Der Bachelor

Da wir mittlerweile im 21. Jahrhundert leben und überall die Gleichberechtigung von Frau und Mann gefordert wird, müsste man meinen, dass vor allem bei dem größten Privatsender Deutschlands „RTL“ keine Geschlechter-Klischees mehr herrschen.
Wer sich jetzt auch fragt, auf welches von den vielen frauenverachtenden Formaten ich hinaus möchte: Ich dachte da zum Beispiel an die Reality-Show „Der Bachelor“.
„Der Bachelor“ scheint durchaus nicht unbeliebt oder unbekannt zu sein. 2018 verfolgen im Durchschnitt 3.530.000 Zuschauer pro Folge, wie eine Horde junger Frauen um die Gunst eines Mannes, dem ach so großartigen „Bachelor“, kämpft.
Auch 2019 geht es wie immer darum, dass der Bachelor aus 20 jungen Bewerberinnen seine „Traumfrau“ aussucht. Von Folge zu Folge sortiert er aus, wer ihm nicht gefällt, er hat die freie Wahl, da selbstverständlich jede der jungen Damen Hals über Kopf in den Bachelor verliebt ist.
Wenn ich mir jedoch die Bachelor der vergangen Folgen angucke, frage ich mich unwillkürlich, ob die Frauen bei ihrer Bewerbung wussten, in welchen Mann sie sich verlieben müssen, da es mir mit meinem Geschmack doch äußerst schwer fiel, den Bachelor gutaussehend zu finden. Der Bachelor von 2015 zum Beispiel erinnert mich auf den ersten Blick durch seine ausgeprägte Körperbehaarung eher an einen Braunbären, als an Objekt weiblicher Begierde.
Jedoch sind Geschmäcker natürlich verschieden.
Es gibt Dramen und natürlich auch wie jedes Jahr viele Tränen um die begehrten Rosen, die vom Bachelor an die Frauen verliehen werden, die eine Runde weiter kommen. Jede Dame möchte natürlich überzeugen, als es zu dem ersten Kontakt mit dem Mann der Träume kommt. Die Glücklichen werden nacheinander mit einem schicken Auto vorgefahren, um dann in Zeitlupe und mit dramatischer Musik unterlegt langsam ihre Beine, die High Heels voran, aus dem Auto zu schwingen.
Ein paar der Kandidatinnen verhielten sich recht normal, als jedoch einige anfingen zur Begrüßung zu tanzen und zu singen wechselte mein Interesse an der Show ungewöhnlich schnell zur Fremdscham und ich verspürte das eine oder andere Mal das Bedürfnis, mir mit der Hand vor den Kopf zu schlagen oder doch schnell umzuschalten.
Auch der extra fein heraus geputzte Bachelor wusste zunächst gar nichts mit den extravaganten Gesangs- und Tanzeinlagen anzufangen und setze ein Dauerlächeln auf, das man ohne zu Zögern für eine Zahnpastawerbung verwenden hätte können.
Um nochmal auf meinen anfänglich erwähnten Vorwurf zurück zu kommen, dass RTL Sendungen ausstrahle, die frauenverachtend sind: Für mich ist diese Sendung ganz klar mit das Dämlichste, was im deutschen Fernsehen zu sehen ist. 20 Frauen, die sich von Sendung zu Sendung untereinander um einen Mann streiten, der die Qual der Wahl hat und natürlich das Privileg, sich seine Herzensdame frei auszusuchen. Besser könnte es für ihn gar nicht laufen. 20 Frauen die ihn anhimmeln und ihn von Anfang an begehren.
Man könnte also meinen, dass diese Serie dem Bachelor nicht nur dazu dient, eine Partnerin zu finden, sondern auch, sein Ego zu stärken.

Ein Kommentar zu “Der Bachelor

  1. Hallo Friederike,

    Als eingefleischtem Bachelorjunkie muss ich hier natürlich mal einschreiten.

    Erstens gibt es ein exakt genau so blödes Format Bachelorette, wo dann 20 gierige Knaben um eine zweifelhaft begehrenswerte Schmalspurprinzessin herumtanzen wie um ein goldenes Kalb.

    Zweitens sind die Egos der meisten Teilnehmer vor der Sendung größer als hinterher, denn es blamieren sich alle.

    Grüße
    Boots Koslowsky

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