Grüße aus dem Homeoffice – Tag 8 – Lehreredition 2

„Freitag der 13. – das wird heute doch ein besonderer Tag, Kleines.“

Was auch immer das bedeuten mag, ich blinzelte Herrchen nur an und richtete meinen Fokus wieder auf die nächste Nachricht am Feldrand. Es war 5.43 Uhr in der Früh und der quasselte mich schon mit seiner Pseudo-Philosophie voll. „Bald“, das sagte Herrchen auch noch, „kannst Du morgens länger schlafen. Das wird dich freuen.“ Ja, klar! Es war ja auch bald Wochenende. Dass Herrchen und Frauchen schon am Abend vorher aufgeregt über irgendwas diskutiert hatten und die Tage zuvor nur zwei Themen – Prüfung und Grippe – durch die Wohnung waberten, interessierte mich in diesem Moment am Feldrand nicht so sehr. 

Eigentlich. Herrchens Faselei und unser morgendlicher Rundgang liegen jetzt schon einige Tage in der Vergangenheit. Und seitdem hat sich eigentlich alles verändert. Eigentlich gehen Herrchen und ich auf unsere morgendliche Runde, wenn es dunkel ist. Jetzt kann ich aber länger schlafen – immerhin hält der Wort. 

Eigentlich gehen er und Frauchen auch immer irgendwann früh am Tag aus dem Haus. Jetzt sind die den ganzen Tag hier. 

Eigentlich holt mich häufig mal mein Oma-Frauchen ab. Jetzt sehe ich sie und die anderen fast überhaupt nicht mehr. 

Eigentlich darf mich beim Spazierengehen jeder streicheln, der will. „Sie liebt das und Kinder sowieso“, sagt Herrchen den Leuten dann immer. Jetzt darf mich keiner mehr streicheln und Oma-Frauchen nur, wenn sie sich vorher die Hände gewaschen hat. 

Im Moment gehen Herrchen und ich mehr denn je im Wald spazieren. „Da haben wir unsere Ruhe und da wird uns schon nichts passieren“, schmunzelt er inzwischen immer. Zwischen Nachrichten lesen, dem Hinterlassen eigener „Hinweise“ und Leckerlies suchen interessiert mich das nun doch. Es muss ja Gründe dafür geben, dass Herrchen und Frauchen bei dem anderen Oma-Frauchen nicht mehr vorbeischauen. Letztens haben wir denen mitten in der Woche Brötchen gebracht, haben aber keine mit ihnen gegessen. Verrückt! 

An der Tür klingelt es auch nicht mehr. Kein Oma-Frauchen, keine Freunde, niemand kommt mehr. Und die beiden Stubenhocker gehen auch nirgendwo mehr hin. Ab und an einkaufen, danach müssen sie gefühlt stundenlang die Hände waschen, statt mich direkt zu knuddeln. Als sei das wichtiger. Herrchen sagt, er meint es glaube ich als Scherz, ich sei eine Pelzbazille. Deswegen dürfe mich auch keiner mehr draußen streicheln. 

Ab und an bringen wir Herrchens Oma nun was zu essen. Leider darf sie mich aber auch nicht mehr streicheln. So ganz kann sie das auch nicht verstehen. „Darf ich denn noch spazieren oder einkaufen gehen?“ oder „Aber zum Mittagessen darf ich doch zu deiner Mutter gehen, oder?“ fragt sie dann. „Nein“, antwortet Herrchen, „das ist nicht die beste Idee.“

Morgens stehen Herrchen und ich auf und gehen unsere Runde – alles normal also. Aber danach geht er an den Schreibtisch, arbeitet. Faselt was von Prüfungen, Unterrichtsentwürfen, Korrekturen, Hausaufgaben, Infektionszahlen, Ausgangssperren und von Ungewissheit. Er sagt mir, gewiss sei nur die Ungewissheit. Und die Tage zögen ins Land, dann lacht er und sagt: „Das verstehen nur Insider.“ 

Wie auch immer, ich finde es schön, dass Herrchen und Frauchen jetzt immer zuhause sind. Ich bin zwar auch gerne allein, aber es ist lustig zu sehen, wie sie an ihren PCs tippen, über die Schule diskutieren und sich Fragen, ob „Es“ in diesem Halbjahr endlich vorbei gehe. Teilweise wirken sie da beunruhigt. Frauchen und Herrchen wünschen sich sehr, dass sie bald wieder zur Arbeit gehen dürfen. Sie können aber nicht sagen, wann das sein wird. 

Inzwischen habe ich verstanden, weshalb Herrchen so viele neue Regeln eingeführt hat. Das bedeutet nicht, dass ich sie gut finde. Aber er meint, man müsse sein eigenes Wohl zurückstellen, damit es anderen gut gehen könne. Also: Keine Streicheleinheiten bis… Ja, bis wann? Keine Ahnung. Gewiss ist aktuell nur, dass Herrchen noch ein paar Tage vor sich hinbrüten wird. Dass er sehr regelmäßig Nachrichten liest – nicht die am Feldrand! – und über irgendein Bier reden wird. Sei es für die Arbeit oder für die Welt da draußen. Da höre ich nicht mehr so genau hin. Da sind die Nachrichten am Feldrand und im Wald doch eher meine Lebenswelt.

Aber eines sagt Herrchen auch noch ganz oft. Ich weiß zwar nicht, wen er meint, aber es klingt gut:

„Um den Rinderteufel zu zitieren: ‚AWG – Alles wird gut.“

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