei mir:

Als ich abends auf meinem Bett liege, bemerke ich, dass zwischen der Fensterscheibe und dem heruntergelassenen Rollladen ein Brummer gefangen ist. Tierlieb, wie ich bin, ziehe ich den Rollladen hoch, um ihn zu befreien. Doch das Insekt sitzt weiterhin in der oberen Ecke des Fensters und macht keine Anstalten, ein Stückchen nach unten und somit in die Freiheit zu fliegen.
Ich gehe das Risiko ein, den Rollladen komplett hochzuziehen, obwohl er dann regelmäßig feststeckt. Der Brummer fliegt davon und ist nicht mehr zu sehen – aber wie erwartet hängt der Rolladen fest. Entschlossen rüttle ich an dem Band, doch nichts passiert. Also öffne ich das Fenster, um ihn mit meiner Hand herunterzuziehen.
Aus heiterem Himmel schießt der verschwunden geglaubte Brummer durch das geöffnete Fenster – direkt auf mich zu! Ich bekomme einen SEHR großen Schreck und fliehe eine Etage tiefer.

Zum Glück ist meine Mutter noch wach und soll helfen, den Brummer nach draußen zu setzen. Doch sie erkennt den Ernst der Lage nicht – zunächst.
Trotzdem erklärt sie sich bereit, ihn aus meinem Zimmer zu befördern. Mit einem Glas und einem Stück Papier bewaffnet wagen wir uns nach oben. Mein Hund Sinja will auch helfen und kommt mit.
Aber der Brummer ist nicht zu entdecken. Mit meinen Luchsohren vernehme ich, trotz Sicherheitsabstand zu meinem Zimmer, ein leises Brummen. Da meine Mutter nichts hört, wage ich mich todesmutig zu ihr, um den Brummer ausfindig zu machen. Plötzlich höre ich ein aggressives Brummen, direkt neben meinem linken Ohr, und schreie vor Schreck auf. Meine Mutter schreit aus Reflex mit, wodurch ich mich noch mehr erschrecke und noch lauter schreie. Mein Hund erschreckt sich auch und fängt erst an zu bellen, dann wie ein Wolf zu heulen.
Wir alle drei stürmen auf den Flur und müssen uns erst mal beruhigen. Der Schock ist uns bis in die Fingerspitzen gefahren!
Ich schicke meine Mutter zurück in die Gefahrenzone, während ich selber mich zurückziehe.

Der Brummer ist erneut verschwunden. Aus der Ferne gebe ich Suchtipps: an den Glühbirnen, im Lampenschirm, an der Lichterkette – Volltreffer! Mama wedelt daran herum, als der Brummer wie der weiße Hai auf sie zugeschwommen, äh, zugeschossen kommt. Sie schreit wie am Spieß, wetzt aus dem Raum, ich schreie mit. Sinja erschrickt sich wieder und kläfft erneut.
Meine Mutter schließt die Tür. Der Entschluss ist schnell gefasst – mein großer Bruder Tristan muss helfen. Ich flitze zu ihm, um ihn um Hilfe zu bitten. Er unterbricht sogar sein Computerspiel, obwohl auch er den Ernst der Lage zunächst nicht erkennt (ist ja nur ein Brummer, haha). Ahnungslos wie er ist, geht er nach oben. Meiner Mutter ist alles zu aufregend (sie wird auch bald 50) und zieht sich mit dem Hund zurück in ihr Schlafzimmer.

Ich folge meinem Bruder nach oben, allerdings traue ich mich diesmal nur ein paar Treppenstufen hoch und beobachte, wie er sich suchend umschaut. Als wenn der Brummer nur darauf gewartet hat, kommt er in rasantem Tempo auch auf ihn zugeflogen. Tristan zuckt zusammen und schreit auf (später wird er behaupten, das nicht getan zu haben).
Der Kampfbrummer jedoch braust wie eine Kanonenkugel an ihm vorbei und nimmt mich ins Visier! Ich sprinte die Treppe herunter, er nimmt die Verfolgung auf und ich spüre förmlich schon seinen Flügelschlag in meinem Nacken! So schnell es geht verbarrikadiere ich mich im Schlafzimmer meiner Mutter, wohin der Brummer mir nicht folgen kann.
Nach einer Verschnaufpause wagt meine Mutter sich wieder nach draußen, da mein Bruder sich (aus Angst) zurückgezogen hat. Er behauptet, ihn nur nicht mehr finden zu können.
Unterdessen ist der Brummer im Badezimmer angelangt. Meine Mutter schließt schnell die Tür – da bleibt er erstmal!

Am nächsten Tag können wir kaum glauben, dass so ein harmloses Insekt uns derart in Angst und Schrecken versetzen konnte. Draufgängerisch reiße ich die Tür zum Bad auf, greife gut gelaunt nach meiner Zahnbürste – und erstarre in meiner Bewegung, denn direkt auf den Borsten sitzt eine riesengroße Wespe… AHHHHH!

Veröffentlicht von Drea Voe

Lehrerin an der Eichenschule in Scheeßel

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