Wirtschaft ebenfalls mit Corona infiziert? – Grüße aus dem Homeoffice – Tag 27 von Edith Büchner

Es ist April im Jahre 2020 und mittlerweile ist wohl (hoffentlich) jedem klar, dass das Coronavirus eine wirklich ernstzunehmende Bedrohung für uns ist. Was genau die Krankheit alles mit sich bringt, ist jedoch extrem vielschichtig.

Klar, zum Einen ist da die Krankheit. Das heißt dann für manche Überträger sein, vielleicht sogar ohne es zu merken, für manche grippale Symptome zeigen oder sogar einen schweren Verlauf haben. Gerade für die Risikogruppen kann eine Infektion sogar tödlich enden.

Doch wie so oft sind die Dinge deutlich komplexer, als sie zunächst zu sein scheinen.

Die Begrenzung und Verlangsamung der Ausbreitung des Virus steht derzeit an erster Stelle in ganz Deutschland. Das ist natürlich medizinisch gesehen auch das einzig Vertretbare, doch sind die Konsequenzen immens.

Viele Firmen und Betriebe müssen derzeit aufgrund der Maßnahmen ihre Arbeit niederlegen. Hört sich vielleicht im ersten Moment ganz nett an, wie „Urlaub“ für die Angestellten. Doch das ist es wahrlich nicht. Mieten und Arbeitnehmer müssen bezahlt werden, egal ob Umsatz gemacht wird oder nicht. Wer kein Geld mehr hat, der entlässt seine Angestellten und baut ab, bis hin zur Insolvenz. Das trifft viel mehr Gewerbe, als man denkt.

Zunächst einmal sind da alle, die unmittelbar Kontakt zu Leuten haben, also eine große Anzahl aus dem tertiären Sektor. Doch sind da keine wirklichen Grenzen zu ziehen, denn letztendlich könnte es jeden treffen, der seine Tätigkeit nicht im Homeoffice bewältigen kann. Einer der Leute am Fließband ist infiziert? Alle bitte zwei Wochen lang in Quarantäne.

Außerdem sind viele Produktionen mittlerweile mit so langen Lieferketten verflochten, dass zum Beispiel Teile aus Italien nicht mehr geliefert werden und so auch hier nicht weitergearbeitet werden kann. LKWs stehen in riesigen Staus an den Grenzen und viele CEOs haben mit Sicherheit längst den Überblick über ihre Produktion verloren.

Kommt noch ein weiteres Problem hinzu: Nicht nur die Herstellung von Produkten ist höchst eingeschränkt, sondern auch die Nachfrage der Menschen. Wer geht denn heute noch shoppen, bestellt Pizza beim Restaurant nebenan oder kauft sich ein neues Auto?

Natürlich ist da nicht jedes Unternehmen von negativ betroffen, Jeff Bezos freut sich sicherlich: In den ersten zehn Tagen der Krise gewinnt Amazon 100 Milliarden Dollar an Wert. Es heißt sogar, dass Jeff Bezos als Person in dieser Zeit um 10 Milliarden Dollar reicher geworden ist. Da tut die 3,5-Millionen-Euro-Spende zur Unterstützung der betroffenen Menschen in Deutschland wohl auch nicht mehr so weh (von Amazon, nicht Jeff Bezos’ Privatvermögen).

Natürlich ist es Aufgabe der Politik, uns bestmöglich durch diese Krisenzeit zu führen. Doch wie soll man auf solch einen Sturm antworten?

Der inzwischen selbst infizierte Premierminister Englands Boris Johnson setzt da auf die Taktik „weniger ist mehr“. So viele Menschen wie möglich in Quarantäne zu schicken, behebe das Problem nicht, sondern verschiebe es nur. Demnach müssten möglichst viele Menschen das Virus bekommen, um immun zu werden. Inzwischen wurde diese Taktik aber wieder revidiert, denn mit 6,6 Intensivbetten pro 100.000 Einwohner wäre das Gesundheitssystem sonst komplett überlastet.

Dass dies nicht passiert, ist auch Ziel der Bundesregierung. Mit der „Vorsorge-Quarantäne“ soll die Infektionskurve abgeflacht werden und somit für genug Kapazität in den Krankenhäusern gesorgt werden. Ob Johnson Recht hat mit der bloßen Verschiebung des Problems, werden wir sehen.

