How to get a million followers

Ein erfolgreiches Profil auf Instagram mit einer Millionen Follower und tausenden Likes. Wie wird man ein erfolgreicher Influencer, dem die Werbedeals nur so hinterher geschmissen werden, der fünfstellig verdient, der sich Luxus leisten kann?

Tja, das Influencerbusiness ist bei weitem kein Zuckerschlecken. Nur die Harten kommen in den Garten.

Zuerst einmal ist es wirklich wichtig, die richtige Ausrüstung zu haben: das neuste iPhone, natürlich nur in Kombination mit AirPods, am besten wäre dazu auch noch eine weiteres Apple Produkt als Ergänzung: ein MacBook oder eine Apple Watch.

Ganz viel Schminke (bitte nur von Marken, die preislich bei dem Wert eines gebrauchten Kleinwagen einsteigen) ist auch sehr wichtig. Und natürlich nicht zu vergessen: eine Wohnung, die absolut „tumblr“ (wer dieses Wort nicht kennt, kann übrigens direkt einpacken) aussieht und mit möglichst vielen Lichterketten, Duftkerzen, einen Kühlschrank, der einen eingebauten Wasserspender und eine Eiswürfelmaschine besitzt, einen Smoothie Mixer von der Marke „Ninja“ und natürlich und einen XXL-Kleiderschrank, der mehr Klamotten als der gesamte H&M beinhaltet (natürlich ebenfalls wieder von Marken, die preislich bei dem Wert eines gebrauchten Kleinwagen einsteigen).

Kommen wir nun zum richtigen „Lifestyle“: ein Abo im „Gym“, also auf deutsch Fitnessstudio, ist essenziell. Dazu gehört der entsprechende Körper: wenn es zum Sixpack nicht ganz reicht, wäre es gut, trotzdem so zu tun, als wenn man eins hat (Photoshop ist recht hilfreich) oder zumindest täglich in die Instagram Story ein Bild zu posten, auf das man „workout done“ oder „abs in process“ schreibt. Auch ein möglichst großer „Booty“, also auf deutsch Hintern, ist sehr fördernd für ganz viele Klicks. Ein Bild in knallenger Leggins aus dem Fitnessstudio mit einem Pfirsich Emoji kommt immer gut.

Ebenfalls zum richtigen „Lifestyle“ gehört natürlich auch richtiger Urlaub, dokumentiert durch unzählige Fotos und Posts im Bikini, eines Sonnenuntergang oder ganz klassisch aus dem Luxushotel halbnackt im Pool. Aktuell auch heiß beliebt, im wahrsten Sinne des Wortes, sind Aufnahmen aus der Wüste in einem luftigen Gewand, optimaler Weise aufgenommen mit einer Drohne.

Eine Drohne zum Dokumentieren und Präsentieren eines Urlaubsortes ist allgemein recht empfehlenswert, da man so auch die Zielgruppe der Reiseinteressierten abgreift. Auch Monate danach wenn es dann wirklich kein Schwein mehr interessiert liefern alte Urlaubsbilder mit der caption „take me back“ durchaus verwendbares Material, wenn einem sonstige Ideen für interessante Inhalte ausgehen.

Der „Key“ zu einer makellosen Visage ist die richtige „Skincare“. Wichtig sind hierbei gesponserte und viele überflüssige Produkte. Immer schön sorgfältig morgens so wie abends das Gesicht erst reinigen und abschminken, dann peelen, eine Gesichtsmaske verwenden, danach einen Toner und zum Schluss eine Feuchtigkeitscreme und je nach Tageszeit abends gerne noch eine „Sleepingmask“ über Nacht auftragen.

Dies ist besonders bei jungen Mädchen im Alter von 16 bis 18 Jahren äußerst wichtig, damit sich keine Falten auf der jungen Haut bilden, da Falten bekanntlich besonders im Teenageralter ein schwerwiegendes Problem darstellen.

Auch die Zähne sind weiß am schönsten, deshalb empfiehlt sich ein bleaching mit dem Starter-Kit von der Marke „HiSmile“, deren Produktplatzierungen einem spätestens nach 10 Minuten Instagram scrollen auf die Eier(-stöcke) gehen. Wenn man dann mit dem Gerät im Mund einen kleinen Einblick in die Prozedur durch ein Foto in der Story gibt, sieht das zwar für Normalsterbliche nach einem ernsthaften Unfall mit einem Eispuck aus, Kenner wissen jedoch, dass das ein alltägliches Muss und völlig normal ist.

Um nun den Influencer-Body zu bekommen, mit dem man die besten Fotos für den Instagram Feed shootet, ist eine repräsentative Ernährung wichtig. Um jeden Tag jede Mahlzeit, jeden Snack zu posten und zu teilen, bietet es sich an, eine Instagram Story mit dem Titel „Food diary“ oder „What I eat“ zu erstellen.

Hierfür eignen sich zum Beispiel Smoothie Bowls, die im übrigen arschkalt sind und einem buchstäblich den Rachen abfrieren oder irgendetwas mit Hafer, am besten Oatmeals oder Overnight Oats, die meistens wie Pappe mit Früchten schmecken. Auch ein Avocadotoast bringt Abwechslung und erweckt den Eindruck, man ernähre sich besonders exklusiv und abwechslungsreich. Aber Achtung: in jede Mahlzeit sollte ein zum Kotzen schmeckendes Proteinpulver gemischt werden, das von einer Marke gesponsored wurde. Deshalb muss man dann auf jedem Bild die Marke verlinken und dazu „Werbung wegen Markenerkennung“ schreiben.

Da ich somit bereits die Werbedeals angesprochen habe, können wir bei dem Thema direkt einsetzen. Viele Werbedeals mit Firmen, die völlig überteuerte Produkte an Minderjährige verkaufen, damit diese z.B. die perfekte Haut bekommen, die perfekten Haare oder den perfekten Körper, legen den Grundstein für ein erfolgreiches Influencerdasein. Werbedeals bringen Geld ein und welches Produkt man dafür verscherbeln muss, ist eigentlich recht nebensächlich. Hauptsache die Follower kaufen es. Ob diese dafür gut und gerne mal 50 Euro mehr als für nicht angeworbene Produkte bezahlen müssen, ist ebenfalls recht nebensächlich.

Doch was, wenn die Followerzahl einfach nicht steigen will? Da gibt es einige Mittel und Wege Aufmerksamkeit zu erlangen. Am allerbesten funktioniert ein Outing als lesbisch, bisexuell oder schwul. Oder eine Trennung, falls man aktuell in einer Beziehung ist. Dies muss man ausgiebig jedem unter die Nase reiben, mit sentimentalen Sprüchen oder einem Bild mit einem Schwarzweißfilter unterlegt, auf dem man selbst beim Weinen zu sehen ist oder wenn es dazu nicht ganz reicht, vielleicht eine Fensterscheibe mit Regentropfen oder eine Lichterkette.

Das Wichtigste und Zentrale ist also: den Eindruck vermitteln, das perfekte Leben zu leben, in Krisenzeiten des Followerrückgangs jedoch ab und zu Transparenz durch Skandale schaffen. So reicht es dann irgendwann mit Sicherheit zu einer Millionen Follower.

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