Reportage: Schiedsrichter im Brennpunkt

Schiedsrichtergewalt im Deutschen Amateurfussball

Jeersdorf Es ist ein ganz normaler Sonntagnachmittag in der 2. Kreisklasse Süd im Landkreis Rotenburg. Das Spiel zwischen Germania Hetzwege und dem SV Jeersdorf wird angepfiffen. In der 48 Minute bringt Domenik Nauka den Sportverein aus Jeersdorf in Führung. Das Spiel verläuft zunächst friedlich. In der 85. Spielminute wird ein Spieler des SV Jeersdorf wegen eines Fouls mit der gelbroten Karte des Platzes verwiesen. Ein Fan stürmt daraufhin auf den Platz und greift Schiedsrichter J. Kretschmann (Heeslinger SC) ins Gesicht. Daraufhin bricht Kretschmann die Partie ab und schickt die Mannschaften in die Kabine.Eine Tat mit Konsequenzen! Das Spiel wurde im nachhinein für Hetzwege gewertet und Jeersdorf gingen sichere Punkte im Aufstiegsrennen verloren.

Dies ist nicht der einzige Fall von Schiedsrichtergewalt im deutschen Amateurfußball.

In letzter Zeit entwickelt sich im Amateurfußball eine Neigung zur Gewalt gegen die Unparteiischen. So wurden in der Saison 2017/18 von 1,31 Millionen ausgetragen und erfassten Spielen 667 Spiele abgebrochen. Bei 4087 Spielen kam es zu Gewalthandlungen und bei 2768 Spielen zu einer Diskriminierung gegen Spieler und Schiedsrichter (Quelle: DFB).

Schiedsrichter Mattis H. sagt im Interview, dass es neue Regeln im Verhalten gegenüber Schiedsrichter geben sollte. Sein Vorschlag ist, dass nur noch die Kapitäne der Vereine zum Schiedsrichter gehen dürfen, um Beschwerden vorzubringen, da man so Diskussionen mit aufgebrachten Spielern aus dem Weg gehen könne. Außerdem sagt H.: „Bei Profis ist die Beschwerde gegenüber den Schiedsrichtern mehr nachzuvollziehen, da es um ihren Beruf geht. Bei Spielen im Amateurbereich ist die Gewalt jedoch meist nur Frust und nicht gerechtfertig.“

Ein Merkmal für die Unzufriedenheit der Schiedsrichter ist, dass die Zahl der Schiedsrichter im Amateurbereich seit 2011 deutschlandweit zurückgeht. Diese Zahl meint die Absprungquote, die hoch ist, und nicht die Quote der neu Angeworbenen. So gab es am 1. Januar 2011 noch 78.455 Unparteiische in Deutschland (Quelle: DFB), 2019 nur noch 56.680 Schiedsrichter, was einen Rückgang von 22.000 Schiedsrichtern bedeutet (27,75 Prozent). Dies resultiert großteils aus der Schiedsrichtergewalt. Durch das Fehlen der Schiedsrichter werden zum Teil unqualifizierte Schiedsrichter zugelassen, die durch Fehlentscheidungen angefeindet werden könnten, was dann einen negativen Kreislauf ergibt.

Der DFB versucht jedoch, der Gewalt gegen Schiedsrichter entgegenzuwirken.

Das Augenmerk des DFB liegt hierbei auf dem Schutz und der Unterstützung der Unparteiischen. Darüber hinaus streben die Landesverbände eine Ausweitung ihrer Schulungsmaßnahmen für die Schiedsrichter und Schiedsrichterrinnen in Form eines Deeskalationstrainings an. Dr. Rainer Koch, 1. DFB-Vizepräsident im Bereich Amateure sagt: „Die klare Botschaft ist: Wir lassen niemanden alleine und wir sind nicht alleine. Jegliche Gewalt, jegliche Angriffe auf Sportplätzen sind Angriffe auf den Fußball.“

Das sind ehrenwerte Ziele. Doch wer garantiert die Sicherheit? Wer garantiert den Schutz der Unparteiischen? Wer kann ihnen sagen, dass sie jederzeit sicher sind? Niemand! Der DFB muss etwas unternehmen und die Strafverfolgung gegen Übeltäter muss besser werden. Wenn dies geschieht, können wir vielleicht irgendwann den Fußball wieder so genießen wie vor vielen Jahren, als die Schiedsrichter noch als Respektpersonen angesehen wurden und vor allem das ehrenamtliche Engagement wertgeschätzt wurde, und nicht jede Entscheidung eines Schiedsrichters oder einer Schiedsrichterin angezweifelt und diskutiert wurde. Dann vermittelt der Amateurfußball wieder das, wofür er gedacht ist: Spaß am Sport und ein fairer Wettbewerb, ohne Profi-Leistungsdruck und Gewalt.! Gewaltmachern muss die Rote Karte gezeigt werden.

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