Auch auf die oben erwähnten wirtschaftlichen Folgen hat die Bundesregierung mittlerweile ein paar Antworten vorgelegt. Stichwort Kurzarbeit, Liquiditätshilfe und andere Hilfen für z.B. Kleinunternehmer.

Das sind Hilfen in Form von weniger Lohnzahlungen an die Arbeitnehmer aufgrund von geringeren Arbeitszeiten (diese dürften sonst rechtlich nicht einseitig verändert, hier: gekürzt werden). Auch Vollstreckungsmaßnahmen aufgrund von Schulden (nur wegen des Virus) werden vorläufig ausgesetzt, Steuern müssen aufgrund gewisser Vorgänge nicht mehr direkt in voller Höhe gezahlt werden und Kleinunternehmen können Beträge beantragen, die nicht zurückzuzahlen sind.

Natürlich sind das nur einige Maßnahmen und nur auf die Betriebe bezogen.
Auch für die Entwicklung eines Impfstoffes, die Ausstattung mit Schutzausrüstung und selbst für Verdienstausfälle von Familien aufgrund von Schulschließungen werden Mittel bereit gestellt. Die Liste lässt sich noch relativ lang weiterführen, was sich insgesamt zu einem extrem hohen Hilfspaket summiert. Schaut gerne selbst einmal nach auf den Seiten des Bundesfinanzministeriums.

Für viele wird dies zwar keine völlige Entlastung bedeuten, aber immerhin ein Ausblick sein. Doch was mir einfach nicht aus dem Kopf gehen will, ist die Frage: Woher soll das ganze Geld kommen?

Natürlich ist Deutschland ein sehr finanzstarkes Land. Doch haben wir natürlich immer noch Schulden, also sog. Staatsschulden. Dies bedeutet die Gesamtverschuldung aller öffentlichen Haushalte gegenüber Dritten, also bei Banken, privaten Unternehmen oder sonstigen Geldgebern in Im- oder Ausland. Diese Schulden werden dann gemacht, wenn Einnahmen wie Steuern geringer als die Ausgaben des Staates sind.

Am 31.12.2019 waren dies 1.889.168.000.000 Euro. 2019 war jedoch das fünfte Jahr in Folge, in dem wir mit unserer Haushaltsplanung und der vorhandenen Konjunktur am Abbau dieser Schulden gearbeitet haben.

Nun, das war vor Corona. Es gibt im Internet eine Seite mit einer Schuldenuhr Deutschlands, wo man live sehen kann, wie die Zahl steigt oder sinkt. Begibt man sich dieser Tage auf so eine Seite, so wird mir zumindest etwas anders zumute.

Allerdings muss man fairerweise sagen, dass die USA zum Beispiel bei rund 24 Billionen USD liegen und in Relation zu Größe und Bruttoinlandsprodukt damit schlechter dasteht als Deutschland.

Nun erfordert diese Krise auch enorme Mittel, um Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) zu zitieren: „Deshalb wird hier nicht gekleckert, es wird geklotzt“. Doch frage ich mich, was das für unsere Zukunft und unsere Währung bedeutet. In unserem Fall spielt auch die europäische Zentralbank (EZB) eine entscheidende Rolle, denn diese ist für die Regulierung der Geldmenge und des Bankensystems unserer Währung zuständig.

Klar, durch die geringen Nachfragen zum Beispiel sinkt die Inflationsrate (Geldentwertung) im Moment. Das sieht aber nach der Krise wahrscheinlich völlig anders aus aufgrund der riesigen Summen, die im Moment in die Märkte zur Rettung der Wirtschaft gepumpt werden.

Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass auch im Jahre 1922 die Nachkriegsinflation hoch war, aber durch den Generalstreik und die von der durch Kredite der Reichsbank weitergezahlten Löhne, stieg sie ins Unermessliche. In dem Moment der Streiks hat sich dies, ähnlich wie heute, kaum in den Preisen widergespiegelt.

Da stelle ich mir schon die Frage, ob und inwieweit die Fiskalpolitik dies ausgleichen kann. Stehen wir nach der Pandemie vor einer Euro-Krise? Was bedeutet das für meine Zukunft, was bedeutet das für unsere Zukunft?

Fragen über Fragen stellen sich mir in diesen Zeiten. Eigentlich sollten wir alle Tagebuch schreiben, damit wir später unseren Enkeln genau berichten können, was „damals“ alles so geschehen ist. Denn eins ist klar, die Auswirkungen von Corona sind einschneidend.

Veröffentlicht von Drea Voe

Lehrerin an der Eichenschule in Scheeßel

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