Unter fernen Sternen

Urlaub bedeutet für mich statt von einer Sehenswürdigkeit zur anderen zu jagen, sich einfach mal zu entspannen.
Anstatt ständig Fotos zu schießen, schaue ich mir die Umgebung mit eigenen Augen an und lasse mich auf die Atmosphäre ein.
Dabei muss ich nicht mal an besonders populäre Orte, im Gegenteil, am liebsten suche ich eher stille und wenig besuchte Plätze auf. Vorzugsweise abends, da die meisten Urlauber vormittags bis mittags unterwegs sind.

Die vergangenen Sommerferien verbringe ich an der portugiesischen Algarve in einem Hotel, welches nur eine Treppe vom Strand entfernt war, wodurch ich nach dem Abendessen schnell dorthin gelange.
Direkt am Eingang befindet sich ein kleines Lokal, von dem eine geschäftigte, aber angenehme Atmosphäre ausgeht.
Wenn ich daran vorbeigehe, komme ich an einen leeren Strandabschnitt.
Die vom Mittag stehengebliebenen Liegen befinden sich noch an Ort und Stelle.Je weiter man sich von dem Restaurant entfernt, desto dunkler und stiller wird es.
Ich ziehe meine Schuhe aus, damit ich den kühlenden Sand an meinen Füßen spüren und bequem über den weichen Untergrund schlendern kann.

Die Gespräche klingen immer entfernter und das Rauschen der Wellen des Nordatlantiks rückt in den Vordergrund.
Ich atme tief ein und rieche das Salz des Meeres, gemischt mit dem süßen, erfrischenden Duft des Windes. Entspannt lasse ich mich auf eine dunkle Liege fallen, schließe für einen Moment die Augen und spüre, wie der Wind durch meine Haare weht.
Ich schaue hinauf in den schwarzen Nachthimmel. Die Sterne sind, so weit weg von all dem Licht, besonders deutlich zu erkennen. Hier in Portugal sehen sogar sie ein bisschen anders aus als Zuhause. Sie strahlen richtig, wirken viel heller als sonst, wenn ich sie von meinem Zimmer in Niedersachsen aus betrachte.
Ich erkenne ganz deutlich den großen Wagen und den kleinen Bären. So klar habe ich sie noch nie gesehen.

Wenn ich weiter nach unten schaue, sehe ich am gegenüberliegenden Ufer helle Lichter in allen möglichen Farben leuchten. Ich kneife meine Augen zusammen und versuche zu erspähen, woher das Scheinen kommt. Häuser, Schiffe oder ein Leuchtturm? Schwer zu sagen. Es ist zu weit weg. Meine Gedanken schweifen nach Deutschland. Verglichen dazu sind diese Lichter nah. Wie es dort wohl gerade ist? Bestimmt nicht so angenehm wie hier. Ich überlege, was meine Freunde wohl gerade machen. Manche von ihnen sind noch weiter weg von Zuhause als ich, sogar auf anderen Kontinenten.
Die Musik des Lokals wird lauter und holt mich zurück ins Hier und Jetzt, nach Portugal an der Algarve.
Ich atme ein, bleibe noch ein paar Atemzüge liegen, bis ich mich aufraffe und langsam auf den Rückweg zum Hotel mache, zurück zu den Geräuschen, den Lichtern und all dem Trubel.

Eingereicht von Lydia Wahlers

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