Grüße aus dem Homeoffice – Tag 7 von Merle Porthmann

Auf einmal war alles anders. Stille. Von einer Sekunde auf die nächste.

Menschen wie ich, die sich auf die kommende „freie Zeit“ gefreut hatten, realisierten auf einmal, was das eigentlich zu bedeuten hatte, eingesperrt in seinen vier Wänden zu sein. Verzweiflung kam auf. Was soll ich in der langen Zeit machen? Vergessen mich meine Freunde? Wieso musste ausgerechnet jetzt so eine Pandemie ausbrechen? Keine Antworten. Dafür ein Haufen ungewisser Fragen…

Ich finde die Zeit zu Hause ziemlich anstrengend, fast bedrängend… Das Wetter wird besser, die Sonne kommt raus und ich habe nicht mal einen Alibi-Hund, mit dem ich Gassi gehen kann. Sehr schade.

Dafür habe ich ein Pferd. Ich will nicht sagen, dass es besser ist als ein Hund, aber die Fahrt dahin nimmt auch Zeit weg, ebenso das Rumtüdeln am Stall. Somit kann man schon mal 3-5 Stunden von Zuhause weg sein und die Langeweile fliegt davon. Hat also seine Vorteile. Normalerweise war ich unter der Schulwoche zwischen Lernstress, Freunden, Unternehmungen, nicht häufig am Stall. Höchstens zwei bis drei mal….Jetzt auf einmal jeden Tag! Schon verrückt, muss ich sagen. Nun würden die „Coronaferien“ doch noch Spaß machen, dachte ich mir. Pustekuchen. Nach fast einer Woche kann ich sagen, dass ich es beschissen finde. Wortwörtlich. Es war nämlich dann doch nicht die friedliche, entspannte Ponywoche, ohne Schule, sondern ein reinstes Kopfchaos für mich, was wahrscheinlich noch anhalten wird.

Wie man sich hätte vorstellen können, kamen eine Menge Schulaufgaben zusammen. Normalerweise, wenn man in der Schule sitzt, findet man es nicht so schlimm und kann sich die Zeit einteilen, aber zu Hause wird es zu der reinsten Quälerei. Ich sitze da, versuche ein Fach abzuarbeiten und vergesse, dass es für mehrere Stunden vorhergesehen ist, weil ich es schnell beenden möchte. Also saß ich an manchen Tagen einfach drei Stunden an einem Fach. Langeweile war zwar weg. Aber der Stress blieb da, weil immer noch vier Arbeitsblätter zu erledigen waren. Schluck.

Zudem gilt das Gebot, dass wir uns nicht mit Freunden und Co. treffen sollten, um rücksichtsvoll zu handeln, um ein weiters Anstecken zu vermeiden. Hört sich leichter an als gesagt. Ich muss zugeben, ich treffe mich trotzdem mit meiner besten Freundin, aber am Stall. Wir sind eh an der frischen Luft und sind mit unseren Pferden beschäftigt. Aber auch im Stall gibt es hunderte von Regeln, die man jetzt einhalten muss. Beispielsweise muss jeder beim Putzen drei Meter Abstand beibehalten, es dürfen nur drei Pferde in der Halle zur selben Zeit bewegt werden und ein kurzes „Moin“ aus einer Entfernung von drei Metern soll genügen. Die Zahl drei ist momentan wohl magisch.

Das Händewaschen am Stall wird jetzt auch immer zu einer Zeremonie, ich glaube, ich habe noch nie in meinem Leben so oft meine Hände gereinigt. Die Armen. Sie sind schon ganz schön kaputt. Ohne die 100 Handcremes, die sich über die letzten Jahre angesammelt haben, weil ich sie zuvor nie brauchte, würden sie das nicht überleben.

Klar fangen wir an rumzumeckern, aber ganz ehrlich, es ist menschlich. Es braucht seine Zeit, um sich an diesen ungewohnten Zustand zu gewöhnen, den wir noch nie hatten. Meine Gefühle müssen damit auch klar kommen. Denn das Schlimmste ist: Ich kann meinen Freund nicht sehen. Ihn nicht treffen, um meine Familie und seine zu schützen. Es ist hart. Sehr hart. Nun ja, es gibt die diversen Fernbeziehungen, bei denen man sich vielleicht über einen längeren Zeitraum nicht sehen kann. Aber das, was ich empfinde, fühlt sich null danach an, sondern eher wie ein Gefängnis, wo man drinnen sitzt und nicht raus kann, um sich zu sehen. Sowas zieht an den Nerven. Wenn ich nicht am Stall bin oder generell an der frischen Luft, denke ich auf einmal ganz anders als früher. Ich bin immer ein positiver Mensch gewesen, aber nun macht mich das Ganze ein wenig traurig. In manchen Momenten hasse ich das Virus!Was es mit uns macht und wie es unsere Bedürfnisse beschränkt.

Trotzdem denke ich, dass es uns stark macht und uns zusammenhalten lässt. Es wird schon richtig sein, was wir im Moment durchmachen müssen. Es wird sich auszahlen. Wir müssen weiter kämpfen, auch wenn es manchmal schwer ist. Wir tun es für unsere ältere Generation und die Menschen, die das Virus vielleicht nicht überstehen würden.

Zeigt Mitgefühl und bleibt stark! Zusammen schaffen wir das!

Veröffentlicht von Drea Voe

Lehrerin an der Eichenschule in Scheeßel

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