Grüße aus dem Homeoffice – Tag 5 – Lehreredition 1

Mist! Nachtmodus nicht eingestellt, NYTimes-Newsletter weckt mich sehr, sehr, sehr früh morgens, eigentlich ist noch nachts. Ärger steigt hoch, könnte den Schultag dank Corona später beginnen, war wohl nichts…schwere Entscheidung…jetzt, wo ich wach bin, kurz in die News schauen? Warten? Neugierde siegt. Biden vs. Sanders – langweilig. Corona vs. Trump? Virus kann er nicht per Twitter bashen oder bannen…What to cook right now? Ist das noch wichtig? Bekomme ich noch alle Zutaten? Das Nudelgericht würde ich schon gerne mal nachkochen. Funfact: Deutsche kaufen Toilettenpapier und Nudeln, Franzosen Rotwein und Kondome leer…
Noch kurz umdrehen. Hörbuch an. Ryan Gattis eignet sich wirklich nicht als Einschlafhilfe! Wohl doch eingedöst. Tagesbeginn deshalb leicht gerädert. Wie viele Homeoffices verträgt ein Haushalt eigentlich? Mein Büro ist belegt, deshalb der Esstisch zu meinem Homeoffice avanciert. Wenigstens mit Blick in den Garten und auf die Straße. Anders als sonst ist da allerdings rein gar nichts los. Alle Nachbarn zum Zuhausesein verdammt. Oder Quarantäne? Niemand in Sicht. Nicht einmal Autos. Geisterstraße – mitten in der Stadt.
Ich brauche Struktur und Motivation, deshalb: aufstehen, Tee kochen, Rechner hochfahren, IServ checken. Haben Schüler geschrieben? Kollegen? Fragen zu meinen Aufgaben? Warum lesen die meine Aufgabenstellungen nicht richtig? Das steht auf Seite 2. Kurze Antwort. Einmal. Zweimal. Dreimal. Trotzdem: Die Kleinen machen das toll. Selbst die, die letzte Woche in der Verfügungsstunde bei ITG schon wieder ihr Passwort vergessen und LibreOffice nicht gefunden haben. Klappt. Dank großzügiger Homenachhilfe durch die Eltern. Oder Geschwister. (Oder Großeltern?) Die dafür nicht bezahlt werden. Im Homeoffice der Kinder.
To do-Liste für heute: Heute ist Freitag. Tag 5: Aufgaben WPK Journalismus. Erledigt. LK ist versorgt. Umfangreicher Arbeitsplan, kaum zu schaffen. Warum fragen sie nichts? Arbeiten sie überhaupt? Soll ich nachhaken? Sind sie nicht groß genug? Doch. Nein. Kurze Mail, ob alles läuft.
Phone leuchtet. Immer neue Eilmeldungen, SZ, FAZ, NYTimes mit Wasserstand zu Fallzahlen, Infizierten, Toten. Was man über Corona wissen muss, soll, kann…ich müsste, sollte, könnte das deaktivieren. Mache ich aber nicht.
Muss mich motivieren, gehe kurz nach draußen. Sehe meine Nachbarin. Kurzer Plausch über den Zaun, Abstand natürlich. Tröpfcheninfektion vermeiden. Beeindruckend, mit welch medizinischem Vokabular neuerdings alle sprechen. Was machen die Hühner? Die Hunde? Du auch Homeoffice? Eher träge? Ausgebremst? Was gibt’s Neues brauche ich nicht zu fragen. Was soll es schon geben. Sonst springt mich Frieda (der süße Terrier, nicht die Nachbarin) immer fröhlich an. Heute nicht. Barriere. Zaun.
Ans Korrigieren. Selten so viel Ruhe dabei gehabt. Ob das gut ist für die Schüler? Unter Druck korrigiere ich vielleicht viel freundlicher. Muss ja zügig fertig werden. Jetzt habe ich für jede Arbeit ganz viel Zeit. Finde dabei ganz viele Fehler. Kurze Pause. Belohne ich mich mit einer Runde „Fishdom“ oder einer neuen Folge „Better call Saul“? Netflix gewinnt. Weiter korrigieren. Heute ist Freitag, also „Picard“-Tag. Das Ritual besagt, erst nach der Schule gucken. Nach der Schule ist momentan aber passe, irgendwie ist momentan immer Schule oder gar nicht. Könnte ich also auch jetzt reinschauen, deshalb kurz Prime öffnen. „The past is written, the future is left for us to write.” – Hoffentlich! Ob die Schüler wohl alle wirklich an den Aufgaben sitzen? Konzentriert?Eltern kontrollieren? Oder doch Freiheit in der Arbeitsorganisation? Mir fehlt der Unterricht. Der richtige, analoge. Unmittelbare Kommunikation. Interaktion. Fragen gleich klären können. Das hier im Homeoffice ist viel zeitaufwendiger. Allein das Scannen des Materials…
Schluss für heute. Pensum erfüllt. Was nun? Mehr Serien, Spielen oder mein Buch weiterlesen?
Garten! Frische Luft und Bewegung sind sicher gut. Für oder gegen alles, man muss nur fest genug daran glauben. Und die Arbeit muss erledigt werden. In diesem Jahr werden bestimmt alle Nachbarn superschicke und gepflegte Gärten haben. Aus Mangel an Alternativen…
Vorher noch kurz Nachrichten. Hilfspakete für Solo-Selbständige. Weiteres Wort, das viele in Zeiten von Corona neu lernen.
Ob wir wohl wirklich im April wieder mit Schule anfangen? Wenn nicht? Was dann?
Viele, nein! – mehr Grüße aus dem Homeoffice…

Veröffentlicht von Drea Voe

Lehrerin an der Eichenschule in Scheeßel

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