Grüße aus dem Homeoffice – Tag irgendwas nach Ostern

Es ist Samstag Vormittag. Wie jeden Samstag reite ich mit meinem Pferd in den Wald. Und wie jeden Samstag gehe ich davon aus, dass der Wald leer ist und mir kein Mensch begegnen wird. Und genau das ist der Teil, an dem ich verdammt falsch lag.

Bereits nach gut 100 Metern kommt mir eine Frau im neonpinken Gymnastikanzug entgegen „gewalkt“. Dieses „Walking“ besteht aus rhythmisch im Takt schwingenden Armen, die, von leichtem Schnaufen begleitet, neben dem Körper herschwingen und dabei immer wieder „Nordic-walking-sticks“ in den Waldboden rammen. Die Frau tut das mit einer solchen Entschlossenheit und einem solch zielstrebigen Blick, dass ich beinahe Angst bekomme, sie könnte gleich einen ihrer „Sticks“ gegen mich erheben und mich vom Pferd holen.

Auch mein Pferd scheint leicht verwundert, eine quietschpinke, mit Stöckern ausgestattete Frau ist auch für ihn eher ein seltener Anblick.

Als ich dann weiter reite und nach einer kleinen Brücke schließlich in den Teil des Waldes komme, der mit dem Schild „Naturwanderpfad“ gekennzeichnet ist, denke ich wie jedes Mal, dass dieser Pfad doch recht ungenutzt ist und ihn vermutlich eh niemand kennt.

Aber, Achtung, auf einmal kommt eine Horde von Joggern, Fahrradfahrern und Muttis mit Kinderwagen auf mich zu. Ein Jogger Pärchen läuft mit ihrem Australian Shepherd an mir vorbei, Frauchen und Herrchen scheinen hier jedoch weitaus weniger Kondition zu haben als ihr Hund, der vorneweg läuft, während die beiden japsend hinterher hopsen. Und hier stelle ich fest, dass ich, auch ohne jegliche physiotherapeutische Ausbildung, manche Joggingtechniken doch als etwas ungesund und waghalsig beim Zuschauen empfinde.

Als die Jogger vorbei sind, kommen mir zwei plaudernde Mütter entgegen, die jeweils mit einem Kinderwagen ausgestattet sind, sowie einer Handtasche, mit deren Input man sicherlich einen halben Kindergarten versorgen könnte.

Ehrfürchtig schauen sie zu mir hoch, während sie Platz machen, ich fühle mich für ein paar wenige Sekunden wie eine Königin, die sich auf direktem Wege zu ihrem Schloss befindet. Obwohl mir natürlich auch eine kleine Villa mit beheiztem Pool völlig reichen würde. Was soll man denn auch mit den ganzen Zimmern anfangen?

Dieser Moment des Träumens wird schlagartig zerrissen, als zwei Mountainbiker zwischen meinem Pferd und den Müttern hindurchrasen. Wären wir in einem Actionfilm, wären die Mütter samt Kinderwagen und ich samt Pferd vermutlich zur Seite geschleudert worden.
Waren wir allerdings nicht, mein Pferd erschreckte sich nur tierisch und wäre von alleine fast in den anliegenden, mit Wasser gefüllten Graben gesprungen.

Für das nun folgende Szenario muss man wissen, wie der Weg beschaffen ist. Ich reite auf einem schmalen Weg, der zur linken von einem steilen Hang und zur rechten von einem Wassergraben eingegrenzt ist. Der Hang führt direkt auf den Weg und es gibt absolut keine Ausweichmöglichkeiten für ein 1,80m großes Pferd.

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